Die Sprecherin des Finanzministeriums sagte, der Bund sei seit Dezember 2022 Mehrheitsaktionär und habe sich gegenüber der EU-Kommission verpflichtet, die Beteiligung bis spätestens 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie zu reduzieren. Der Verkaufsprozess sei nun offiziell gestartet, um die mögliche Nachfrage auszuloten.
Der Sprecherin zufolge bleibt ein Börsengang eine mögliche und gleichberechtigte Option. Der Börsenwert von Uniper liegt derzeit bei rund 18 Milliarden Euro. Ein Börsengang würde vermutlich länger dauern, weil der Markt in der Regel so große Teile an Konzernen nicht in einem Stück aufnehmen kann. Experten zufolge könnte sich ein Börsengang dementsprechend bis ins Jahr 2027 ziehen. Ein Verkauf könnte schneller über die Bühne gehen. In der Regel werden dafür mehrere Monate benötigt, so dass es über die erste Absichtserklärung, Verhandlungen und dann konkrete Angebote noch in diesem Jahr einen Abschluss geben könnte.
Unklar ist noch, welche Investoren der Bund im Blick hat. Er will eine Sperrminorität von gut 25 Prozent behalten, weil Uniper als Teil der kritischen Infrastruktur gilt. Die Staatsbeteiligung könnte einige Interessenten abschrecken. Passen würden vor allem langfristig ausgerichtete Investoren. Es wird davon ausgegangen, dass der Bund eine Zerschlagung von Uniper verhindern will. Bei einem Käufer aus der Nicht-EU könnte nach dem Außenwirtschaftsgesetz eine Überprüfung der Regierung stattfinden. Grundsätzlich soll der Verkauf aber für alle Investoren offen sein. Insider hatten Reuters zuletzt gesagt, potenzielle Interessenten seien Brookfield aus New York, die EPH von Daniel Kretinsky, die norwegische Equinor und Taqa aus Abu Dhabi.
Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Ende April gemeldet, der Bund könne die Re-Privatisierung schon bald einleiten. Eine Fusion mit der ebenfalls verstaatlichten früheren Gazprom-Tochter Sefe sei unwahrscheinlicher geworden. Beide Unternehmen waren während der Energiekrise 2022 für insgesamt fast 20 Milliarden Euro verstaatlicht worden. Mit dem jetzigen Vorgehen des Finanzministeriums ist eine Fusion von Uniper und Sefe aller Wahrscheinlichkeit nach vom Tisch. Das CDU-geführte Wirtschaftsministerium müsste sich dann um die Sefe-Beteiligung kümmern.
Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums hatte Ende April erklärt, bei Sefe würden verschiedene Optionen geprüft. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden. Die Bundesregierung werde der Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas Rechnung tragen. Sefe war - wie Uniper - infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und des darauffolgenden Lieferstopps russischen Gases in Schieflage geraten. Um einen Zusammenbruch des damals unter dem Namen Gazprom Germania firmierenden Unternehmens und eine Gefährdung der Energieversorgung zu verhindern, hatte der Bund den Konzern 2022 unter Treuhandverwaltung gestellt und später verstaatlicht. Zur Stabilisierung wurde Sefe mit einer milliardenschweren Kreditlinie der staatlichen Förderbank KfW gestützt. Anfang April 2026 löste das Unternehmen das verbleibende KfW-Darlehen vollständig ab und ersetzte es durch eine Kreditlinie eines Konsortiums internationaler Banken. Dieser Schritt gilt als Meilenstein auf dem Weg zur Re-Privatisierung, zu der Deutschland nach den Vorgaben der EU-Kommission bis Ende 2028 verpflichtet ist.
Sondererlöse aus einem Uniper-Deal oder Börsengang würden als finanzielle Transaktion in den Haushalt fließen. Wie viel Geld der Bund einnehmen kann, ist noch offen. Für die Uniper-Rettung hatte er 13,5 Milliarden Euro eingesetzt, einen Teil des Geldes aber schon zurückbekommen.
(Bericht von Chris Steitz und Christian Krämer, Mitarbeit von Holger Hansen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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