Arrivederci Ariba
...und es hat Bumm gemacht! Nur wenige Stunden nach
der Gewinnwarnung von i2 Technologies [Nasdaq:
ITWO Kurs/Chart ] hat mit Ariba [Nasdaq: ARBA
Kurs/Chart ] ein weiterer Highflyer aus dem
Business-to-Business-Sektor die Anleger mit einer
Horrornachricht in Angst und Schrecken versetzt.
Einer der Marktführer in der Entwicklung und dem
Vertrieb von Software für elektronische Marktplätze teilte
am Montagabend nach Handelsende mit, ein plötzlicher
Einbruch im operativen Geschäft werde ein großes Stück
aus den Prognosen herausbeißen.
Für das zur Veröffentlichung anstehende erste Quartal
(bis 31.03.) schätzt der Konzern die Verkaufserlöse auf
rund 90 Millionen Dollar – ein Schlag ins Gesicht vieler
Anleger, die bis dato mit Schätzungen von um die 175
Millionen Dollar bei der Stange gehalten wurden.
Verheerender als bei den Umsätzen sieht es beim
Ergebnis aus: Statt eines erhofften Gewinns von 0,05
Dollar wird nun mit einem happigen Verlust von bis zu
0,20 Dollar pro Aktie gerechnet.
In einer Pressemitteilung verteidigte sich Konzernchef
Keith Kracht damit, dass die massiven Probleme erst
zum Quartalsende aufgetreten seien: „Die
Wirtschaftsflaute und die rückläufige Investitionstätigkeit
wirken sich weit dramatischer aus als bisher
angenommen. Obwohl sich viele Kunden bereits für
unsere Technologie entschieden haben, wurden die
Investitionen zurückgestellt. Die Firmen prüfen ihre
Budgets angesichts der ungewissen Wirtschaftslage nun
sehr genau“, so Kracht.
Die müde Entschuldigung des CEOs zum desaströsen
Ergebnis wird die rund 700 Mitarbeiter, die das
Unternehmen entlassen will, kaum trösten.
Auf der anderen Seite sind die drakonischen Maßnahmen
kaum zu verhindern, will Ariba den Jahreswechsel noch
als unabhängiges Unternehmen erleben.
Zum Ende des ersten Quartals (bis 31.12.) im aktuellen
Geschäftsjahr (2001) verfügte Ariba über 410 Millionen
Dollar an Cash und 44 Millionen Dollar an so genannten
gesperrten Barmitteln (restricted cash). Den Barmitteln
standen zum Stichtag 166 Millionen Dollar an
Verbindlichkeiten gegenüber.
Der geschätzte Verlust von 0,20 Dollar je Aktie wird die
Kasse mit weiteren 50 Millionen Dollar belasten und auch
die Entlassung der 700 Mitarbeiter wird Kosten in
Millionenhöhe verursachen.
Sollte der erneute Sprung in Gewinnzone nicht zügig
gelingen, könnten bei Ariba binnen eines Jahres die
Lichter ausgehen – endgültig. Während die finanzielle
Situation zum jetzigen Zeitpunkt aber „höchstens“
besorgniserregend ist, muss die Stellung des
Unternehmens im Markt als akut gefährdet bezeichnet
werden.
Gleichzeitig mit den Prognosen meldete Ariba das Aus
für die geplante Fusion mit Agil Software. Der
ursprünglich mit 2,55 Milliarden Dollar angesetzte Deal
(Aktientausch) war im Zuge des Kursverfalls bei Ariba auf
zuletzt 400 Millionen Dollar zusammengeschmolzen.
Analysten nannten den Abbruch der
Fusionsverhandlungen einen „big blow“ für Ariba. Ihrer
Einschätzung nach wird die Firma ohne Agils
Technologie kaum in der Lage sein, gegen die
Konkurrenten i2 Technologies, Oracle [Nasdaq: ORCL
Kurs/Chart ] und SAP bestehen zu können.
Die Anleger reagierten heftig auf die negativen
Nachrichten: Nach Bekanntwerden der Gewinnwarnung
stürzten die Aktien um 11,5 Prozent auf 5,75 Dollar.
Gerüchte über die bevorstehende Warnung hatten die
Titel bereits im regulären Handel um zwölf Prozent
einbrechen lassen.
© 03.04.2001 www.stock-world.de