Anleger verklagen Credit Suisse
Erschienen am 05.01.2010 | Felix Wadewitz, New York
Anleger verklagen die Schweizer Großbank Credit Suisse (Foto: Reuters) Credit Suisse sieht sich in den USA mit einer Sammelklage verbitterter Anleger konfrontiert. Im Namen von 3000 Einzelinvestoren fordern zwei Kläger Schadensersatz für erlittene Verluste bei Immobiliengeschäften in Höhe von acht Milliarden Dollar sowie eine Strafe für die Bank. Der Gesamtstreitwert des Verfahrens beläuft sich auf 24 Milliarden Dollar.
"Internationales Bankenraubtier"
Die Kläger sehen sich als Opfer eines Komplotts der Bank. Die Vorwürfe lauten unter anderem Erpressung, Geldwäsche, Verschwörung und Fahrlässigkeit. Die Klageschrift bezeichnet Credit Suisse als internationales Bankenraubtier - und bezichtigt das Institut einer Vielzahl von Verstößen gegen US-Gesetze. Ferner wollen sie die Zulassung einer Sammelklage erreichen, der sich alle betroffenen Investoren anschließen können.
Credit Suisse wollte sich wohl Immobilien greifen
Das Schweizer Institut soll demnach viel zu hohe Kredite an die Investoren von Luxusferienresorts ausgereicht haben, um zunächst hohe Gebühren zu kassieren und dann wegen der erwarteten Zahlungsausfälle die Immobilien selbst zu übernehmen. Dieses Vorgehen wird auch Loan-to-Own-Strategie genannt und war besonders zu Zeiten des Kreditbooms 2004 bis 2007 populär: Finanzinstitute vergeben dabei Kredite - also Fremdkapital (Loan) - im Zuge dieser Strategie nicht mit dem Ziel, später das Geld samt Zins zurückzuerhalten. Stattdessen streben sie eine Umwandlung des Fremdkapital in Eigenkapitals an, was sie zum Besitzer macht. Zu diesem Zweck ermuntern sie dabei Immobilienbesitzer auch, mit dem Verweis auf künftige Wertsteigerungen Kredite auf ihren Besitz aufzunehmen - etwa, indem sie sich die angebliche Wertsteigerung eines Jahres einfach auszahlen lassen. Das Verfahren war in den USA bis 2007 weit verbreitet.
Kredite für Luxus-Resorts in den USA und Bahamas
Bei den nun im Mittelpunkt der Klage stehenden Transaktionen von Credit Suisse handelt es sich vor allem um Immobilien in den Ski-Resorts von Idaho und Montana, aber auch um Anwesen in Nevada und auf den Bahamas. Als Grundlage für die Kredite habe die Credit Suisse den Wert der Immobilien mithilfe der ebenfalls verklagten Makler von Cushman & Wakefield zu hoch taxiert, heißt es.
Unverhältnismäßige Überschuldung der Immobilien
Ein Sprecher von Credit Suisse erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Wir halten die Anlage für grundlos und werden uns gegen die Vorwürfe energisch zur Wehr setzen." Die Kläger argumentieren aggressiv: Seit 2004 habe Credit Suisse den Boom am US-Immobilienmarkt ausgenutzt und die Investoren von exklusiven Luxus-Ferienresorts von den Bahamas bis nach Las Vegas ermuntert, ihre Anteile zu beleihen, führen die Kläger aus. Dabei wurden die zukünftigen Gewinne als Grundlage herangezogen, so die Anklageschrift. Das habe zu einer unverhältnismäßigen Überschuldung der Immobilien geführt. Die Bank kassierte derweil Gebühren und verkaufte die Kredite ihrerseits weiter.
Dubiose Geschäfte auch im Iran
Zudem habe sich die Bank den Zugriff auf die Luxus-Resorts gesichert. Als die Immobilienblase in den USA ab Mitte 2006 platzte, rutschten die Luxusanlagen in die Pleite und rissen die Anleger mit sich. Die Bank habe, so die Klageschrift, die Pleite der Kreditnehmer von Anfang ins Kalkül gezogen. Das Geld für die Kredite soll sich Credit Suisse laut Anklageschrift auch im Iran beschafft haben. Denn das dortige Regime hat mithilfe der Bank Sanktionen der USA und der Vereinten Nationen umgangen und Milliardensummen illegal ins Ausland transferiert, um davon etwa auf Technologie-Shoppingtour zu gehen. Ein Teil des Geldes, das Credit Suisse aus den Deals mit dem Iran abschöpfte, soll laut Anklageschrift in die Luxusferienanlagen geflossen sein.
Prominenter Geldadel aus den USA betroffen
In den USA erregt die Klage auch wegen der Verwicklung von Prominenten Aufsehen: Der luxuriöse Yellowstone Club in den Rocky Mountains etwa lieh sich im September 2005 insgesamt rund 375 Millionen Dollar (rund 264 Millionen Euro) von Credit Suisse, drei Jahre später folgte der Bankrott. Einer der beiden Hauptkläger ist Beau Blixseth - der Sohn der einst schwerreichen Betreiber des Yellowstone Clubs, deren Anteile mittlerweile den Finanzinvestoren Crossharbor Capital gehören. Seine Eltern galten einst als eine der reichsten Familien der USA. Im Sommer aber musste seine 55-jährige Mutter ihren persönlichen Offenbarungseid leisten. Der Sohn wirft Credit Suisse nun vor, ein Komplott gegen seine Familie und die anderen Anteilseigner entworfen und umgesetzt zu haben.