Goldman Sachs: Erholung bei Chrysler bereits eingepreist
Für die Analysten von Goldman Sachs sind die Anzeichen einer Erholung der Chrysler Group bereits in den Aktienkurs der Daimler-Chrysler AG eingepreist.
dpa-AFX LONDON. Der Markt sei bereits seit einiger Zeit davon überzeugt, dass Chrysler saniert werden könne, hieß es in einer am Montag in London vorgelegten Studie. Auf dem derzeitigen Kursniveau gebe es deshalb nur wenig Aufwärtspotenzial. Ihre Prognose für den Gewinn pro Aktie im laufenden Geschäftsjahr hob die Investmentbank um 60 % auf 0,74 Euro an. Die Anlageempfehlung "Market Performer" wurde bestätigt.
Demnach erwarten die Experten, dass sich die Aktie bei einer Schwankungsbreite von zehn Prozent im Gleichklang mit dem Index bewegen wird. Der Chrysler-Verlust von 148 Mill. Euro im zweiten Quartal sei zwar eine dramatische Verbesserung nach einem Minus von 1,4 Mrd.. Euro im vorangegangenen Quartal, spiegele aber nicht notwendigerweise die Entwicklung des laufenden Geschäfts wider.
Die Erholung sei vor allem über Stückzahlen zu erklären. Erstmals seit dem zweiten Quartal 2000 sei Chrysler wieder über die Zahl von 800.000 ausgelieferten Fahrzeugen gekommen. Für das dritte Quartal sei aber mit einem um ein Viertel niedrigeren Wert zu rechnen, was die Rückkehr in die Verlustzone zur Folge haben werde. "Wir glauben nicht, dass es vor dem nächsten Jahr möglich sein wird, ein klares Bild der Geschäftsentwicklung zu bekommen", schrieben die Experten.
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HANDELSBLATT, 23.7.2001
Autokonzern lässt Jahresprognose unverändert – Mitsubishi Motors belastet Ergebnis mit 100 Millionen Euro
Daimler kommt bei Chrysler voran
Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp hat Chancen, seine angekündigten Ziele in diesem Jahr zu erreichen. Die Sanierung der angeschlagenen US-Sparte Chrysler liegt bisher im Plan. Chrysler hat sogar überraschend gut im zweiten Quartal abgeschnitten. Schrempp erwartet jedoch noch einmal ein sehr schwieriges drittes Quartal.
BRIGITTE BERTRAM, ANDREA JOCHAM
HANDELSBLATT, 23.7.2001
STUTTGART. Die Daimler-Chrysler AG hat mit den Zahlen des zweiten Quartals den Kapitalmarkt endlich einmal positiv überrascht. Die in der Krise steckende US-Sparte Chrysler hat weit weniger Verluste gemacht als befürchtet. Chrysler-Chef Dieter Zetsche konnte den Betriebsverlust im Quartal auf 145 Mill. Euro drücken, nach einem Verlust von 1,4 Mrd. Euro im Vorquartal. Der niedrigere Chrysler-Verlust erlaubt dem drittgrößten Automobilkonzern der Welt, insgesamt ein operatives Ergebnis von 725 Mill. Euro auszuweisen. Die Daimler-Aktie legte daraufhin am Freitag um 2 % auf 57 Euro zu.
Allerdings kündigte Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp am Freitag in einer Telefonkonferenz auch ein schwieriges drittes Quartal an. Chrysler werde allein schon wegen der Ferienzeit mit 590 000 Fahrzeugen ein Viertel weniger produzieren als im zweiten Quartal. Ein Modellwechsel beim Pick-up Dodge Ram wird das Ergebnis zusätzlich belasten. Analyst Joe Harrigan von Credit Suisse First Boston rechnet mit einem Betriebsverlust bei Chrysler von rund 500 Mill. Euro. Doch für das vierte Quartal gehen viele Analysten dann davon aus, dass Chrysler die Gewinnzone erreichen wird.
Trifft das ein, könnte Zetsche bei Chrysler am Jahresende tatsächlich über den Vorgaben des Sanierungsplanes liegen. Doch Grund zum Aufatmen gibt es für Schrempp und seine Vorstandskollegen noch nicht. Denn wie es im Zwischenbericht heißt, könnte ein niedrigerer Verlust bei Chrysler „durch ein niedrigeres Ergebnis bei Nutzfahrzeugen“ wieder aufgezehrt werden. Schrempp geht deswegen für den Gesamtkonzern weiter von einem Betriebsgewinn zwischen 1,2 und 1,7 Mrd. Euro aus. Doch werden die hohen Sanierungskosten bei Chrysler, Freightliner und Mitsubishi eingerechnet, schreibt der Konzern in diesem Jahr erstmals seit 1995 tiefrote Zahlen.
Die Vorstände gaben bei der Telefonkonferenz nur wenig Auskunft über das wahre Ausmaß der Krise bei der US-Nutzfahrzeugtochter Freightliner. Der neue deutsche Freightliner-Chef Rainer Schmückle wird voraussichtlich bei der Aufsichtsratssitzung im September in Detroit einen Sanierungsplan vorlegen.
Im ersten Halbjahr hat Freightliner das Ergebnis der gesamten Nutzfahrzeugsparte kräftig verhagelt. Die US-Tochter leidet nicht nur unter dem zusammengebrochenen US-Markt. Der Lastwagenhersteller hat zudem in großem Umfang Leasingverträge mit Rücknahmegarantien abgeschlossen, die sich nun als Bumerang erweisen. Nutzfahrzeug-Chef Eckard Cordes räumt ein, dass derzeit rund 19 000 neue und gut 25 000 gebrauchte Schwerlaster bei Freightliner auf Halde stehen. Nicht nur Analyst Michael Raab von Sal. Oppenheim schätzt, dass der Konzern bereits bis zu 400 Mill. Euro wegen des Preisverfalls bei gebrauchten Lastwagen abgeschrieben hat. Das Investmenthaus Goldman Sachs schätzt für 2001 den Freightliner-Verlust auf 1 Mrd. Euro.
Auf der sechsstündigen Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche sorgte Freightliner entsprechend für viel Diskussionsstoff. Wie zu hören ist, musste sich der Vorstand nachdrücklich fragen lassen, warum das Controlling nicht besser funktioniert habe. Angesprochen wurde offensichtlich auch, dass die US-Nutzfahrzeugtochter neben den Absatzschwierigkeiten auch unter hausgemachten Kostenproblemen wie einer nicht effizienten Produktion leide.
Verlustreiches Lkw-Geschäft
in den USA
Freightliner und insbesondere die amerikanischen Bus-Töchter sollen jetzt stärker in den internationalen Produktionsverbund mit Mercedes-Benz-Nutzfahrzeugen eingebunden werden. Größere Unternehmensteile von Freightliner sollen aber offenbar nicht abgestoßen werden. Im Gespräch sei aber der Verkauf des kleinen, traditionsreichen Feuerwehrfahrzeugherstellers American LaFrance.
Analysten wie Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank vermissen Aussagen über die 37-Prozent-Beteiligung Mitsubishi Motors. Erst auf mehrfaches Nachfragen räumte der Vorstand am Freitag ein, dass der japanische Autohersteller das Daimler-Chrysler-Ergebnis im zweiten Quartal mit rund 100 Mill. Euro belastet hat.
Angesichts der Sanierungsfälle geht die gute Entwicklung der Pkw-Sparte Mercedes-Benz und Smart beinahe unter. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 10 % auf 10,5 Mrd. Euro. Im gleichen Tempo wuchs das Betriebsergebnis auf 830 Mill. Euro. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert betonte am Freitag, dass der Gewinn in seiner Sparte „von Quartal zu Quartal besser wird“. Ob die deutschen Daimler-Chrysler-Beschäftigten vom guten Mercedes-Ergebnis bei der diesjährigen Ergebnisbeteiligung profitieren, steht aber noch in den Sternen. Nach der Berechnungsformel fließen die herben Verluste von Freightliner mit ein.