Ich denke mal, dass die Diskussion um Förderungskürzungen für die deutsche Solarindustrie bei Conergy viel zu kurz greift.
Es muss doch jedem schon längst klar gewesen sein, dass diese immense Förderung für die deutsche Solarindustrie so nicht weiter gehen kann. Es ist doch ein absoluter Irrsinn den Solarstrom mit 0,43 € und im nächstes Jahr mit 0,37 € zu bezahlen. Das ist das rd. 6fache des "normalen" Strompreises. Darunter leidet ja auch unsere ganze Industrie, da sie ja diesen Subventionswahnsinn genauso mit bezahlen müssen wie wir Privatverbraucher. Deshalb werden wir in Deutschland auch drastische Subventionskürzungen erleben und andere Länder wie die USA werden diesen Subventionswahnsinn ganz sicher nicht machen. Deutschland hat die Solarenergie mit zig Mrd. subventioniert und trotzdem werden gerade mal 1% unseres Stromes mit der Solarenergie erzeugt. Ist doch der absolute Wahnsinn. Dafür müssen wir noch 20 Jahre lang bezahlen.
Ich gehe davon aus, dass die deutsche Regierung die Solarstromsubventionen wie in Spanien kappt. Die haben die Förderungen ab einem bestimmten Forderungsvolumen gekappt. Eine solche Kappung greift sehr schnell und man muss nicht bis 2011 warten bis das Gesetz erste Auswirkungen zeigt. Zudem hat man dann auch nicht den Vorzieheffekt. Das wird der ganzen deutschen Solarindustrie mehr als schwer zu schaffen machen, da fast alle 50% ihres Gesamtumsatzes in Deutschland generieren.
Aber wie schon erwähnt, die Subventionskürzungen greifen nach meiner Ansicht bei Conergy viel zu kurz. Das Unternehmen lebt im hier und heute und hat in den letzten Jahren massive Verluste von 450 Mio. € generiert, eine Nettoverschuldung von 300 Mio. € angehäuft und konnte sich nur durch eine riesengroße Kapitalerhöhung über Wasser halten. Dadurch beträgt die Aktienanzahl mittlerweile 398 Mio. Shares. Conergy muss schleunigst Gewinne erzielen, denn die geringe Eigenkapitaldecke gibt nicht mehr viel Luft zu atmen. Aufgrund der äußerst schwierigen Wettbewerbssituation, die zwangsläufig zu einem nachhaltigen Preisverfall der Modulpreise führen wird, ist das wesentlich leichter geschrieben als getan. Für mich hat Conergy vor allem durch den Bau des neuen Werkes einen riesengroßen Fehler gemacht, der einfach nicht mehr zu reparieren ist. Solarworld hat beispielsweise ein Werk in den USA gebaut. Damit ist Solarworld im sehr wichtigen USA-Markt hervorragend positioniert und hat zudem auch keine Probleme mit dem Dollarkurs. Das alles trifft auf Conergy nicht zu. I
ch bin eh der Meinung, dass die Zukunft der Solarindustrie bei den solarthermischen Kraftwerke liegen wird und nicht bei den Solarmodule auf den Dächern. Man sieht es ja an Siemens, die positionieren sich in diesem Bereich.
Wenn ich mir die Marktkapitalsierung von Conergy mit 320 Mio. € betrachte, dann ist das schon eine sehr hohe Marktkapitalisierung für ein Unternehmen das absolut mit dem Rücken zur Wand steht: Seit 10 Quartalen nur Verluste, nachhaltiger Preisverfall der Produkte, massiver weltweiter Wettbewerbsdruck und so gut wie keine Substanz mit einem Eigenkapital von 136 Mio. €. Macht Conergy in dem selben Tempo so weiter wie in diesem Jahr mit einem Verlust im 1.Halbjahr von 50 Mio. €, dann ist das Eigenkapital in einem Jahr vollends aufgebraucht. Da kann man Hoffnungen haben wie man will, aber Conergy ist im Gegensatz zu seinen Konkurrenten international (vor allem in den USA und China) sehr schlecht positioniert und durch die kaum vorhandene Substanz kann man den ruinösen Preiskampf nicht mitmachen. Das ganze Wettbewerbsumfeld in der Solarenergie schreit förmlich nach einer Marktbereinigung und diese werden nur Unternehmen überleben, die eine lange Durststrecke bei den Gewinnen aushalten kann. Aber genau das kann nach meiner Ansicht Conergy nicht.