Aus der FTD vom 7.9.2001
Das Kapital: Auch die Banken haben zu hohe Kapazitäten
Die Bank gewinnt immer. Vermutlich ist das der Grund dafür, dass das Gewerbe mit einem Anteil von gut 17 Prozent mittlerweile der bei weitem schwerste Sektor im Europe Stoxx ist.
Dabei trägt die Finanzbranche nur rund fünf Prozent zur Bruttowertschöpfung in Europa bei, das allerdings inklusive der Versicherungen. Der Bankensektor hat einen Marktwert von über 1000 Mrd. Euro. Bei einem mittleren KGV von knapp 14 ergibt sich ein Nettogewinn von rund 70 Mrd. Euro. Bei den großen Banken kommen im Schnitt 50 bis 60 Prozent der Gewinne aus Kommissionen und dem Eigenhandel. Sie sind damit abhängig von Wertpapieremissionen, vom Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) - und vom Handelsvolumen bei Aktien, Bonds und Währungen. Den Rest liefert das Kreditgeschäft, das ja über die vergangenen Jahre ganz gut gelaufen ist - und mit einer Wachstumsrate von gut acht Prozent bei Krediten an den privaten Sektor immer noch stark ist. Für das nächste Jahr schätzt der Konsens sogar noch eine Gewinnzunahme von 13 Prozent.
Bereits im laufenden und nächsten Quartal wird sich zeigen, wie unrealistisch schon die aktuellen Gewinnschätzungen sind, ganz zu schweigen von denen für nächstes Jahr. Nicht nur das Investmentbanking läuft schlecht, auch die Risikovorsorge für faule Kredite wird wegen der flauen Wirtschaft steigen. Die Banken werden vermutlich sogar große Schwierigkeiten haben, die im vergangenen Jahr verdienten 70 Mrd. Euro dauerhaft zu halten.
Die Jahrtausendwende war eine Ausnahme: Internet-Börsengänge, Megafusionen, UMTS-Schuldenaufnahme und Aktienhysterie erklären die Rekordmargen. Gegenüber 2000 ist das weltweite M&A-Geschäft schon im ersten Halbjahr 2001 um 54 Prozent gefallen. Aber die Banken haben viel zu hohe Kapazitäten aufgebaut, die das Jahr 2000 als Maßstab setzen. Dieser Optimismus ist fehl am Platz. Die Kapazitäten müssen abgebaut werden. Im Investmentbanking werden vor allem kleinere Spieler in Schwierigkeiten geraten, wobei unabhängige Broker noch die besten Chancen haben. Die Großen werden sich relativ gut halten. Aber auch sie werden an der Anpassung nicht vorbeikommen - und wenig zu lachen haben. Das Risiko bei Bankaktien ist größer, als man es bei einem KGV von 14 vermuten würde.
BMW
Auto-Aktien sind zurzeit ein Spiel gegen den Euro. Legt die Einheitswährung zu, fürchten die Anleger um die Gewinne der Hersteller im Dollarraum. BMW stellte seine Wachstumsziele vor und konnte sich am Donnerstag dem Trend widersetzen. Dabei ist die Prognose bescheiden. Ein Drittel mehr Umsatz in sechs Jahren ergibt im Jahr knapp fünf Prozent Wachstum. Da dürfte mehr drin sein.
BMW profitiert von der Ausrichtung auf das Premiumsegment. Das ist resistenter gegenüber dem Abschwung und dürfte in den nächsten Jahren weiterhin schneller wachsen als der Massenmarkt. Zwar gibt es Risiken. So könnte der geplante 1er das Premiumimage verwässern. Die Entwicklungsaufwendungen werden wegen der neuen Modelle hoch bleiben, das wird die Marge belasten. Auch steigende Arbeitslosigkeit und ein starker Euro sind Gefahren. Aber mit einem KGV von 15 auf Basis 2002 ist BMW nicht dramatisch teuer. Zumindest für den, der über Zyklen hinweg denkt.
SAP
Goldman Sachs zweifelt zu Recht. Auch SAP dürfte die Wirtschaftsflaute zu spüren bekommen. Die Skepsis der Analysten hat die Aktie mit in den Keller geschickt.
Die Walldorfer haben die Latte einfach zu hoch gelegt. Im dritten Quartal soll der Umsatz um 17 Prozent, im vierten gegenüber einem extrem starken Vorjahresquartal um 14 Prozent steigen. Die Branche ist von zwei Effekten geprägt: Erstens, die Firmen knausern mit ihren Ausgaben für Software. Oder sie bestellen, machen aber in letzter Minute einen Rückzieher. Das droht auch SAP zu treffen. Zweitens, wenn sie schon ordern, dann bei den Großen der Branche. Das nützt SAP. Die Kleinen leiden also doppelt - siehe die allerjüngste Gewinnwarnung von Manugistics , einem kleineren US-Anbieter von Logistik-Programmen. SAP gewinnt immerhin Marktanteile - freilich in einem weniger stark wachsenden Markt. Was überwiegt?
Je größer SAPs Stück vom Kuchen bereits ist, desto stärker trifft sie die allgemeine Investitionszurückhaltung. In ihrem Kerngeschäft mit der Buchhaltungs-Software sind sie letztlich der Markt. In den jüngeren Segmenten haben sie kräftig aufgeholt. SAP will bei Beschaffungs- und Internetsoftware bereits die Nummer Eins, bei Kundenmanagement-Software die Nummer Zwei sein. Das dominierende Softwarehaus Europas ist mit dem 5,3fachen des Umsatzes immer noch etwas billiger als Oracle , die das 5,6fache kosten. Aber die Unsicherheit wächst.
© 2001 Financial Times Deutschland
Das Kapital: Auch die Banken haben zu hohe Kapazitäten
Die Bank gewinnt immer. Vermutlich ist das der Grund dafür, dass das Gewerbe mit einem Anteil von gut 17 Prozent mittlerweile der bei weitem schwerste Sektor im Europe Stoxx ist.
Dabei trägt die Finanzbranche nur rund fünf Prozent zur Bruttowertschöpfung in Europa bei, das allerdings inklusive der Versicherungen. Der Bankensektor hat einen Marktwert von über 1000 Mrd. Euro. Bei einem mittleren KGV von knapp 14 ergibt sich ein Nettogewinn von rund 70 Mrd. Euro. Bei den großen Banken kommen im Schnitt 50 bis 60 Prozent der Gewinne aus Kommissionen und dem Eigenhandel. Sie sind damit abhängig von Wertpapieremissionen, vom Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) - und vom Handelsvolumen bei Aktien, Bonds und Währungen. Den Rest liefert das Kreditgeschäft, das ja über die vergangenen Jahre ganz gut gelaufen ist - und mit einer Wachstumsrate von gut acht Prozent bei Krediten an den privaten Sektor immer noch stark ist. Für das nächste Jahr schätzt der Konsens sogar noch eine Gewinnzunahme von 13 Prozent.
Bereits im laufenden und nächsten Quartal wird sich zeigen, wie unrealistisch schon die aktuellen Gewinnschätzungen sind, ganz zu schweigen von denen für nächstes Jahr. Nicht nur das Investmentbanking läuft schlecht, auch die Risikovorsorge für faule Kredite wird wegen der flauen Wirtschaft steigen. Die Banken werden vermutlich sogar große Schwierigkeiten haben, die im vergangenen Jahr verdienten 70 Mrd. Euro dauerhaft zu halten.
Die Jahrtausendwende war eine Ausnahme: Internet-Börsengänge, Megafusionen, UMTS-Schuldenaufnahme und Aktienhysterie erklären die Rekordmargen. Gegenüber 2000 ist das weltweite M&A-Geschäft schon im ersten Halbjahr 2001 um 54 Prozent gefallen. Aber die Banken haben viel zu hohe Kapazitäten aufgebaut, die das Jahr 2000 als Maßstab setzen. Dieser Optimismus ist fehl am Platz. Die Kapazitäten müssen abgebaut werden. Im Investmentbanking werden vor allem kleinere Spieler in Schwierigkeiten geraten, wobei unabhängige Broker noch die besten Chancen haben. Die Großen werden sich relativ gut halten. Aber auch sie werden an der Anpassung nicht vorbeikommen - und wenig zu lachen haben. Das Risiko bei Bankaktien ist größer, als man es bei einem KGV von 14 vermuten würde.
BMW
Auto-Aktien sind zurzeit ein Spiel gegen den Euro. Legt die Einheitswährung zu, fürchten die Anleger um die Gewinne der Hersteller im Dollarraum. BMW stellte seine Wachstumsziele vor und konnte sich am Donnerstag dem Trend widersetzen. Dabei ist die Prognose bescheiden. Ein Drittel mehr Umsatz in sechs Jahren ergibt im Jahr knapp fünf Prozent Wachstum. Da dürfte mehr drin sein.
BMW profitiert von der Ausrichtung auf das Premiumsegment. Das ist resistenter gegenüber dem Abschwung und dürfte in den nächsten Jahren weiterhin schneller wachsen als der Massenmarkt. Zwar gibt es Risiken. So könnte der geplante 1er das Premiumimage verwässern. Die Entwicklungsaufwendungen werden wegen der neuen Modelle hoch bleiben, das wird die Marge belasten. Auch steigende Arbeitslosigkeit und ein starker Euro sind Gefahren. Aber mit einem KGV von 15 auf Basis 2002 ist BMW nicht dramatisch teuer. Zumindest für den, der über Zyklen hinweg denkt.
SAP
Goldman Sachs zweifelt zu Recht. Auch SAP dürfte die Wirtschaftsflaute zu spüren bekommen. Die Skepsis der Analysten hat die Aktie mit in den Keller geschickt.
Die Walldorfer haben die Latte einfach zu hoch gelegt. Im dritten Quartal soll der Umsatz um 17 Prozent, im vierten gegenüber einem extrem starken Vorjahresquartal um 14 Prozent steigen. Die Branche ist von zwei Effekten geprägt: Erstens, die Firmen knausern mit ihren Ausgaben für Software. Oder sie bestellen, machen aber in letzter Minute einen Rückzieher. Das droht auch SAP zu treffen. Zweitens, wenn sie schon ordern, dann bei den Großen der Branche. Das nützt SAP. Die Kleinen leiden also doppelt - siehe die allerjüngste Gewinnwarnung von Manugistics , einem kleineren US-Anbieter von Logistik-Programmen. SAP gewinnt immerhin Marktanteile - freilich in einem weniger stark wachsenden Markt. Was überwiegt?
Je größer SAPs Stück vom Kuchen bereits ist, desto stärker trifft sie die allgemeine Investitionszurückhaltung. In ihrem Kerngeschäft mit der Buchhaltungs-Software sind sie letztlich der Markt. In den jüngeren Segmenten haben sie kräftig aufgeholt. SAP will bei Beschaffungs- und Internetsoftware bereits die Nummer Eins, bei Kundenmanagement-Software die Nummer Zwei sein. Das dominierende Softwarehaus Europas ist mit dem 5,3fachen des Umsatzes immer noch etwas billiger als Oracle , die das 5,6fache kosten. Aber die Unsicherheit wächst.
© 2001 Financial Times Deutschland