Platow Brief - Commerzbank besteht Bewährungsprobe Allen Unkenrufen zum Trotz erzielte die Commerzbank bei ihrer vorgezogenen Kapitalerhöhung ein deutlich höheres Volumen als ursprünglich angepeilt. Etwa 4,3 Mrd. Euro konnte das von Commerzbank, Deutscher Bank, J.P. Morgan und Citi angeführte Bankenkonsortium zum Schnäppchenpreis von 4,25 Euro je CoMEN, die nach der vorgezogenen HV am 6.5. eins zu eins in Commerzbank-Aktien umgetauscht werden sollen, am Markt platzieren. Angestrebt war lediglich ein Zielvolumen von 2,6 Mrd. bis 3,4 Mrd. Euro. Damit hat die Commerzbank bereits im ersten Schritt der zweistufigen Kapitalmaßnahme gut die Hälfte des Gesamtvolumens von rund 8,25 Mrd. Euro, das über den Kapitalmarkt aufgenommen werden soll, im Sack. Zudem wandelt der SoFFin weitere 1,4 Mrd. Euro seiner Stillen Einlage in Commerzbank-Aktien, um seine Sperrminorität von 25% plus 1 Aktie zu sichern.Die rege Nachfrage, die trotz der Ausweitung über das geplante Zielvolumen hinaus offensichtlich nicht vollständig befriedigt werden konnte, dürfte Commerzbank-Chef Martin Blessing für den Ende Mai erwarteten zweiten Kapitalschritt Mut machen. Durch die erfolgreiche Überplatzierung verringert sich zudem das notwendige Volumen für die Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht auf 3,95 Mrd. Euro. Angesichts des dramatischen Kursverfalls der Commerzbank-Aktie seit der Ankündigung der Kapitalerhöhung um fast 20% unkten im Vorfeld nicht wenige Finanzexperten, Blessing müsse die Transaktion womöglich in letzter Minute noch abblasen. Gleichwohl ist das Kalkül der Hedge Funds aufgegangen, die zuletzt durch massive Leerverkäufe den Kurs unter Druck gebracht hatten, um sich eine günstige Einstiegsgelegenheit zu verschaffen. Sehr viel billiger werden sie wohl kaum mehr an die Aktien herankommen. Ironie der Geschichte: Nicht zuletzt die große Nachfrage der Hedge Funds dürfte maßgeblich zu dem guten Platzierungsergebnis beigetragen haben. Da das Leerverkaufsspiel der Hedge Funds bei der CoMEN-Emission so gut funktioniert hat, werden sie wohl auch beim zweiten Teil der Kapitalerhöhung wieder kräftig mitmischen. Eine durchgreifende Kurserholung ist denn auch vor Abschluss der Bezugsrechtskapitalerhöhung nicht zu erwarten. Der Zickzack-Kurs der Commerzbank-Aktie am Donnerstag gab denn auch schon einen Vorgeschmack auf die zu erwartende Volatilität der kommenden Wochen.Durchatmen kann indes auch der SoFFin, dem voraussichtlich Mitte Mai der Erlös aus der CoMEN-Platzierung zufließen wird. Zudem profiert auch der SoFFin vom niedrigen Emissionspreis. Einschließlich der kleinen Kapitalerhöhung im Januar, an der der SoFFin ebenfalls teilnahm, verbilligt sich sein durchschnittlicher Einstandskurs auf rechnerisch rund 5,10 Euro je Aktie. Beim Einstieg im Januar 2009, als sich der SoFFin die Sperrminorität sicherte, musste der Bund noch 6 Euro je Aktie berappen. Der deutlich abgesenkte Einstandskurs dürfte es dem Bund denn auch erleichtern, aus seinem mittlerweile knapp 3,4 Mrd. Euro schweren Aktien-Engagement bei der Commerzbank mit Gewinn auszusteigen.Weitaus weniger erfreulich fällt hingegen die vorläufige Bilanz der Commerzbank-Altaktionäre, die bereits vor der Finanzmarktkrise zu Kursen von mehr als 20 Euro eingestiegen waren, aus. Sie werden wohl noch lange warten müssen, bis sie ihre Einstandskurse wiedersehen. Viele von ihnen haben offensichtlich die Nase voll von der Commerzbank und zogen bei der CoMEN-Emission gar nicht erst mit und verzichteten drauf, ihren durchschnittlichen Einstandskurs zu verbilligen. Nur rund 22% der Altaktionäre übten ihre Erwerbsrechte aus. Doch selbst diesen Vertrauensentzug weiß Blessing noch in einen Erfolg umzumünzen. Hatte Blessing doch bereits bei der Präsentation der Kapitalmaßnahmen verkündet, die Commerzbank wolle mit dem CoMEN-Instrument vor allem viele neue Investoren als Aktionäre gewinnen.