Chinesische Unternehmen erobern den Weltmarkt in einem atemberaubenden Tempo. Bereits heute ist China nach den USA, Japan und Deutschland die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt und einige Analysten sagen voraus, dass China bis zum Jahr 2050 die USA als weltgrößte Wirtschaftsmacht ablöst. Wir sind uns da nicht ganz so sicher, ob den Chinesen dies gelingen wird. Aber eines ist sicher: Als Investor sollten Sie in Zukunft Ihr Hauptaugenmerk nicht nur auf den DAX und den Dow Jones richten, sondern auch auf den chinesischen Markt.
Sie denken wahrscheinlich, dass der chinesische Aktienmarkt in den letzten fünf Jahren unglaublich in die Höhe geschossen ist. Immerhin hat die chinesische Wirtschaft ein Wirtschaftswunder mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8% bis 9% in den letzten 26 Jahren hinter sich. Aber weit gefehlt! In den letzten fünf Jahren hat der Shanghai Aktienindex (SCI) über die Hälfte seines Wertes verloren. Von über 2.000 Zählern ist er auf unter 1.000 Punkte abgestürzt.

Und auch im letzten Jahr hatten chinesische Investoren nichts zu feiern. Der Aktienmarkt gab um 8% nach und am 6. Juni stürzte der chinesische Index sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Punkten. Um genau zu sein, markierte er mit 998,23 Punkten sogar ein Acht-Jahres-Tief.

Das schlechte Abschneiden des chinesischen Marktes hat mehrere Ursachen, von denen wir auf einige näher eingehen möchten.
1. Shanghai Baosteel, der größte chinesische Stahlhersteller, gab Mitte April 2 Milliarden neue Aktien aus und entzog dem ohnehin schon angeschlagenen Aktienmarkt damit 1,25 Milliarden US$ an Liquidität. Außerdem wurde diese Kapitalerhöhung gegen den Willen von Kleinanlegern durchgeführt, wodurch das Vertrauen in den Aktienmarkt weiter nachgab. 2. Ende April konzentrierte sich der Markt auf eine der größten Reformen, die der chinesische Aktienmarkt bisher gesehen hatte. Im Zuge dieser Reform wurden ehemals nicht handelbare Aktien, die zumeist im Staatsbesitz waren, zum Handel zugelassen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren zwei Drittel der gesamten chinesischen Marktkapitalisierung von 350 Milliarden US$ in Form von nicht handelbaren Aktien gelistet, wodurch die Mehrheit der Anteilseigner gar nicht an einer guten Aktienkursentwicklung interessiert war. Die Reform Ende April sah vor, dass die zumeist staatlichen Mehrheitseigner der 1.400 gelisteten Unternehmen zuerst die privaten Investoren entschädigen, bevor sie ihre nicht handelbaren Aktien in den kommenden Jahren schrittweise auf den Markt werfen.Aber es kam, wie es kommen musste. Da es keine klaren Vorgaben über die Höhe der Entschädigung gab, kam es zum Streit zwischen den privaten Minderheitsaktionären und den Mehrheitseignern mit ehemals gesperrten Aktien. Die privaten Anleger hielten die Entschädigung für viel zu gering, während die staatlichen Aktionäre darauf hinwiesen, dass eine Erhöhung der Abfindung das Staatsvermögen weiter verringern würde. Im Laufe dieses Streites fiel der SCI bis auf sein Acht-Jahres-Tief von 998,23 Punkten am 6. Juni 2005.
3. Der Markt hatte auch einige Probleme aufgrund schlechter Unternehmensführung und ungenügender Regulierung der Wirtschaft. Anfang Januar gab der führende chinesische Verkäufer von Fernsehgeräten, Sichuang Changhong, bekannt, dass er von seinem Großhändler um 464 Mio. US$ betrogen wurde. Dieser Skandal erschütterte das Ansehen der chinesischen Blue Chip Unternehmen.Dadurch wird klar, dass China noch einen weiten Weg vor sich hat, bevor sich der Aktienmarkt auf das wesentliche konzentrieren kann: Gewinne, Umsatzwachstum und Konjunkturaufschwünge. Ausländer dürfen bis heute nicht im so genannten A-Markt investieren, wodurch es dem chinesischen Markt oftmals an Liquidität fehlt. Als Investor sollten Sie also den chinesischen Aktienmarkt im Auge behalten. Aber bevor die Chinesen ihre dringendsten Probleme nicht gelöst haben, sollten Sie mit ihrem Geld lieber einen großen Bogen um China machen.