DAx Daily
DAX: Absturz am Vatertag
von Andreas Wolf
Den Investoren aus den USA und Großbritannien sind die deutschen Feiertage so wenig vertraut wie deutschen Anlegern die Vielzahl der Ehrentage in den USA. Die Gelegenheit, bei geringeren Umsätzen ein wenig die Kurse zu drücken, haben sich die Bären am Himmelfahrtstag dann auch nicht nehmen lassen. Fundamentale Auslöser für den deftigen Rücksetzer gab es aber nicht, denn weder die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA noch der Philadelphia-Fed-Konjunkturindex fielen deutlich aus den Rahmen. Vielleicht störte die Marktteilnehmer die Abwertung der erstklassigen Länderbewertung Großbritanniens durch die Rating-Agentur Standard und Poors, denn damit wurden sie wieder auf unangenehme Weise darin erinnert, welche Schäden die Finanzkrise noch so hinterlassen kann. Im Wesentlichen dürfte aber die Erkenntnis eine Rolle gespielt haben, dass eine Kursspurt von 4.655 Punkten am Montag auf 5.060 Punkte am Mittwoch kein alltägliches Ereignis in einem Bärenmarkt ist und deshalb eine Sicherung der erzielten Gewinne sicher nicht unklug wäre. Zudem besteht nach wie vor die Besorgnis, dass es den Bullen so ergeht wie im Januar, als der Markt nach dem kurzzeitigen Überschreiten der 5.000er Marke innerhalb von zwei Wochen rund 1.000 Punkte verlor. Gegen einen solchen erneuten Kurseinbruch sprechen allerdings eine Menge fundamentaler Faktoren und auch die technische Analyse gibt eine Wiederholung eines solchen Einbruchs nicht her.
Ende der Berichtssaison öffnet "Informationsloch"
Allerdings finden an den Börsen bis Anfang Juli wieder vermehrt Nachrichten aus der zweiten und dritten Reihe stärkere Beachtung. Ursache ist das Ende der Berichts- und Dividendensaison, das für einen geringeren Nachrichtenfluss aus den Unternehmen sorgt. Das daraus entstehende Informationsloch wird in der Regel ganz gerne von Analysten und Rating-Agenturen genutzt. Die kräftigen Abschläge bei den Stahlwerten am Donnerstag waren nach Angaben von Händlern auf eine negative Studie einer Investmentbank zurückzuführen. Als alleiniger Grund für die Konsolidierung dürfte das kaum ausgereicht haben, in umsatzarmen Zeiten nehmen die Einflüsse solcher Meinungsäußerungen über Einzeltitel aber wieder stärker zu. Der Schwankungsanfälligkeit des VDAX, der zuletzt dicht über 30er Marke notierte, kam der abrupte Kurzsturz am Vatertag natürlich auch zugute. Für eine Trendwende reichte die Bewegung allerdings bei weitem nicht aus.
Begonnene Konsolidierung noch nicht zu Ende
Am Mittwoch hatte ich an dieser Stelle den Test des Jahreshochs prognostiziert, gleichzeitig aber auch eine Konsolidierung bis 4.900 oder 4.860 Punkte für unproblematisch erklärt. Der DAX hat alle diese Punkte abgehakt, einzig der Test des Jahresverlaufshochs bei 5.111 Punkten wurde noch nicht unternommen. Da der Markt seinen leicht überkauften Zustand allein durch due Gewinnmitnahmen vom Donnerstag noch nicht ausreichend abgebaut hat, könnte es heute noch zu weiteren Abgaben bis in den Unterstützungsbereich um 4.800 Punkte kommen. Hier müssen die Bullen aber wieder angreifen, wollen sie das Heft des Handelns nicht frühzeitig an die Bären verlieren. Mehr als ein weiterer schwacher Handelstag scheint aber für die etwas positiver gestimmten Bären nicht drin zu sein. Vermutlich wird es bereits zum neuen Wochenstart die nächste Angriffswelle der Bullen geben. Zu achten ist aber im jeden Fall auf die Trendindikatoren, denn wenn diese deutlich an Dynamik im nächsten Aufschwung verlieren, riecht es verdächtig stark nach Trendwende. Bisher ist aber dahingehend noch alles im Lot.Konjunkturdaten: --------------------------
Unternehmenszahlen: --------------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.779; 4.833; 4.870
Widerstände: 4.913; 4.956, 4.980
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache.