Das amerikanische Jahrtausend


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kalle4712:

Das amerikanische Jahrtausend

 
29.11.02 08:27
Vor ca. 2 Jahren habe ich einen Artikel gelesen, in dem es ungefähr hieß: "Das amerikanische Jahrhundert ist vorbei. Jetzt beginnt das europäische Jahrhundert." Es ging dabei vor allem um wirtschaftliche Stärke.

Ich konnte mich nur wundern, denn wieso sollte Europa trotz seiner Lethargie und seines leistungsfeindlichen Steuerrechts eine Chance haben, die USA einzuholen (von überholen ganz zu schweigen)? Offensichtlich war dieser Artikel durch Interessen geprägt, ähnlich der Euro-Manie: Angeblich soll der Euro deutlich mehr wert sein als 1 US-Dollar. Diese Einstellung wird aber meist von Politikern und Interessenvertretern geäußert, weniger von Wirtschaftsfachleuten.

Wer ist es denn, der für eine kommenden Wirtschaftsaufschwung die Voraussetzungen schafft? Offensichtlich sind es die USA (Steuersenkungen, Zinssenkungen, Investitionen, Forschung, Innovation). Daher halte ich mal dagegen: Es ist richtig: Das amerikanische Jahrhundert endete vor 2 Jahren. - Aber dafür hat das amerikanische Jahrtausend begonnen.

Als kleines Argument für einen kommenden Aufschwung in den USA möchte ich noch ein beliebtes Argument der Leute heranziehen, die nicht an einen Aufschwung glauben: Die US-Sparquote.
Wenn man Skeptikern glaubt, liegt die US-Sparquote bei 0 Prozent (in Deutschland etwa 15%). Die Skeptiker behaupten, der amerikanische Konsument habe kaum noch Reserven. Da aber 2 Drittel der Ausgaben in den USA von den Verbrauchern stammen, könne es keinen Aufschwung geben.

Ich halte dagegen! Ist die Statistik aussagekräftig? ("Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.") Ich denke, es werden Äpfel mit Birnen verglichen, denn nach meinen Informationen wird die US-Sparquote auf einer anderen Basis ermittelt als die deutsche.

Die Sparquote bemisst sich in Deutschland an den verfügbaren Einkommen (Arbeitseinkommen, Zinseinkünfte, Dividenden, Mieteinnahmen ...). Daraus wird dann die Sparquote ermittelt.

In den USA aber wird die lediglich das Arbeitseinkommen als Basis herangezogen. Alle anderen Einkünfte bleiben - soweit ich informiert bin - unberücksichtigt.

Das hat doch was, oder? Man kann immerhin das Argument der Aufschwung-Skeptiker direkt in die Mülltonne werfen.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich mir - was die Berechnung des verfügbaren Einkommens betrifft - nicht sicher bin. Daher die Bitte an alle, die nähere Kenntnisse haben: Stellt Eure Informationen hier hinein.

Noch etwas zu den Kursverlusten an den Börsen: Angeblich sind die Leute davon ungeheuer betroffen, denn sie haben fürchterliche Verluste gemacht. Das mag für viele Deutsche zutreffen. Ich glaube aber nicht, dass dies auch für die USA gilt.
Denn es ist bekannt, dass der Aktienbesitz in den USA schon seit langem wesentlich stärker verbreitet ist als in Deutschland. Und glaubt jemand im ernst, dass die meisten Amerikaner gerade beim Höchststand der Indizes eingestiegen ist? Viele Amerikaner haben vor der Baisse hohe Gewinne erzielt, als der typische Deutsche an Aktien noch nicht mal gedacht hat. Darüber hinaus sind die US-Indizes wesentlich stabiler geblieben als die deutschen, vor allem der DOW.

Daher dürften die Kursverluste eines Durchschnitts-Amerikaners wesentlich geringer sein als die eines Deutschen (von Kursgewinnen vor der Baisse ganz zu schweigen). Also dürfte aus dieser Richtung in den USA viel weniger Verunsicherung für den Konsum kommen als in Deutschland.

Gruß
Kalle
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Happy End:

Aktienindizes sind selten vergleichbar

 
29.11.02 08:34
Daher hinkt der Vergleich der Entwicklungen DOW und DAX... ;-)

siehe auch --> http://www.ariva.de/board/143017

Gruß    
Happy End
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AlanG.:

Die Sparqote bemisst

 
29.11.02 08:38
sich an den SPAREINLAGEN.  
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Apfelbaumpfla.:

interessant.

 
29.11.02 08:44

Was ich mich immer frage:

Wie kann es sein, dass nach zig Jahrunderten der Wissenschaft der Volkswirtschaft immer noch aus ein und derselben Tatsache so gegensätzliche Folgerungen getroffen werden.

Ist das dann noch Wissenschaft?

Grüße

Apfelbaumpflanzer
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kalle4712:

Hat jemand Kenntnisse darüber, welche Unterschiede

 
29.11.02 18:02
es bei der Berechnung der Sparquoten in den USA und in D gibt?

Ich halte das Thema für sehr interessant. Immerhin wird den Europäern laufend suggeriert, europäische Aktien hätten mehr Potential als amerikanische. Ich bin da aber vollkommen anderer Ansicht.

Ich bitte um Stellungnahmen!

Danke
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Schnorrer:

In die europäische Sparquote wird die

 
29.11.02 18:13
Rückzahlung von Immobiliendarlehen reingerechnet. Ist damit de facto scheinbar höher als in US, aber in Wirklichkeit geht es nur um Frondienst.

In US wird dagegen das polnische Büxenaufkommen zum normalen Sparen dazugerechent, will heißen: bei jedem Puffbesuch von ner polnischen Blondine kriegt das Innenwirtschaftsamt ne Sparmeldung. Die lautet: "Hab mir heute Sex zu Hause gespart und dafür echt Spaß gehabt".

Das Büxenaufkommen, zusammen mit dem echten Geld hinterlegen (liegt zwar bei Null, aber who cares) ist die US-Sparquote.
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