INTERVIEW: CEYONIQ will Finanzsituation durch Wandelanleihe entspannen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Anbieter von Dokumentenmanagement-Software CEYONIQ will seine angespannte Liquiditätslage durch die Ausgabe einer Wandelanleihe im zweistelligen-Millionen-Euro-Bereich stärken. Das sagte Finanzvorstand Thomas Wenzke in Gespräch mit der Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX am Donnerstag in Frankfurt. "Derzeit befinden wir uns in der Planung und ersten Gesprächen mit potenziellen Investoren", erklärte Wenzke, der allerdings keinen genauen Zeitplan nannte. Wer allerdings in die von Marktteilnehmern schon längst als Zocker-Aktie eingestufte CEYONIQ investieren soll, bleibt unklar.
CEYONIQ HÄLT AN VERKAUFSPLÄNEN FÜR GROUP TECHNOLOGIES FEST
Zudem hält CEYONIQ auch weiterhin an seinen Plänen fest, die ebenfalls am Neuen Markt notierte 60 prozentige Tochter GROUP Technologies in absehbarer Zukunft komplett verkaufen zu wollen. Im Zuge des GROUP-Verkaufs werden sich für CEYONIQ drei Effekte ergeben: Erstens wird die Vermögensposition des Unternehmens um den Wert der GROUP-Aktien fallen. Zweitens wird sich der Umsatz um die in 2001 konsolidierten neun Millionen Euro von GROUP reduzieren und drittens will das Unternehmen nach Wenzke zufolge das von der Tochter gewährte Darlehen in Höhe von neun Millionen Euro mit dem Verkaufserlös tilgen.
Dieser letzte Punkt wird allerdings keinerlei Auswirkungen auf die Verbindlichkeiten der CEYONIQ-Bilanz haben, da das Unternehmen den Kredit der Tochter ohnehin nicht in seinem Zahlenwerk ausgewiesen hat. Entsprechend bleibt eine Verbesserung der Liquiditätslage durch den GROUP-Anteilsverkauf in Abhängigkeit vom Kaufpreis fraglich. Außerdem will CEYONIQ auch seine Tochter Dataservice verkaufen, die in 2001 rund 2,5 Millionen Euro umsetzte.
HOHE KURZFRISTIGE VERBINDLICHKEITEN
Die kurzfristigen Verbindlichkeiten von CEYONIQ summieren sich zum Ende 2001 auf rund 61,75 Millionen Euro, zuzurechnen sind hier noch die genannten neun Millionen Euro aus dem GROUP-Technologies-Darlehen. "Es ist ein Bankenpool mit drei größeren Banken, unter denen die DZ Bank eine bedeutende Stellung einnimmt." Ein Teil der Schulden soll mittels der geplanten Unternehmensteilverkäufe zurückgeführt werden. "Wir verhandeln momentan mit den Gläubigerbanken. Möglicherweise können wir dazu bereits in den nächsten Tagen mehr sagen", erklärte der Vorstand.
WENZKE WILL 2002 WIEDER NETTOGEWINN EINFAHREN
"Im laufenden Geschäftsjahr werden wir wieder profitabel arbeiten und einen Nettogewinn einfahren", erklärte der Finanzchef. Hier könnten die Anleger mit einem Plus im einstelligen-Millionen-Euro-Bereich rechnen. "Das erste Quartal wird besser als das vierte des vergangenen Jahres", berichtet Wenzke, der allerdings trotz einer Verbesserung eine weitere Reduktion der liquiden Mittel zum Quartalsende nicht ausschließen konnte. Zum 31. Dezember 2001 hatte CEYONIQ 2,7 Millionen Euro in den Kassen. Bei der Umsatzplanung sei gegenwärtig auf Grund der laufenden Umstrukturierung und der geplanten Unternehmensteilverkäufe noch keine Zielmarke absehbar.
ENTTÄUSCHUNG IN DEN USA
"Das US-Geschäft ist deutlich hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben", gestand Wenzke ein. CEYONIQ realisierte im abgelaufenen Geschäftsjahr in den Staaten bei einem Umsatz von 24 Millionen Euro einen Nettoverlust von zwei Millionen Euro. "Im Rahmen der Restrukturierung sind selbstverständlich auch hier die Budgets gekürzt worden", erklärte der Finanzchef. Ob ein Verkauf der US-Tochter in Frage komme, wollte Wenzke nicht sagen. Derzeit würden zwar alle Optionen geprüft, aber es sei noch verfrüht, konkrete Aussagen zu machen.
EINMAL NASDAQ UND ZURÜCK
Wie so viele andere Neue-Markt-Unternehmen räumt CEYONIQ inzwischen ein, dass die US-Technologiebörse NASDAQ die falsche Liga ist. "Uns bringt die Notiz nichts mehr", sagte Wenzke. Der Rückzug von der NASDAQ werde derzeit durch US-Börsenbestimmungen erschwert. "Unter anderem ist der Anteil der freien Aktien in den USA zu hoch, so dass ein Delisting derzeit noch nicht möglich ist." CEYONIQ muss also Broker beauftragen an der NASDAQ eigene Aktien einzusammeln un den Anteil der freien Aktionäre zu reduzieren - ein weiterer Kostenblock der das Unternehmen belastet. Der Ausflug in die USA sei unter dem Strich "enttäuschend" verlaufen./yh/zb/hi/
--- Von Yassin Hankir dpa-AFX ---