Das Märchen...
Von Martin Stephan
Dass Politiker Märchenerzähler sind, ist sicherlich eher eine Tatsache als eine These. So wundert es denn kaum noch, wenn die Herren und Damen Berufspolitiker Ihre ehemals getätigten Versprechungen, Weissagen und andere in die Zukunft gerichtete Thesen wieder korrigieren.
So geschehen und immer noch aktuell bei den erwarteten Zahlen des Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik für das Jahr 2001. Ehemals sollten es so um die 2,75 Prozent werden, jetzt befürchtet Wirtschaftsminister Müller weniger als 2,0 Prozent, so wie auch schon einige Wirtschaftsforschungsinstitute, die ebenfalls nach unten anpassten. Doch "man dürfe die Konjunktur nicht totreden" wird in diesem Zusammenhang dann inzwischen automatisch von vielen Politikern hinzugefügt. Was heißt hier eigentlich "nicht totreden"?
Konjunktur ist tot
Der deutsche Konjunkturaufschwung IST mehr oder minder tot! Minister Müller erwartet für das zweite Quartal ein Nullwachstum - doch dann soll alles wieder besser werden... warum eigentlich? Lässt der Herrgott Manna regnen oder chartert die Regierung Hubschrauber und wirft Geld über der Republik ab? Derzeit herrscht ein ganz klar nach unten gerichteter konjunktureller Abwärtstrend vor. Dieser Trend wird sich weiter verstärken, wenn dagegen nichts getan wird. Neben der geplatzten IT-Bubble, die hauptsächlich die USA in den Abwärtssog zieht, sind es in Europa verheerende Strukturprobleme - und die sind politisch motiviert. Doch die Politiker versuchen die Situation gesundzubeten, statt Maßnahmen zu ergreifen. Leider haben Sie das erstere zu Beginn ihrer Karriere gelernt, das letztere nie erlernen müssen!
Doch leider: Die Politiker befinden sich in guter Gesellschaft. Auch die Analysten bei den Banken, Sparkassen und Investmenthäusern fabulieren derzeit, dass sich die Balken biegen müssten. Auch sie prognostizieren den globalen Konjunkturaufschwung, denn der wird benötigt, um die Gewinne der Unternehmen wieder sprudeln und die Aktienkurse klettern zu lassen. WARUM gegen Ende des Jahres die Welt wieder in Ordnung sein soll, das verraten sie nicht. Kein Wunder, denn sie WISSEN es auch gar nicht, sie HOFFEN nur! Sie hoffen auf Alan Greenspan und seine billigen Dollars, denn dass die Leitzinsen weiter sinken, davon gehen die Analysten schon aus...
An den Terminbörsen dieser Welt werden die Zinsfutures für die verschiedensten Laufzeiten gehandelt. Hier spiegelt sich die Erwartungshaltung der vermeintlichen Spezialisten wider, und so erfahren wir nicht nur, DASS sich die Konjunktur erholt, sondern auch genau WANN!
Leitzinserhöhung im vierten Quartal?
Für die USA wird etwa mit einem Anziehen der Konjunktur Ende des vierten Quartals 2001 gerechnet. Dann sollte die US-Notenbank FED auch bereits wieder die Leitzinsen erhöhen, so die Meinung der Börsianer. Der Terminmarkt geht im Jahr 2002 von mehreren Zinserhöhungen der US-Notenbank aus, um das stürmische Wachstum dann wieder unter Kontrolle zu bekommen. Übrigens, eine ähnliche Erwartungshaltung, wenn auch zeitlich leicht nach hinten verschoben, herrscht auch an den Terminmärkten für den Euro-Währungsraum vor.
Es kann aber gar keine Leitzins-Erhöhung zu einem so frühen Zeitpunkt drohen, da die Auswirkungen der letzten Senkung erst etwa gut sechs Monate später in der Realwirtschaft wirken. Sollte Greenspan im Herbst die Leitzinsen erneut senken (was erwartet wird), dann würden frühestens Anfang April die Auswirkungen zu sehen sein. Die Notenbank würde dann noch mehrere Monate warten müssen, um ganz sicher zu gehen, dass ein wie auch immer gearteter Aufschwung nicht nur säkular sondern tatsächlich nachhaltig in Gang gekommen ist. Und da Konjunkturzyklen selten von der "Rezession" in den "Boom" springen, dürften die Notenbank-Zinsen eine ganze Weile unverändert niedrig bleiben.
Es wird daher mit größter Wahrscheinlickeit im nächsten Jahr weder in den USA noch in Europa auch nur eine Leitzinserhöhung geben! Im Gegenteil: Insbesondere in Europa werden die kurzfristigen Zinsen deutlich sinken. Ein spürbarer Rückgang der Inflationsrate, wie bereits von der EZB prognostiziert, wird den Diskontsatz auf deutlich unter drei Prozent rutschen lassen. Kein Wunder, denn das Wirtschaftswachstum wird EU-weit höchstens zwischen 1,5 und 2,0 Prozent liegen, in Deutschland wird bestenfalls die "0" vor dem Komma stehen - mehr ist einfach nicht drin...
Mit Staatsanleihen durch die Krise
Der Anleger sollte sich so schnell er kann auf diese Situation einstellen: Für ihn gilt es Staatsanleihen aus den USA (in Dollar) und aus Deutschland (in Euro) mit langer Laufzeit zu erwerben, um von hohen Kursgewinnen bei rückläufigen Zinsen zu partizipieren. Hier sind insbesondere Zerobonds geeignet.
Bei diesem Anleihetyp entspricht ein erwarteter Zinsrückgang von 100 Basispunkten bis Mitte des nächsten Jahres einem Zuwachs von 25 bis 30 Prozent - bei einer lang gewählten Laufzeit des Bonds! Für den risikobereiten Anleger kommen gerade im Euroraum auch sogenannte Floors in Frage: Hierbei spekuliert der Käufer auf fallende kurzfristige Zinsen: Je stärker die durch die EZB beeinflussten 6-Monatszinsen fallen, desto höher steigen die Kurse dieser Derivate. Auch wenn diese Produkte eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, so gilt auch hier: Derivate sind immer mit erhöhtem Risiko verbunden und das heißt im Falle von nachhaltig steigenden Zinsen: Totalverlust!
19.06. - 19:16 Uhr Artikel drucken | Artikel senden
Quelle: gatrixx
Von Martin Stephan
Dass Politiker Märchenerzähler sind, ist sicherlich eher eine Tatsache als eine These. So wundert es denn kaum noch, wenn die Herren und Damen Berufspolitiker Ihre ehemals getätigten Versprechungen, Weissagen und andere in die Zukunft gerichtete Thesen wieder korrigieren.
So geschehen und immer noch aktuell bei den erwarteten Zahlen des Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik für das Jahr 2001. Ehemals sollten es so um die 2,75 Prozent werden, jetzt befürchtet Wirtschaftsminister Müller weniger als 2,0 Prozent, so wie auch schon einige Wirtschaftsforschungsinstitute, die ebenfalls nach unten anpassten. Doch "man dürfe die Konjunktur nicht totreden" wird in diesem Zusammenhang dann inzwischen automatisch von vielen Politikern hinzugefügt. Was heißt hier eigentlich "nicht totreden"?
Konjunktur ist tot
Der deutsche Konjunkturaufschwung IST mehr oder minder tot! Minister Müller erwartet für das zweite Quartal ein Nullwachstum - doch dann soll alles wieder besser werden... warum eigentlich? Lässt der Herrgott Manna regnen oder chartert die Regierung Hubschrauber und wirft Geld über der Republik ab? Derzeit herrscht ein ganz klar nach unten gerichteter konjunktureller Abwärtstrend vor. Dieser Trend wird sich weiter verstärken, wenn dagegen nichts getan wird. Neben der geplatzten IT-Bubble, die hauptsächlich die USA in den Abwärtssog zieht, sind es in Europa verheerende Strukturprobleme - und die sind politisch motiviert. Doch die Politiker versuchen die Situation gesundzubeten, statt Maßnahmen zu ergreifen. Leider haben Sie das erstere zu Beginn ihrer Karriere gelernt, das letztere nie erlernen müssen!
Doch leider: Die Politiker befinden sich in guter Gesellschaft. Auch die Analysten bei den Banken, Sparkassen und Investmenthäusern fabulieren derzeit, dass sich die Balken biegen müssten. Auch sie prognostizieren den globalen Konjunkturaufschwung, denn der wird benötigt, um die Gewinne der Unternehmen wieder sprudeln und die Aktienkurse klettern zu lassen. WARUM gegen Ende des Jahres die Welt wieder in Ordnung sein soll, das verraten sie nicht. Kein Wunder, denn sie WISSEN es auch gar nicht, sie HOFFEN nur! Sie hoffen auf Alan Greenspan und seine billigen Dollars, denn dass die Leitzinsen weiter sinken, davon gehen die Analysten schon aus...
An den Terminbörsen dieser Welt werden die Zinsfutures für die verschiedensten Laufzeiten gehandelt. Hier spiegelt sich die Erwartungshaltung der vermeintlichen Spezialisten wider, und so erfahren wir nicht nur, DASS sich die Konjunktur erholt, sondern auch genau WANN!
Leitzinserhöhung im vierten Quartal?
Für die USA wird etwa mit einem Anziehen der Konjunktur Ende des vierten Quartals 2001 gerechnet. Dann sollte die US-Notenbank FED auch bereits wieder die Leitzinsen erhöhen, so die Meinung der Börsianer. Der Terminmarkt geht im Jahr 2002 von mehreren Zinserhöhungen der US-Notenbank aus, um das stürmische Wachstum dann wieder unter Kontrolle zu bekommen. Übrigens, eine ähnliche Erwartungshaltung, wenn auch zeitlich leicht nach hinten verschoben, herrscht auch an den Terminmärkten für den Euro-Währungsraum vor.
Es kann aber gar keine Leitzins-Erhöhung zu einem so frühen Zeitpunkt drohen, da die Auswirkungen der letzten Senkung erst etwa gut sechs Monate später in der Realwirtschaft wirken. Sollte Greenspan im Herbst die Leitzinsen erneut senken (was erwartet wird), dann würden frühestens Anfang April die Auswirkungen zu sehen sein. Die Notenbank würde dann noch mehrere Monate warten müssen, um ganz sicher zu gehen, dass ein wie auch immer gearteter Aufschwung nicht nur säkular sondern tatsächlich nachhaltig in Gang gekommen ist. Und da Konjunkturzyklen selten von der "Rezession" in den "Boom" springen, dürften die Notenbank-Zinsen eine ganze Weile unverändert niedrig bleiben.
Es wird daher mit größter Wahrscheinlickeit im nächsten Jahr weder in den USA noch in Europa auch nur eine Leitzinserhöhung geben! Im Gegenteil: Insbesondere in Europa werden die kurzfristigen Zinsen deutlich sinken. Ein spürbarer Rückgang der Inflationsrate, wie bereits von der EZB prognostiziert, wird den Diskontsatz auf deutlich unter drei Prozent rutschen lassen. Kein Wunder, denn das Wirtschaftswachstum wird EU-weit höchstens zwischen 1,5 und 2,0 Prozent liegen, in Deutschland wird bestenfalls die "0" vor dem Komma stehen - mehr ist einfach nicht drin...
Mit Staatsanleihen durch die Krise
Der Anleger sollte sich so schnell er kann auf diese Situation einstellen: Für ihn gilt es Staatsanleihen aus den USA (in Dollar) und aus Deutschland (in Euro) mit langer Laufzeit zu erwerben, um von hohen Kursgewinnen bei rückläufigen Zinsen zu partizipieren. Hier sind insbesondere Zerobonds geeignet.
Bei diesem Anleihetyp entspricht ein erwarteter Zinsrückgang von 100 Basispunkten bis Mitte des nächsten Jahres einem Zuwachs von 25 bis 30 Prozent - bei einer lang gewählten Laufzeit des Bonds! Für den risikobereiten Anleger kommen gerade im Euroraum auch sogenannte Floors in Frage: Hierbei spekuliert der Käufer auf fallende kurzfristige Zinsen: Je stärker die durch die EZB beeinflussten 6-Monatszinsen fallen, desto höher steigen die Kurse dieser Derivate. Auch wenn diese Produkte eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, so gilt auch hier: Derivate sind immer mit erhöhtem Risiko verbunden und das heißt im Falle von nachhaltig steigenden Zinsen: Totalverlust!
19.06. - 19:16 Uhr Artikel drucken | Artikel senden
Quelle: gatrixx