DAX in der Übertreibungsphase


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DAX in der Übertreibungsphase

 
01.02.06 23:15

Mittwoch, 1. Februar 2006

Dax in der Übertreibungsphase ...

von Jochen Steffens

Man fragt sich, was die da eigentlich im Dax machen. Es riecht in allen Ecken und Kanten nach einer kurz- bis mittelfristigen Übertreibungsphase. Offenbar wird alles gekauft, was nicht niet- und nagelfest ist, trotz der eher mäßigen Vorgaben aus den USA. Übertreibungsphasen gefallen mir nicht, sie sind aufgrund ihrer inneren Dynamik kaum vernünftig zu prognostizieren, bzw. einzuschätzen. Zudem muss ich mal wieder den bösen Spielverderber spielen:

Schauen Sie sich den Daxchart an:

hier klicken

Sie sehen, dass der Dax idealtypisch aus dem Aufwärtstrend mit einem Gap Up nach oben ausgebrochen ist (wie ich es schon vor den Problemen mit dem Iran vermutet hatte). Nun steigt der Dax senkrecht nach oben an. Solche extremen Entwicklungen sind in den aller seltensten Fällen gesund, aber in den aller meisten Fällen gefährlich. Die Marktteilnehmer werden extrem "kaufnervös" und neigen dazu, zu große Positionen in den Markt zu hauen und somit zu große Risiken einzugehen.

Sie können sicherlich an sich selbst die Unruhe und den Stress spüren, der gerade entsteht, wenn alles einfach nur davon läuft. In solchen Phasen ist es unendlich wichtig, vernünftig, ruhig und besonnen zu agieren und sich NICHT von der allgemeinen Kaufpanik anstecken zu lassen!

Gehen Sie auf keinen Fall zu große Risiken ein. Im Moment ist ein großer Teil der Rally (von 2003-2006) schon gelaufen, das sieht wie die Übertreibungsphase aus, die den Trend erst einmal für eine gewisse Zeit beendet. Jetzt ist kein wirklich guter Zeitpunkt, "massiv" in den Markt einzusteigen. Um den letzten Hype nicht zu verpassen, können Sie natürlich versuchen, mit kleineren Position einzusteigen, um diese dann auszubauen. Alles andere ist zu riskant.

Die Amis spiegeln diese Euphorie nicht!

Dabei finde ich die Amis noch gar nicht so wirklich bullish (im sehr kurzfristigen Bereich), eher unentschlossen. Dort warte ich immer noch auf klarere Kaufsignale. Aber der Dax ist im Moment unfassbar stark. Mir tun die Bärchen etwas leid.

Welches Potenzial hat der Dax?

Nachdem der Daxchart nach oben ausgebrochen ist, ist theoretisch noch viel Platz nach oben. Die 6000 Punkte sind quasi eingeloggt, aber wann sie erreicht werden? Wie gesagt, bis März ist noch nicht mit Dämpfern im Dax zu rechnen. Es kommt also im Moment darauf an, wie sich die Amis nach dem Fed-Statement positionieren.

Der entscheidende Tag ist hierbei der Donnerstag, nicht heute. Weil oft genug erst dann alle Bullen und Bären ihre Positionen miteinander ausgetauscht haben und sich somit auch erst dann herauskristallisiert, wer den längeren Atme hatte, die Optimisten oder die Pessimisten. Es sei denn, die Amis gehen heute schon durch die Decke. Denken Sie an die 11.000er Marke im Dow.

Ich bin immer noch, nach wie vor, bullish. Meine Skepsis bezüglich des Irans ist ein wenig in den Hintergrund getreten, aber immer noch latent vorhanden. Was aber im Dax passiert, empfinde ich als völlig übertrieben. Ich bin selbst gespannt, wie sich das auflösen wird.

Das Iranthema ist "verschoben", so scheint es.

Der Iran wird in dem Atomstreit nun vor den UNO-Sicherheitsrat zitiert. Der Aufruf des Irans an die Opec, die Fördermenge zu drosseln, ist wirkungslos verpufft, vielleicht ein Zeichen dafür, dass der iranische Präsident nicht wirklich auf eine Kooperation anderer Staaten hoffen darf und sich zunehmend isoliert. Das muss noch näher analysiert werden.

Der Sicherheitsrat will sich "erst" im März mit diesem Thema beschäftigen. Haben wir bis dahin Ruhe? Erst einmal ja, so scheint es.

Die Meldung, dass sich der Iran nun intensiv auf die Vorbereitungen zur Urananreicherung konzentrieren will, wie auch die Meldung, dass der Iran über Baupläne für eine Atombombe verfügt, konnten den Markt wenig beeindrucken.

Aber der Ölpreis steigt heute wieder. Die Amis gefallen mir auch noch nicht und das Gap (Kurslücke) im Dax bei 5600 Punkten ist noch offen. Ich sehe im Moment wenig Grund für diese Euphorie, aber so sind se, die Übertreibungsphasen.

Alles muss, nichts kann, so die Fed

Gestern Abend saß ich entspannt vor den Monitor und dachte über die Worte der Fed nach. Der Passus, dass die Zinsen moderat steigen, ist raus, aber gleichzeitig wurde betont, dass weitere Zinsschritte nötig sein könnten. Zwar sei die Wirtschaft noch intakt, die Inflation moderat, aber die hohen Energiepreis könnten die Inflation anheizen. Im Ganzen absolut nichts Neues – ein seichtes: Nichts.

Es wirkt ein wenig so, als wolle die Fed dem Nachfolger Ben Bernanke alle Türen offen halten, damit er seine ganz eigene Notenbankpolitik von Anfang an durchsetzen kann. Das könnte spannend werden. Es könnte aber vom Markt auch so aufgefasst werden, dass Ben Bernanke eine ganz andere Notenbankpolitik plant.

Der US-Markt reagierte gestern entsprechend unentschlossen, ich suchte und fand zunächst keine Tendenz, dann aber:

Google enttäuschte

Plötzlich, nachbörslich, rauschten die Amisfutures ins Minus. Ich verwende auf einem Monitor die Tickcharts der US-Futures, da sehen selbst kleinere Einbrüche gerne wie dramatische Kursstürze, gar Börsencrashs aus. Insbesondere wenn die Kurse unten aus den Charts laufen. Im Tageschart/Stundenchart relativieren sich solche "dramatischen Einbrüche" dann gerne wieder.

Verantwortlich für den Einbruch war Google, die nachbörslich um teilweise fast 17 % einbrach, nachdem die Gewinnerwartung für das vierte Quartal enttäuschte.

Natürlich kamen heute morgen die Diskussionen auf, ob man nun nicht Google endlich shorten solle. Ich blieb bei meinem altbekannten Statement: Never fight the trend.

Der Trend von Google ist noch völlig in Ordnung. Ich würde zwar jetzt nicht mehr in diese Aktie einsteigen, aber es ist bei weitem zu früh, die Aktie zu shorten. Erst wenn sich ein sauberer Abwärtstrend ausbildet, und sich dabei immer mehr abzeichnen sollte, dass Google die immer noch hochgesteckten Erwartungen auch langfristig nicht mehr erfüllen kann (was Google eindeutig nicht können wird), dann kann man über einen Shortposition nachdenken. Es bleibt dann sicherlich noch viel Platz nach unten.

Dann sollte man sich jedoch auch darüber im Klaren sein, dass man (sofern dann der Markt noch bullish ist) eine Short-Position gegen den Markt eingeht. Auch das ist immer vom Chancen/Risikoverhältnis schwierig.

Wenn Sie doch in Versuchung kommen sollten, Google jetzt zu shorten, rate ich Ihnen zu einem mentalen Spaziergang über den riesigen Friedhof der unzähligen Google-Shortpositionen, mit denen so viele Anleger vor Ihnen erbärmlich verbrannt sind.

Lesen Sie die vielen Inschriften: Einstieg Short bei 80 Dollar September 2004. Einstieg bei 180 Dollar, Februar 2005 (klares charttechnisches Verkaufsignal), Shortempfehlung eines Analysten bei 320 Dollar, Oktober 2005. Alle hat es zerrissen.

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

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Katjuscha:

"Mir tun die Bärchen etwas leid." ;)

 
01.02.06 23:37
Is ein Netter, der Jochen. Oder?
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