ftd.de, Mo, 6.8.2001, 7:00
Favoritenwechsel: Cash statt Aktien
Von Edith Müller
Solange das Wetter an den Börsen stürmisch bleibt, lenken clevere Anleger ihr Geld lieber in ruhigere Gewässer. Sparformen mit fester Verzinsung sind plötzlich wieder in. Geldmarktfonds erleben in diesen Monaten einen geradezu stürmischen Zulauf und haben Aktienfonds in der Gunst der Investoren klar verdrängt.
Erst 1994 von der Bundesbank zugelassen führten Geldmarktfonds hier zu Lande bislang eher ein Schattendasein. Doch besonders in schwierigen Börsenzeiten bieten sie eine attraktive Möglichkeit, Geld zu parken - sicher, frei verfügbar und mit hoher Verzinsung. Für Anleger, die mit ihren Aktienkäufen noch einige Zeit warten wollen, sind Geldmarktfondsanteile erste Wahl. Kein Wunder also, dass alle großen Fondsgesellschaften seit Jahresanfang weit mehr Mittelzuflüsse in ihre hoch liquiden Angebote verzeichnen als in Aktienfonds.
Lohnende Vergleiche
Ein Vergleich mit anderen Sparformen lohnt: Das altbekannte Sparbuch bringt bei dreimonatiger Kündigungsfrist nicht mehr als durchschnittlich 1,25 Prozent. Was bei einer Inflation um drei Prozent einen realen Verlust bedeutet. Festgeld wird bei einer Laufzeit von einem Monat durchschnittlich mit 3,5 Prozent verzinst. Bei einem Mindestanlagebetrag von 10.000 DM sind mehr als 4,5 Prozent jedoch bei keiner Bank drin. Discountbroker bieten bei ihren Tagesgeldkonten rund drei bis vier Prozent. Die Ausnahme von der Regel: Moneyshelf, das wenig erfolgreiche Finanzportal der Deutschen Bank , lockt derzeit Kunden mit einer Verzinsung für Tagesgeldkonten von fünf Prozent. Allerdings nur garantiert bis Ende des Jahres. Anschließend wird das Portal in die Deutsche Bank 24 integriert, daher ist die Zukunft der Offerte ungewiss. Damit liegt die Performance der in der nebenstehenden Tabelle gelisteten Geldmarktfonds - ein Jahr Anlagedauer unterstellt - rund ein Prozent über den üblichen Zinsen auf Tagesgeld. Warum darauf verzichten?
Auf den Ausgabeaufschlag achten
Wichtig ist, dass - wie bei den in der Tabelle gelisteten Top-Fonds - beim Erwerb der Anteile kein Ausgabeaufschlag fällig wird, der den Renditevorteil aufzehrt. Die Managementgebühr von 0,2 bis 0,75 Prozent belastet die Nettorendite ohnehin, sodass im Vergleich in der Regel Anbieter mit geringer Abgabe vorne liegen - doch ohne Managementleistung gar keine Performance.
Der Spitzenreiter der vergangenen drei Jahre, der SEB Invest Money Market, ist mit einer Verwaltungsvergütung von 0,25 Prozent nur wenig belastet. Darüber hinaus beobachtet sein Manager Marco Dünkeloh den Verlauf der Zinskurve genau: Bei normaler Krümmung, also höherer Rendite mit zunehmender Laufzeit, geht er zum Teil bis an die Grenze des in Geldmarktfonds Erlaubten und kauft Papiere mit einer Restlaufzeit knapp unter zwölf Monaten. Ist die Zinskurve der kurzfristigen Papiere jedoch wie derzeit invers, setzt er auf Tagesgeld.
Kampf um die Rendite
Geldmarktfonds bestehen aus einem Bündel kurzfristiger Anlagen: Staats-, Unternehmens- und Banktiteln. Die Manager kämpfen mit Umschichtungen täglich um jeden Cent Rendite. Die Beimischung von Optionsscheinen ist dabei ob des höheren Risikos eher Ausnahme als Regel. Das maßgebliche, vom Gesetzgeber vorgegebene Kriterium für die Auswahl lautet, mindestens einmal im Jahr eine Zinsanpassung vorzunehmen. Bei festverzinslichen Papieren darf daher die Restlaufzeit ein Jahr nicht überschreiten, während variabel verzinste Titel, so genannte Floating Rate Notes (FRN), auch länger laufen können. Doch auch hier begrenzt die Zinsanpassung das Kursrisiko. Das Spiel mit den FRN ist für die Fonds einträglich. Für Privatanleger lohnt es angesichts der dann fälligen hohen Transaktionskosten dagegen kaum.
"Zusätzlich ist ein Cash-Puffer ein Muss", sagt SEB-Manager Dünkeloh. Er hält immer rund fünf Prozent. "Kasse ist wichtig, da die Anleger diese Fonds nur selten als langfristiges Investment betrachten. Daher ist neben dem Zins- stets auch das Liquiditätsrisiko zu minimieren." Ihm zufolge sind Verluste aber bei keinem Geldmarktfonds zu befürchten. "Sie sind die risikoärmsten Fonds von allen."
Finger weg vom Währungsrisiko
"Selbst wenn wir in Fremdwährungen investieren, schützt eine hundertprozentige Absicherung gegen Währungsrisiken das Portfolio", betont Sven Miserey, Manager des Commerzbank Money Market Fund Euro. "Denn Währungen spielen wir ebenso wenig wie Emerging-Markets-Papiere. Zudem beschränkt sich unsere Anlage in Fremdwährungen auf sehr kurzfristige Investments." Am Bondmarkt setzt Miserey ausschließlich auf in Euro notierende Papiere. Hier sind seine Spezialität die Unternehmensanleihen. Zunächst durchleuchten er und sein Team "top down" - wie aus der Vogelperspektive - die allgemeine konjunkturelle Lage und dann die einzelnen Sektoren, um vielversprechende Investmenttrends zu finden. Die einzelnen Titel picken sie danach anhand der "bottom up"-Analyse heraus - wie aus der Froschperspektive, die jeweiligen Firmen im Fokus und im direkten Vergleich. Jeden Monat wird sein Fonds von der US-Rating Agentur Moody’s auf die Qualität seiner Investments getestet. Bislang zögerte Moody’s nicht, ein Triple-A zu vergeben - die Best-note.
Auch Jürgen Vogler, Manager des Uni-MoneyMarket Euro , sucht die Renditevorteile der - in diesem Fall freilich bewusst gegen Risiken gehedgten - Anlagen in Fremdwährungen. Doch sein Erfolg basiert in hohem Maße auf dem mit 80 Prozent hohen Anteil an variabel verzinsten Anleihen, meist von Unternehmen, insbesondere aber von Banken. "Bei drei bis vier Jahren Laufzeit weisen sie oftmals eine höhere Rendite auf als festverzinsliche Kurzläufer", begründet Vogler die Wahl.
Um die steuerliche Belastung für Investoren, die ihren Sparerfreibetrag ausgeschöpft haben, zu minimieren, achten die Fondsmanager bei der Titelauswahl darauf, dass die Coupons der Papiere ungefähr dem Marktzins von derzeit rund 4,5 Prozent entsprechen. Denn während der Kursgewinn steuerfrei ist, unterliegt der Coupon der Steuerpflicht. Vogler erläutert: "Anleihen mit einem Coupon von sieben oder acht Prozent und kurzer Laufzeit sind zwar etwas billiger als vergleichbare Papiere mit niedrigerem Coupon. Aber mit der steuerlichen Belastung wird ein möglicher Renditevorteil schnell zum Nachteil für die Kunden."
Geldmarktfonds sind indes weit mehr als nur ein sicherer Parkplatz in turbulenten Börsenzeiten. Sie erschließen Privatanlegern nicht zuletzt neue Märkte und damit zusätzliche Renditechancen. So kann sich der Fondsbesitzer beruhigt zurücklehnen - ohne das Gefühl zu haben, an den Aktienmärkten irgend etwas zu verpassen.
Quelle Financial Times Deutschland
Favoritenwechsel: Cash statt Aktien
Von Edith Müller
Solange das Wetter an den Börsen stürmisch bleibt, lenken clevere Anleger ihr Geld lieber in ruhigere Gewässer. Sparformen mit fester Verzinsung sind plötzlich wieder in. Geldmarktfonds erleben in diesen Monaten einen geradezu stürmischen Zulauf und haben Aktienfonds in der Gunst der Investoren klar verdrängt.
Erst 1994 von der Bundesbank zugelassen führten Geldmarktfonds hier zu Lande bislang eher ein Schattendasein. Doch besonders in schwierigen Börsenzeiten bieten sie eine attraktive Möglichkeit, Geld zu parken - sicher, frei verfügbar und mit hoher Verzinsung. Für Anleger, die mit ihren Aktienkäufen noch einige Zeit warten wollen, sind Geldmarktfondsanteile erste Wahl. Kein Wunder also, dass alle großen Fondsgesellschaften seit Jahresanfang weit mehr Mittelzuflüsse in ihre hoch liquiden Angebote verzeichnen als in Aktienfonds.
Lohnende Vergleiche
Ein Vergleich mit anderen Sparformen lohnt: Das altbekannte Sparbuch bringt bei dreimonatiger Kündigungsfrist nicht mehr als durchschnittlich 1,25 Prozent. Was bei einer Inflation um drei Prozent einen realen Verlust bedeutet. Festgeld wird bei einer Laufzeit von einem Monat durchschnittlich mit 3,5 Prozent verzinst. Bei einem Mindestanlagebetrag von 10.000 DM sind mehr als 4,5 Prozent jedoch bei keiner Bank drin. Discountbroker bieten bei ihren Tagesgeldkonten rund drei bis vier Prozent. Die Ausnahme von der Regel: Moneyshelf, das wenig erfolgreiche Finanzportal der Deutschen Bank , lockt derzeit Kunden mit einer Verzinsung für Tagesgeldkonten von fünf Prozent. Allerdings nur garantiert bis Ende des Jahres. Anschließend wird das Portal in die Deutsche Bank 24 integriert, daher ist die Zukunft der Offerte ungewiss. Damit liegt die Performance der in der nebenstehenden Tabelle gelisteten Geldmarktfonds - ein Jahr Anlagedauer unterstellt - rund ein Prozent über den üblichen Zinsen auf Tagesgeld. Warum darauf verzichten?
Auf den Ausgabeaufschlag achten
Wichtig ist, dass - wie bei den in der Tabelle gelisteten Top-Fonds - beim Erwerb der Anteile kein Ausgabeaufschlag fällig wird, der den Renditevorteil aufzehrt. Die Managementgebühr von 0,2 bis 0,75 Prozent belastet die Nettorendite ohnehin, sodass im Vergleich in der Regel Anbieter mit geringer Abgabe vorne liegen - doch ohne Managementleistung gar keine Performance.
Der Spitzenreiter der vergangenen drei Jahre, der SEB Invest Money Market, ist mit einer Verwaltungsvergütung von 0,25 Prozent nur wenig belastet. Darüber hinaus beobachtet sein Manager Marco Dünkeloh den Verlauf der Zinskurve genau: Bei normaler Krümmung, also höherer Rendite mit zunehmender Laufzeit, geht er zum Teil bis an die Grenze des in Geldmarktfonds Erlaubten und kauft Papiere mit einer Restlaufzeit knapp unter zwölf Monaten. Ist die Zinskurve der kurzfristigen Papiere jedoch wie derzeit invers, setzt er auf Tagesgeld.
Kampf um die Rendite
Geldmarktfonds bestehen aus einem Bündel kurzfristiger Anlagen: Staats-, Unternehmens- und Banktiteln. Die Manager kämpfen mit Umschichtungen täglich um jeden Cent Rendite. Die Beimischung von Optionsscheinen ist dabei ob des höheren Risikos eher Ausnahme als Regel. Das maßgebliche, vom Gesetzgeber vorgegebene Kriterium für die Auswahl lautet, mindestens einmal im Jahr eine Zinsanpassung vorzunehmen. Bei festverzinslichen Papieren darf daher die Restlaufzeit ein Jahr nicht überschreiten, während variabel verzinste Titel, so genannte Floating Rate Notes (FRN), auch länger laufen können. Doch auch hier begrenzt die Zinsanpassung das Kursrisiko. Das Spiel mit den FRN ist für die Fonds einträglich. Für Privatanleger lohnt es angesichts der dann fälligen hohen Transaktionskosten dagegen kaum.
"Zusätzlich ist ein Cash-Puffer ein Muss", sagt SEB-Manager Dünkeloh. Er hält immer rund fünf Prozent. "Kasse ist wichtig, da die Anleger diese Fonds nur selten als langfristiges Investment betrachten. Daher ist neben dem Zins- stets auch das Liquiditätsrisiko zu minimieren." Ihm zufolge sind Verluste aber bei keinem Geldmarktfonds zu befürchten. "Sie sind die risikoärmsten Fonds von allen."
Finger weg vom Währungsrisiko
"Selbst wenn wir in Fremdwährungen investieren, schützt eine hundertprozentige Absicherung gegen Währungsrisiken das Portfolio", betont Sven Miserey, Manager des Commerzbank Money Market Fund Euro. "Denn Währungen spielen wir ebenso wenig wie Emerging-Markets-Papiere. Zudem beschränkt sich unsere Anlage in Fremdwährungen auf sehr kurzfristige Investments." Am Bondmarkt setzt Miserey ausschließlich auf in Euro notierende Papiere. Hier sind seine Spezialität die Unternehmensanleihen. Zunächst durchleuchten er und sein Team "top down" - wie aus der Vogelperspektive - die allgemeine konjunkturelle Lage und dann die einzelnen Sektoren, um vielversprechende Investmenttrends zu finden. Die einzelnen Titel picken sie danach anhand der "bottom up"-Analyse heraus - wie aus der Froschperspektive, die jeweiligen Firmen im Fokus und im direkten Vergleich. Jeden Monat wird sein Fonds von der US-Rating Agentur Moody’s auf die Qualität seiner Investments getestet. Bislang zögerte Moody’s nicht, ein Triple-A zu vergeben - die Best-note.
Auch Jürgen Vogler, Manager des Uni-MoneyMarket Euro , sucht die Renditevorteile der - in diesem Fall freilich bewusst gegen Risiken gehedgten - Anlagen in Fremdwährungen. Doch sein Erfolg basiert in hohem Maße auf dem mit 80 Prozent hohen Anteil an variabel verzinsten Anleihen, meist von Unternehmen, insbesondere aber von Banken. "Bei drei bis vier Jahren Laufzeit weisen sie oftmals eine höhere Rendite auf als festverzinsliche Kurzläufer", begründet Vogler die Wahl.
Um die steuerliche Belastung für Investoren, die ihren Sparerfreibetrag ausgeschöpft haben, zu minimieren, achten die Fondsmanager bei der Titelauswahl darauf, dass die Coupons der Papiere ungefähr dem Marktzins von derzeit rund 4,5 Prozent entsprechen. Denn während der Kursgewinn steuerfrei ist, unterliegt der Coupon der Steuerpflicht. Vogler erläutert: "Anleihen mit einem Coupon von sieben oder acht Prozent und kurzer Laufzeit sind zwar etwas billiger als vergleichbare Papiere mit niedrigerem Coupon. Aber mit der steuerlichen Belastung wird ein möglicher Renditevorteil schnell zum Nachteil für die Kunden."
Geldmarktfonds sind indes weit mehr als nur ein sicherer Parkplatz in turbulenten Börsenzeiten. Sie erschließen Privatanlegern nicht zuletzt neue Märkte und damit zusätzliche Renditechancen. So kann sich der Fondsbesitzer beruhigt zurücklehnen - ohne das Gefühl zu haben, an den Aktienmärkten irgend etwas zu verpassen.
Quelle Financial Times Deutschland