Haben die Anleger ihren neu gewonnenen Verstand schon wieder eingebüßt? Yahoo ist am Donnerstag um rund ein Fünftel gestiegen, weil die Firma im dritten Quartal 1 Cent je Aktie mehr verdient hat als prognostiziert.
Dabei lag der Umsatz gerade mal am oberen Ende der erwarteten Spanne. Keine Frage, Yahoo hat sich prima geschlagen und findet immer neue Einnahmequellen. Aber ohne das Stellenportal Hotjobs wäre der Umsatz nur um 36 statt um 50 Prozent gestiegen. Was die Zusammenarbeit mit Overture in Mark und Pfennig ausmacht, gibt Yahoo nicht an. Aber ab November jährt sich die Kooperation - und ab Februar die Übernahme von Hotjobs. Die Vorjahreszahlen zu übertreffen, wird also demnächst deutlich schwieriger. Deshalb ist die Firma gut beraten, für den 2003 erhofften Umsatz eine Spanne von 9,3 Prozent anzugeben.
Das eigentlich Spannende an den Quartalsberichten von Yahoo ist ohnehin, wie viele Aktien im Umlauf sind. Zwischen 1997 und 2001 ist ihre Zahl um 45,5 Prozent gestiegen, im Schnitt also um ein Zehntel jährlich. Kein Wort darüber, wie viele aktuell tatsächlich umlaufen. Verwässert sind es gut 607 Mio. Stück beziehungsweise 6,6 Prozent mehr als 2001, obwohl Yahoo am 29. August von Softbank für 100 Mio. $ eigene Aktien erworben hat. Wären Mitarbeiteroptionen 2001 als Gehalt verrechnet worden, hätte die Firma 983 statt 93 Mio. $ in den Sand gesetzt.
Der freie Cash-Flow von 57 Mio. $, den Yahoo für das dritte Quartal errechnet, kann einem da gestohlen bleiben. Die Firma kostet den 6,2fachen 2002er Umsatz von 955 Mio. $.
L’Oréal
Schon Goethe wusste, dass die Schönheit überall ein gar willkommener Gast ist. Wenigstens daran scheint auch die Konjunkturlage nicht viel ändern zu können. L’Oréal hat seinen Umsatz in den ersten neun Monaten um 4,5 Prozent auf 10,8 Mrd. Euro gesteigert. Währungsbereinigt waren es sogar 8,6 Prozent mehr. Das deutlich schwächere US-Geschäft, das fast ein Drittel zum Umsatz beiträgt, hat natürlich belastet. Doch auch für das Gesamtjahr bleiben die Franzosen optimistisch und wollen ihren operativen Gewinn um mindestens zehn Prozent steigern. Nach dem Plus von 28,4 Prozent im ersten Halbjahr sollte das ein Leichtes sein.
Dass Werbung und vor allem Sendeminuten im Moment eher billig sind, kommt den Franzosen bei der Neueinführung von Produkten im zweiten Halbjahr gerade recht. Trotzdem dürften sie, um weiter wachsen zu können, ihre Marketingaufwendungen wieder erhöhen. Dabei bemängeln die Analysten nach wie vor die operative Marge und die miserable Öffentlichkeitsarbeit des Weltmarktführers. Doch wie gewohnt kümmert das die Anleger wenig. Im Gegenteil: Der Kurs unterstellt noch wenigstens für zehn Jahre zweistelliges Wachstum. Auch die neue Gewichtung des Cac 40 nach dem Streubesitz scheint wegen der inzwischen hohen Bedeutung des Stoxx nur wenigen Furcht einzuflößen. Aber mit dem dreieinhalbfachen des Umsatzes bewertet, bleibt L’Oréal einfach zu teuer. Auch Schönheit vergeht.
Fiat
Ein echter Mann ist, wer nichts ausplaudert, auch wenn man ihm das Messer an die Kehle setzt. Das sizilianische Sprichwort scheint den neuen Fiat-Chef Gabriele Galateri zu inspirieren. Noch immer sagt er nicht, was aus der Not leidenden Pkw-Sparte werden soll.
Von den geplanten 8100 Entlassungen entfallen 500 auf Frühpensionierungen. Für den Rest soll die Regierung die Sozialabgaben zahlen. Dass sie Fiat als Krisenfall anerkennt, ist ziemlich sicher. Bloß gibt es eine zweite Bedingung: Fiat müssten die Gekündigten nach einem Jahr wieder einstellen.
Möglich, dass Italien die Gesetze ändert. Aber die Gewerkschaften werden sich trotz der Überkapazitäten gegen dauerhafte Kündigungen wehren. Und selbst 8100 sparen laut CSFB gerade mal 250 Mio. Euro. Operativ dürften Pkw 2002 ein Minus von 1,2 Mrd. Euro einfahren. Die Nachfrage bleibt schwach, besonders in Italien und Lateinamerika.
Nach dem enttäuschenden neuen Stilo ist zweifelhaft, ob die Erneuerung der Produktpalette gelingt. GM wird sich hüten, das Problemkind schon jetzt zu übernehmen. Die Turiner haben noch Nettoschulden von 5,8 Mrd. Euro - und außerbilanzielle Verbindlichkeiten in ähnlicher Höhe. Selbst ohne die gerechnet, ist Fiat mit dem 3,3fachen 2002er Ebitda kaum günstiger als der Sektor bewertet. Immerhin hat Galateri durch die vorläufige Werkschließung Mut bewiesen. Aber bis er seinen Meisterplan enthüllt, werden die Anleger weiter ihre Messer wetzen - zu Recht.
SAP-Korrektur
Verflixt. Im SAP-Artikel vom Donnerstag hieß es, das LTI-Optionsprogramm werde durch SAP ersetzt. Es wird natürlich durch SOP ersetzt.
© 2002 Financial Times Deutschland
Dabei lag der Umsatz gerade mal am oberen Ende der erwarteten Spanne. Keine Frage, Yahoo hat sich prima geschlagen und findet immer neue Einnahmequellen. Aber ohne das Stellenportal Hotjobs wäre der Umsatz nur um 36 statt um 50 Prozent gestiegen. Was die Zusammenarbeit mit Overture in Mark und Pfennig ausmacht, gibt Yahoo nicht an. Aber ab November jährt sich die Kooperation - und ab Februar die Übernahme von Hotjobs. Die Vorjahreszahlen zu übertreffen, wird also demnächst deutlich schwieriger. Deshalb ist die Firma gut beraten, für den 2003 erhofften Umsatz eine Spanne von 9,3 Prozent anzugeben.
Das eigentlich Spannende an den Quartalsberichten von Yahoo ist ohnehin, wie viele Aktien im Umlauf sind. Zwischen 1997 und 2001 ist ihre Zahl um 45,5 Prozent gestiegen, im Schnitt also um ein Zehntel jährlich. Kein Wort darüber, wie viele aktuell tatsächlich umlaufen. Verwässert sind es gut 607 Mio. Stück beziehungsweise 6,6 Prozent mehr als 2001, obwohl Yahoo am 29. August von Softbank für 100 Mio. $ eigene Aktien erworben hat. Wären Mitarbeiteroptionen 2001 als Gehalt verrechnet worden, hätte die Firma 983 statt 93 Mio. $ in den Sand gesetzt.
Der freie Cash-Flow von 57 Mio. $, den Yahoo für das dritte Quartal errechnet, kann einem da gestohlen bleiben. Die Firma kostet den 6,2fachen 2002er Umsatz von 955 Mio. $.
L’Oréal
Schon Goethe wusste, dass die Schönheit überall ein gar willkommener Gast ist. Wenigstens daran scheint auch die Konjunkturlage nicht viel ändern zu können. L’Oréal hat seinen Umsatz in den ersten neun Monaten um 4,5 Prozent auf 10,8 Mrd. Euro gesteigert. Währungsbereinigt waren es sogar 8,6 Prozent mehr. Das deutlich schwächere US-Geschäft, das fast ein Drittel zum Umsatz beiträgt, hat natürlich belastet. Doch auch für das Gesamtjahr bleiben die Franzosen optimistisch und wollen ihren operativen Gewinn um mindestens zehn Prozent steigern. Nach dem Plus von 28,4 Prozent im ersten Halbjahr sollte das ein Leichtes sein.
Dass Werbung und vor allem Sendeminuten im Moment eher billig sind, kommt den Franzosen bei der Neueinführung von Produkten im zweiten Halbjahr gerade recht. Trotzdem dürften sie, um weiter wachsen zu können, ihre Marketingaufwendungen wieder erhöhen. Dabei bemängeln die Analysten nach wie vor die operative Marge und die miserable Öffentlichkeitsarbeit des Weltmarktführers. Doch wie gewohnt kümmert das die Anleger wenig. Im Gegenteil: Der Kurs unterstellt noch wenigstens für zehn Jahre zweistelliges Wachstum. Auch die neue Gewichtung des Cac 40 nach dem Streubesitz scheint wegen der inzwischen hohen Bedeutung des Stoxx nur wenigen Furcht einzuflößen. Aber mit dem dreieinhalbfachen des Umsatzes bewertet, bleibt L’Oréal einfach zu teuer. Auch Schönheit vergeht.
Fiat
Ein echter Mann ist, wer nichts ausplaudert, auch wenn man ihm das Messer an die Kehle setzt. Das sizilianische Sprichwort scheint den neuen Fiat-Chef Gabriele Galateri zu inspirieren. Noch immer sagt er nicht, was aus der Not leidenden Pkw-Sparte werden soll.
Von den geplanten 8100 Entlassungen entfallen 500 auf Frühpensionierungen. Für den Rest soll die Regierung die Sozialabgaben zahlen. Dass sie Fiat als Krisenfall anerkennt, ist ziemlich sicher. Bloß gibt es eine zweite Bedingung: Fiat müssten die Gekündigten nach einem Jahr wieder einstellen.
Möglich, dass Italien die Gesetze ändert. Aber die Gewerkschaften werden sich trotz der Überkapazitäten gegen dauerhafte Kündigungen wehren. Und selbst 8100 sparen laut CSFB gerade mal 250 Mio. Euro. Operativ dürften Pkw 2002 ein Minus von 1,2 Mrd. Euro einfahren. Die Nachfrage bleibt schwach, besonders in Italien und Lateinamerika.
Nach dem enttäuschenden neuen Stilo ist zweifelhaft, ob die Erneuerung der Produktpalette gelingt. GM wird sich hüten, das Problemkind schon jetzt zu übernehmen. Die Turiner haben noch Nettoschulden von 5,8 Mrd. Euro - und außerbilanzielle Verbindlichkeiten in ähnlicher Höhe. Selbst ohne die gerechnet, ist Fiat mit dem 3,3fachen 2002er Ebitda kaum günstiger als der Sektor bewertet. Immerhin hat Galateri durch die vorläufige Werkschließung Mut bewiesen. Aber bis er seinen Meisterplan enthüllt, werden die Anleger weiter ihre Messer wetzen - zu Recht.
SAP-Korrektur
Verflixt. Im SAP-Artikel vom Donnerstag hieß es, das LTI-Optionsprogramm werde durch SAP ersetzt. Es wird natürlich durch SOP ersetzt.
© 2002 Financial Times Deutschland