Das Parkettgespräch: Böse Überraschung
Die meisten Anleger sind hoffnungslose Optimisten: Sie haben viel Geld in Aktienfonds gespart und viel verloren. Verkauft haben bislang nur die wenigsten. "Dafür ist es jetzt zu spät", hört Burkhard Varnholt, Chefstratege des Credit Suisse Private Banking, seit Monaten und Jahren von seinen Kunden. Er beschreibt das unglückliche Verhalten als Schwäche der menschlichen Natur. "Im Bullenmarkt, als Handeln nicht wichtig war, besaßen die Investoren den kürzesten Horizont. Im Bärenmarkt, wo nur aktives Trading funktioniert, sind die Leute wie gelähmt." Doch wer die Augen vor den Depotleichen verschließe und nur passiv investiere, der erhöhe sein Risiko enorm.
Viele Anleger glaubten an einen schnellen Sieg der Amerikaner im Irak, die Analysten prognostizierten 18 Prozent Gewinnwachstum für die Unternehmen an Wall Street, und die Volkswirte versprächen den nächsten Aufschwung. "Der Raum für Enttäuschung ist groß", fürchtet Varnholt. Der Irak bleibe eine große Unbekannte. Konsum- und Investitionsklima würden sich noch weiter abschwächen. Die Gewinne dürften nur einstellig wachsen. Und Aktien seien im historischen Vergleich immer noch teuer. "Wir haben zwar den Großteil der Korrektur hinter uns, aber die Übertreibung nach unten kommt noch", ist der Investmentprofi aus Zürich überzeugt.
"Die Aktienmärkte werden im ersten Quartal eine böse Überraschung für die Anleger parat haben", erwartet Varnholt. Die Kurse könnten durchaus noch einmal um 20 Prozent einbrechen. Und die müsse man ja nicht auch noch verlieren. Da sollte die Aktienquote so niedrig wie möglich sein. Für ein ausgewogenes Portfolio empfiehlt der Berater höchstens 30 Prozent. "Ich habe kein Problem, wenn es weniger sind." Klar sei auch, daß Aktiensparen in diesen schwierigen Zeiten ein sinnloses Unterfangen sei.
Doch wo finden seine Klienten Zuflucht? Gold sei eine Versicherung für das Depot, wenn alles schiefgeht, egal ob der Aufschwung ausbleibe oder sich ein Krieg im Irak in die Länge ziehe. Schon allein aus Gründen der Diversifikation sei es vernünftig, 5 Prozent Gold im Portfolio zu halten - auch wenn Horrorszenarien nur eine Wahrscheinlichkeit von 2 bis 10 Prozent hätten. "Ich würde jetzt aber nicht mehr mit Kaufoptionen auf einen höheren Goldpreis wetten", warnt Varnholt. "Der Markt ist kurzfristig überkauft."
Auch die Anleihen dürften noch ein gutes halbes Jahr erleben, solange Konjunktur- und Kriegsängste nicht besiegt sind. Wer langlaufende Staatsanleihen besitze, solle sie unbedingt noch halten. Auch wenn sie jetzt schon sehr teuer seien, könnten sie noch eine letzte Rally hinlegen, bevor die Inflationssorgen die Oberhand gewännen. Hohe Liquidität in Form von Geldmarktfonds und Tagesgeldern sei kurzfristig ebenfalls keine schlechte Sache.
Wer Geld langfristig investieren wolle, fände Inspirierenderes als Aktien: alternative Investments. "Hedgefonds haben im Grundsatz Qualität bewiesen - auch wenn es eine Menge Ausnahmen gibt", sagt Varnholt. "Sie werden sich in den nächsten Jahren durchsetzen." Der Analyst, der auch für die Entwicklung neuer Finanzprodukte bei der Credit Suisse verantwortlich ist, würde einen großen Teil des Depots - 20 Prozent - mit Hedgefonds bestücken. Die besten Chancen hätten derzeit Manager, die fundamental orientierte Global-Makro-Strategien verfolgten. Dollar- und Yen-Abwertung, Konvergenztrades in Osteuropa, höhere Rohstoffpreise aufgrund der geopolitischen Unsicherheit - all das seien Trends, mit denen ein guter Hedgefonds Geld verdienen könne. Zuletzt gelang das allerdings nicht mehr ganz so leicht. "Mein eigenes Hedgefonds-Portfolio hat im vergangenen Jahr zwei Prozent gutgemacht, während der Tremont-Index ein Prozent verlor", sagt Varnholt und schiebt nach: "Alternative Investments sind kein Allheilmittel." Trotzdem seien sie eine sinnvolle Sache.
Anleger mit einem krisenfesten Depot müßten allerdings auf der Hut sein. "Die Politik der Reflation wird in Amerika gelingen", prognostiziert Varnholt. Wo Unternehmer und Private als Investoren und Konsumenten ausfielen, springe die Regierung mit gewaltigen Konjunkturprogrammen ein - auf Pump. "Wenn die Amerikaner ihre ersten Erfolgsmeldungen aus der Wirtschaft bringen, werden die Aktienkurse rasant steigen und Staatsanleihen unter Druck geraten", erwartet Varnholt. Im zweiten Halbjahr - plus/minus zwei Monate - soll es soweit sein. Das vorläufige Ende der Baisse habe allerdings einen hohen Preis: "Der Staat braucht Inflation, um den Schuldenberg abzutragen", stellt der Ökonom nüchtern fest. "Und Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen." Mit anderen Worten: Sie ist schon unterwegs. Die amerikanische Notenbank habe den Geldhahn weit aufgedreht. Und wenn man die Zinsen nicht mehr weiter senken könne, schwäche man eben die Währung. Auch damit hätten die Amerikaner bereits begonnen. Deshalb würden wir in zwei bis drei Jahren höhere Inflationsraten und steigende Kapitalmarktzinsen sehen. "Das ist alles bestens erprobt", sagt Varnholt. "Die Italiener haben es wie keine andere Nation beherrscht, Schulden durch Inflation abzubauen."
Die meisten Anleger sind hoffnungslose Optimisten: Sie haben viel Geld in Aktienfonds gespart und viel verloren. Verkauft haben bislang nur die wenigsten. "Dafür ist es jetzt zu spät", hört Burkhard Varnholt, Chefstratege des Credit Suisse Private Banking, seit Monaten und Jahren von seinen Kunden. Er beschreibt das unglückliche Verhalten als Schwäche der menschlichen Natur. "Im Bullenmarkt, als Handeln nicht wichtig war, besaßen die Investoren den kürzesten Horizont. Im Bärenmarkt, wo nur aktives Trading funktioniert, sind die Leute wie gelähmt." Doch wer die Augen vor den Depotleichen verschließe und nur passiv investiere, der erhöhe sein Risiko enorm.
Viele Anleger glaubten an einen schnellen Sieg der Amerikaner im Irak, die Analysten prognostizierten 18 Prozent Gewinnwachstum für die Unternehmen an Wall Street, und die Volkswirte versprächen den nächsten Aufschwung. "Der Raum für Enttäuschung ist groß", fürchtet Varnholt. Der Irak bleibe eine große Unbekannte. Konsum- und Investitionsklima würden sich noch weiter abschwächen. Die Gewinne dürften nur einstellig wachsen. Und Aktien seien im historischen Vergleich immer noch teuer. "Wir haben zwar den Großteil der Korrektur hinter uns, aber die Übertreibung nach unten kommt noch", ist der Investmentprofi aus Zürich überzeugt.
"Die Aktienmärkte werden im ersten Quartal eine böse Überraschung für die Anleger parat haben", erwartet Varnholt. Die Kurse könnten durchaus noch einmal um 20 Prozent einbrechen. Und die müsse man ja nicht auch noch verlieren. Da sollte die Aktienquote so niedrig wie möglich sein. Für ein ausgewogenes Portfolio empfiehlt der Berater höchstens 30 Prozent. "Ich habe kein Problem, wenn es weniger sind." Klar sei auch, daß Aktiensparen in diesen schwierigen Zeiten ein sinnloses Unterfangen sei.
Doch wo finden seine Klienten Zuflucht? Gold sei eine Versicherung für das Depot, wenn alles schiefgeht, egal ob der Aufschwung ausbleibe oder sich ein Krieg im Irak in die Länge ziehe. Schon allein aus Gründen der Diversifikation sei es vernünftig, 5 Prozent Gold im Portfolio zu halten - auch wenn Horrorszenarien nur eine Wahrscheinlichkeit von 2 bis 10 Prozent hätten. "Ich würde jetzt aber nicht mehr mit Kaufoptionen auf einen höheren Goldpreis wetten", warnt Varnholt. "Der Markt ist kurzfristig überkauft."
Auch die Anleihen dürften noch ein gutes halbes Jahr erleben, solange Konjunktur- und Kriegsängste nicht besiegt sind. Wer langlaufende Staatsanleihen besitze, solle sie unbedingt noch halten. Auch wenn sie jetzt schon sehr teuer seien, könnten sie noch eine letzte Rally hinlegen, bevor die Inflationssorgen die Oberhand gewännen. Hohe Liquidität in Form von Geldmarktfonds und Tagesgeldern sei kurzfristig ebenfalls keine schlechte Sache.
Wer Geld langfristig investieren wolle, fände Inspirierenderes als Aktien: alternative Investments. "Hedgefonds haben im Grundsatz Qualität bewiesen - auch wenn es eine Menge Ausnahmen gibt", sagt Varnholt. "Sie werden sich in den nächsten Jahren durchsetzen." Der Analyst, der auch für die Entwicklung neuer Finanzprodukte bei der Credit Suisse verantwortlich ist, würde einen großen Teil des Depots - 20 Prozent - mit Hedgefonds bestücken. Die besten Chancen hätten derzeit Manager, die fundamental orientierte Global-Makro-Strategien verfolgten. Dollar- und Yen-Abwertung, Konvergenztrades in Osteuropa, höhere Rohstoffpreise aufgrund der geopolitischen Unsicherheit - all das seien Trends, mit denen ein guter Hedgefonds Geld verdienen könne. Zuletzt gelang das allerdings nicht mehr ganz so leicht. "Mein eigenes Hedgefonds-Portfolio hat im vergangenen Jahr zwei Prozent gutgemacht, während der Tremont-Index ein Prozent verlor", sagt Varnholt und schiebt nach: "Alternative Investments sind kein Allheilmittel." Trotzdem seien sie eine sinnvolle Sache.
Anleger mit einem krisenfesten Depot müßten allerdings auf der Hut sein. "Die Politik der Reflation wird in Amerika gelingen", prognostiziert Varnholt. Wo Unternehmer und Private als Investoren und Konsumenten ausfielen, springe die Regierung mit gewaltigen Konjunkturprogrammen ein - auf Pump. "Wenn die Amerikaner ihre ersten Erfolgsmeldungen aus der Wirtschaft bringen, werden die Aktienkurse rasant steigen und Staatsanleihen unter Druck geraten", erwartet Varnholt. Im zweiten Halbjahr - plus/minus zwei Monate - soll es soweit sein. Das vorläufige Ende der Baisse habe allerdings einen hohen Preis: "Der Staat braucht Inflation, um den Schuldenberg abzutragen", stellt der Ökonom nüchtern fest. "Und Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen." Mit anderen Worten: Sie ist schon unterwegs. Die amerikanische Notenbank habe den Geldhahn weit aufgedreht. Und wenn man die Zinsen nicht mehr weiter senken könne, schwäche man eben die Währung. Auch damit hätten die Amerikaner bereits begonnen. Deshalb würden wir in zwei bis drei Jahren höhere Inflationsraten und steigende Kapitalmarktzinsen sehen. "Das ist alles bestens erprobt", sagt Varnholt. "Die Italiener haben es wie keine andere Nation beherrscht, Schulden durch Inflation abzubauen."
