Nach guten Vorgaben aus Wall Street und von den asiatischen Handelsplätzen sollten die deutschen Aktienmärkte den positiven Trend auch am Freitag morgen fortsetzen können. Allerdings ist nicht mit starken Kursgewinnen zu rechnen. Nach Meinung von Beobachtern werden die Börsen ihre Gewinne vom Vortag zwar verteidigen, doch dürfte der abermals gestiegene Ölpreis einen neuerlichen Anstieg verhindern. Hinzu komme der Verfallstermin am Freitag.

An Konjunkturdaten stehen am Vormittag Erzeugerpreise und Industrieumsatz in Deutschland auf der Tagesordnung, gefolgt von den Daten zur Industrieproduktion in der Eurozone. Am frühen Nachmittag wird um 14.30 Uhr die amerikanische Leistungsbilanz des ersten Quartals veröffentlicht. Für 15:45 Uhr ist der Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan angekündigt.
Euro-Renten stabiler erwartet
Nach schwächeren Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten werden bei den europäischen Staatsanleihen am Freitag stabilere Kurse erwartet. Nach Bekanntgabe des unerwartet gefallenen Philadelphia Fed Index für das Geschäftsklima im Verarbeitenden gewerbe des Großraums Philadelphia hatte der Bund-Future ins Plus gedreht und 14 Basispunkte höher bei 121,92 Prozent geschlossen. Bis zum Nachmittag hatte der Future um 0,14 Prozent auf 121,61 Punkte nachgegeben. Der Philadelphia-Fed-Index gilt als vergleichsweise verlässlicher Indikator für die landesweite Entwicklung der Industrie.
In den nächsten Tagen könnte der Index bei entsprechender Nachrichtenlage aber weiter korrigieren. Rentenexperte Manfred Wolter von der Landesbank Rheinland-Pfalz meint, daß auch Kurse unter 121 Punkte zu erwarten seien. Mittelfristig bleibe das Bild für Renten unterdessen aufgrund sei die sich global abschwächende Wachstumsdynamik positiv.
Politische Krise der EU dürfte Eurokurs weiter belasten
Leicher dürfte am Freitag der Euro tendieren. Nachdem sich die Gemeinschaftswährung gestern im Tagesverlauf in Europa und New York wieder erholt hatte und über der Marke von 1,21 Dollar notierte, belastete den Euro im asiatischen Handel die Entscheidung der EU-Staaten, sich eine Denkpause über ihre Verfassungskrise zu nehmen, hat den Euro am Freitag in Fernost belastet.
„Schon seit den Abstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gab es viel Lärm um politischen Aufruhr in der Eurozone, und das wird alles weiterhin auf dem Euro lasten", sagte ein Händler in Tokio. Auch wenn die am Vorabend in Brüssel getroffene Entscheidung keine Überraschung sei, könnte sie einen weiteren Grund liefern, den Euro zu verkaufen.
Der Euro kämpft in Tokio mit der Marke von 1,2100 Dollar. Aktuell notiert er bei 1,2101 Dollar. In den vergangenen drei Monaten hat die europäische Gemeinschaftswährung durch Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung der Zone und ein Scheitern der EU-Verfassung mehr als zehn Prozent verloren. Zum Yen tendiert der Euro bei 131,84 etwas fester.
Kurse an den Börsen in Tokio weiterhin im Aufwind
Die Aktienmärkte in Tokio haben ihren Aufwärtstrend auch am Freitag fortgesetzt. Von Minenwerten und Technolgiepapieren gestützt, liegen die Börsen den sechsten Tag in Folge im Plus. Händler zufolge sind die Chancen gut, daß der Nikkei-Index rund 100 Punkte im Plus schließen könnte.
Im Verlauf notiert der Index 0,48 Prozent höher bei 11.470 Punkten. Der breiter gefasste Topix kletterte um 0,64 Prozent auf 1167 Zähler.
„Der Markt sieht insgesamt stark aus", sagte Mitsuhiro Nakano von Daiwa Securities. Über Zugewinne des Aktienkurses konnten sich unter anderem die Anleger von Japans größtem Goldproduzenten Sumitomo Metal Mining freuen. Die Aktie legte um mehr als drei Prozent zu. Auch Mitsubishi Materials und Nippon Mining Holdings lagen mehr als zwei Prozent im Plus. Nach gestiegenen Aufträgen in der nordamerikanischen Halbleiterbranche kletterten auch die Kurse von Technologiewerten wie Tokyo Electron.
Aktien Hongkong mittags etwas fester
Mit einer etwas festeren Tendenz zeigen sich die Notierungen am Aktienmarkt in Hongkong am Freitag mittag (Ortszeit). Bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte verbessert sich der Hang-Seng-Index (HSI) um 0,4 Prozent auf 13.892 Zähler. Damit erholt sich der Markt von den Verlusten des Vortages. Vor allem die Aufschläge bei China Mobile, die um 1,1 Prozent zulegen, stützen das Sentiment, so ein Teilnehmer. Für den weiteren Verlauf wird der HSI in der seit Anfang Juni gültigen Spanne von 13.800 bis 14.000 Punkten gesehen. Im Fokus stehe bereits das Börsendebüt von BoCom in der kommenden Woche, fügt ein Beobachter hinzu.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluß
Leichter zeigten sich die amerikanischen Aktien am Donnerstag nachbörslich. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator sank um 0,18 Prozent auf 1534,62 Punkten praktisch auf Vortagesniveau.
Die Aktien von Adobe Systems haben sich im nachbörslichen Handel am Donnerstag deutlich leichter gezeigt. Zwar hatte das Unternehmen weit besser als erwartete Zweitquartalsergebnisse vorgelegt. Zugleich sieht es sich jedoch einer Klage von Aktionären im Zuge der geplanten Übernahme von Macromedia gegenüber. Für das dritte Quartal legte das Unternehmen zudem eine Prognose vor, die lediglich genau den Schätzungen der Analysten entsprach. Die Titel verloren 6,1 Prozent auf 30,42 Dollar.
Image Entertainment reduzierten sich nach der Schlussglocke um 10,5 Prozent auf 3,50 Dollar. Das Unternehmen rechnet in der laufenden Geschäftsperiode mit einem Verlust. Analysten waren im Konsens bislang von einem Gewinn je Aktie in Höhe von 0,07 Dollar ausgegangen.
Dagegen legten Genentech nachbörslich um 0,3 Prozent auf 81,90 Dollar zu. Das Unternehmen plant die Übernahme einer Fabrik von Biogen Idec zur Herstellung des Blockbuster ”Avastin”. Die Aktien von Biogen Idec verloren 1,8 Prozent auf 35,60 Dollar.
Rohstoff- und Metallwerte treiben Wall Street
Die Wall Street hat am Donnerstag getrieben von festen Metall-, Rohstoff-, Gold-, Energie- und Biotechnologiewerten höher geschlossen. Die Ölaktien profitierten von dem deutlich um 1,01 auf 56,58 Dollar je Barrel gestiegenen Ölpreis.
Der Dow-Jones-Index zog leicht um 0,12 Prozent auf 10.578,65 Punkte an. Der S&P-500 erhöhte sich um 0,36 Prozent auf 1.210,93 Punkte. Der Nasdaq-Composite-Index legte um 0,69 Prozent auf 2.089,15 Punkte zu.
Abgesehen von den Quartalszahlen von Goldman Sachs fehlten weitgehend die Impulse am Berichtstag, so ein Händler. Die Bekanntgabe der Baubeginne sowie der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe spielten nur eine untergeordnete Rolle. Der Philadelphia-Fed-Index, der deutlich unter den Erwartungen der Volkswirte ausfiel, ließ die Indizes von ihren Höchstständen wieder etwas zurückkommen. Die Philadelphia Fed hatte nach Handelsbeginn erklärt, der Konjunkturindex für die Region im Osten der USA sei im Mai auf minus 2,2 von plus 7,3 Zählern gesunken - Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 10,0 Punkte gerechnet. Zahlen unter Null signalisieren einen Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe. Der Index gilt als vergleichsweise verlässlicher Indikator für die landesweite Entwicklung der Industrie.
Analyst Robert Harrington von UBS betonte dagegen, die Zahlen sollten nicht überbewertet werden. Es handle sich schließlich nur um eine Region unter vielen. „Außerdem haben wir noch viele Fusionen und Übernahmen, die den Markt beflügeln. Die Wirtschaft wächst stabil, die Zinsen sind niedrig", fügte er hinzu.
Überraschend deutlich im Plus präsentierten sich Goldman Sachs, obwohl die Zahlen der Investmentbank nach Ansicht eines Händlers eher etwas enttäuscht haben. Laut einigen Analysten spekulierten eine Reihe von Investoren offenbar auf bessere Ergebnisse in den kommenden Quartalen. Die Aktien stiegen um 3,5 Prozent auf 102,65 Dollar. Nach einer Hochstufung durch die Deutsche Bank gewannen Ford 1,9 Prozent auf 11,37 Dollar. Die Analysten glauben, dass der Börsengang der Autovermieterkette Hertz beflügeln dürfte.
Mit einem Plus von 78,5 Prozent auf 28,21 Dollar haussierten Vicuron Pharmaceuticals. Pfizer hatte die Übernahme des Herstellers von Anti-Infektions-Produkten mit einer Prämie von 84 Prozent angekündigt. Pfizer legten angesichts der Nachricht um 0,6 Prozent auf 28,60 Dollar zu. Dagegen ging es bei General Motors mit einem Minus von zwie Prozent auf 35,62 Dollar kräftiger nach unten. Der Autohersteller hatte die Gewerkschaft United Auto Worker (UAW) davor gewarnt, daß General Motors die Leistungen der Krankversicherung einseitig kürzen könnte, sollte sich die Gewerkschaft nicht an den Kostensenkungsmaßnahmen beteiligen.
Angesichts des weiter steigenden Ölpreises zeigten sich Exxon Mobil im Dow mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent auf 60,12 Dollar. Honeywell avancierten mit einem Plus von 2,1 Prozent auf 38,08 Dollar zum Tagesgewinner. IBM gewannen ein Prozent auf 77,05 Dollar. Das Unternehmen will die Softwaregesellschaft Isogon für einen nicht genannten Preis übernehmen.
Amerikanische Anleihen ziehen an
Etwas fester haben sich die amerikanischen Anleihen am Donnerstag gezeigt. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 4,125 Prozent stiegen um 11/32 auf 100-15/32 und rentierten mit 4,067 Prozent. Der mit 5,375 Prozent verzinste 30jährige Anleihe erhöhte sich um 25/32 auf 115-18/32. Ihre Rendite stand bei 4,36 Prozent.
Händler verwiesen zur Begründung der Aufschläge vor allem auf den deutlich schwächer als erwartet ausgefallenen von der Federal Reserve of Philadelphia berechneten Diffusionsindex für die allgemeine Wirtschaftstätigkeit in der Region, der im Juni auf minus 2,2 sank. Volkswirte hatten einen Anstieg auf plus 8,5 erwartet, nachdem der Index im Vormonat bei plus 7,3 gelegen hatte.
Die im frühen Handel publizierten Konjunkturdaten hatten sich dagegen nach Ansicht von Marktteilnehmern kaum auf die Entwicklung der Kurse ausgewirkt. Die Zahl der Erstanträge auf Leistungen der amerikanischen Arbeitslosenversicherung war in der Woche zum 11. Juni saisonbereinigt um 1.000 auf 333.000 gestiegen. Hier hatten Volkswirte im Konsens einen unveränderten Stand erwartet.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
Der Dax
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