Während der globale Solarzubau im letzten Jahr leicht um 2,5 GW bzw. 9% auf ca. 30 GW zugelegt hat, gab es in Europa einen Rückgang von 2,3 GW bzw. 12% auf 17,2 GW. Dieser Rückgang wird sich in diesem Jahr mit ganz großer Wahrscheinlichkeit noch beschleunigen, da die zwei größten europäischen Märkte mit Deutschland (Prognose: - 3,8 GW bzw. 50% gg. 2012) und Italien (Prognose: - 1,6 GW bzw. 44% gg. 2012) stark rückläufig sein werden und große Europasolarmärkte wie Frankreich (Deckelung bleibt bei 1 GW) und Belgien (kräftige Kürzungen bei den Solarsubventionen ab Mitte 2012) bestenfalls stagnieren werden bei der Nachfrage.
Solarbuzz geht davon aus, dass die Nachfrage in Europa in 2013 im Vergleich zu 2012 um weitere 26% bzw. 5,2 GW auf rd. 12 GW einbrechen wird. Der globale Solarmarkt wird trotz des deutlichen zu erwartenden europäischen Nachfragerückganges in diesem Jahr im zweistelligen Prozentbereich zulegen laut der Deutschen Bank, HSBC und iSuppli, die einen Solarzubau zwischen 34 bis 35 GW prognostizieren, was einem Wachstum von 13 bis 17% bedeuten würde.
Schön sind die Aussichten für den europäischen Solarmarkt in diesem Jahr sicherlich nicht mit nur noch einem erwarteten Zubau von um die 12 GW. Jedoch gibt es dann doch auch etwas Positives: Der europäische Solarmarkt dürfte in diesem Jahr die Nachfragetalsohle erreicht haben. Im kommenden Jahr werden wohl Polen (dort werden relativ hohe Einspeisevergütungen wohl Anfang 2014 eingeführt) und die Türkei (Entbürokratisierung bei Genehmigungen von Solaranlagen wurden angekündigt) eine signifikante Nachfrage aufweisen (jeweils > 500 MW ??). Zudem könnte noch der portugisische Markt mit seinen sehr guten Voraussetzungen für eine dicke Überraschung sorgen (vielleicht auch schon in diesem Jahr). Dazu wird es spätestens im kommenden Jahr in großen Teilen Südeuropas zur Grid Parity kommen und somit werden Eigenverbrauchssolaranlagen z.B. auf Industriedachanlagen in Südeuropa zwangsläufig in der Masse sehr attraktiv werden auch jenseits von staatlicher Förderung. Außerdem könnte das Jahr 2014 das Jahr des Solarspeicher werden, insofern die Speicherpreise bis dahin deutlich zurückgehen werden, und das könnte der Solarnachfrage weiteren Schub geben, vor allem in Märkten mit hohen Strompreisen wie Dänemark (0,32 €/kWh) und Deutschland (0,28 €/kWh) und mit Abstrichen in Belgien (0,24 €/kWh), Tschechien (0,23 €/kWh) und Österreich (0,22 €/kWh). Spanien mit seinen guten bis sehr guten Sonneneinstrahlwerten sowieso (0,22 €/kWh).
In 2012 haben in Europa vor allem aufgrund deutlichen Kürzungen der Einspeisevergütungen die großen europäischen Märkte wie Italien (- 3,3 GW bzw. - 48%), Frankreich (- 0,6 GW bzw. - 35%) und Belgien (- 0,5 GW bzw. - 50%) maßgeblich zum Nachfragerückgang von um die 2 GW beigetragen und alle drei Märkte werden sich in diesem Jahr mit ganz großer Wahrscheinlichkeit auch nicht erholen. Dagegen haben die mittelgroßen Märkte Großbritannien (+ 220 MW bzw. + 27%) und Griechenland (+ 460 MW bzw. + 110%) mit ihrem Wachstum überrascht. Sehr positiv war, dass kleinere Solarländer wie Dänemark, Österreich und die Schweiz unerwartet stark gewachsen sind mit einem Zubau von 325 MW (+ 315 MW gg. 2012), 240 MW (+ 160 MW) bzw. 200 MW (+ 90 MW). Der bulgarische Solarmarkt hat aber mit einem Wachstum von 660 MW in 2012 (Zubau 2012: 760 MW) alles getoppt, wenn man nach den absoluten Zahlen sich das Ganze anschaut. Jedoch wurde schon im August in Bulgarien auf diesen rasanten Zubau reagiert und die Einspeisevergütungen radikal gekürzt und zusätzlich gab es noch rückwirkende Steuern auf Solarkraftwerke. Für Bulgarien wird in diesem Jahr wohl Rumänien in die Presche springen. Die rumänische Politik erwartet in diesem Jahr einen Solarzubau zwischen 0,5 bis 0,7 GW (2012: rd. 50 MW) und dafür werden die hohen Einspeisevergütungen von 0,27 €/kWh bis 0,55 €/kWh (abhängig vom jeweils aktuellen Preis des "grünen" Zertifikates) sorgen, auf die dann noch zusätzlich der aktuelle Strommarktpreis (liegt derzeit bei 0,11 €/kWh) noch oben drauf kommt.
Die größte Enttäuschung für die europäische Solarbranche ist die neue französische Regierung. Die haben noch Mitte 2012 versprochen, dass sie den Solarzubau deutlich fördern werden, aber so wie es derzeit aussieht mit der 1 GW-Zubaudeckelung war das nur ein Wahlverspechen der Sozialisten. Wobei aber die Einspeisevergütungen bei den kleinen Aufdachanlagen kaum verändert wurden und die sind mittlerweile um gut 20% höher wie in Deutschland. Was aber dann doch letztendlich sehr positiv ist um den französischen Solarmarkt wieder in Schwung zu bringen, denn in Frankreich gab es in Q4 2012 gerade mal noch ein lächerlichen Zubau von 85 MW.
Sehr positiv ist, dass nicht nur der globale Solarmarkt sich stark regional diversifiziert und das in einem recht rasanten Tempo aufgrund der deutlich gefallenen Modulpreisen, sondern auch der Europäische. Sieht man sehr gut am kräftigen Wachstum in den kleineren Solarmärkte und damit wird zwangsläufig die Solarbranche unabhängiger von einzelnen politischen Entscheidungen. Hier sind aber nicht nur die Solarsubventionen gemeint über Einspeisevergütungen bzw. CO2-Zertifikate, sondern auch andere gesetzliche Regelungen wie Steuern, Genehmigungsprozesse oder Stromeinspeisevorrang.
Die Asien-Pazifik-Region wird Europa in 2013 bei der Nachfrage zum ersten Mal übertrumpfen und das recht deutlich. Vom Asien-Pazifik-Raum wird in diesem Jahr ein massives Wachstum von um die 7 GW bzw. 80% erwartet (2012e: 8,7 GW/2013e: 16 GW) und vor allem dieses große Wachstum wird den globalen Solarmarkt in diesem Jahr auf so 35 GW nach oben bringen. Dieser erwartete asiatische Wachstum wird jedoch großteils von nur zwei Ländern getrieben, China (ca. + 3,6 GW gg. 2012) und Japan (ca. + 2,7 GW gg. 2012). Das ist wohl das größte Problem vieler westlicher Modulbauer, denn der chinesische Markt ist ja ohnehin so gut wie abgeschottet und im japanischen Markt hat bis auf Sunpower kaum ein westlicher Modulbauer mehr als ein Bein im Markt.
Anzumerken bleibt, dass trotz der höheren globalen Nachfrage mit so 35 GW nach wie sehr hohe Überkapzitäten auf dem Markt sind mit Waferfertigungskapazitäten von ca. 49 GW, Zellfertigungskapazitäten von ca. 48 GW und Modulfertigungskapazitäten von 59 GW. der Solarmarkt wird deshalb weiterhin ein Käufermarkt bleiben in diesem Jahr.