Unsicherheit am Standort Görlitz Tausende demonstrieren für Erhalt des Bombardier-Werks
Wie geht es weiter im Bombardier-Werk Görlitz? Diese Frage treibt die Beschäftigten seit Monaten um. Am Sonnabend gingen sie lautstark auf die Straßen. Auch der Landrat machte sich für einen Erhalt des Werks stark.
Die Waggonbauer des von Umstrukturierungsplänen betroffenen Bombardier-Werks in Görlitz (Sachsen) sowie hunderte Bürger und Unterstützer demonstrieren am 04.03.2017 in Görlitz für den Erhalt der Arbeitsplätze. Demonstranten tragen dabei ein Transparent mit der Aufschrift "Ohne uns keine Zu(g)kunft".
Tausende haben am Sonnabend für den Erhalt der Arbeitsplätze im Bombardier-Werk in Görlitz demonstriert. Bildrechte: dpa
In Görlitz haben am Sonnabend Tausende an einer Demonstration für den Erhalt des Bombardier-Werks demonstriert. Anlass waren geplante Umstrukturierungen des kanadischen Waggonbauers für das Werk an der Neiße. "In dieser demonstrativen Geschlossenheit mache ich mir keinen Sorgen mehr, dass wir in Zukunft in der Region gegen die Umstrukturierungspläne des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers zusammenstehen werden", erklärte Jan Otto, Geschäftsführer der IG Metall Ostsachsen.
An der Demonstration vom Werk bis in die Stadtmitte beteiligten sich auch zahlreiche Politiker – unter ihnen Bernd Lange (CDU), Landrat des Landkreises Görlitz. Lange forderte, Bundes- und Landespolitik sowie das Unternehmen Bombardier Transportation müssten alles für einen Erhalt eines der größten Arbeitgeber der Region geben. Dem Werk müsse eine langfristige Zukunft ermöglicht werden.
"Ohne uns keine Zu(g)kunft"
Zu der Demonstration waren auch Familien und Freunde der Beschäftigten in Görlitz aufgerufen worden. Auf einem der Plakate hieß es in Anlehnung an den Waggonbauer: "Ohne uns keine Zu(g)kunft".
Die Waggonbauer des von Umstrukturierungsplänen betroffenen Bombardier-Werks in Görlitz (Sachsen) sowie hunderte Bürger und Unterstützer demonstrieren am 04.03.2017 in Görlitz auf dem Marienplatz für den Erhalt der Arbeitsplätze.
Auf dem Marienplatz fand die zentrale Kundgebung statt. Bildrechte: dpa
Auch der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) war zu der Kundgebung erwartet worden. Deinege war früher Leiter des Bombardier-Werkes, das der größte Arbeitgeber in der Grenzstadt an der Neiße ist. Er hatte in der Vergangenheit gefordert, seitens des Unternehmens müssten Konzepte für eine erfolgreiche Zukunft des Werkes präsentiert werden. Im Dezember hatte Deinege dem MDR gesagt, bei Bombardier seien vor einigen Jahren die Weichen falsch gestellt worden. Das sei nun das Ergebnis.
Wie am Sonnabend bekannt wurde, plant die IG Metall nun bereits die nächste Aktion. Demnach soll am 30. März im Zuge eines bundesweiten Protesttages vor der Berliner Konzernzentrale demonstriert werden. Dazu sind die Mitarbeiter aller deutschen Bombardier-Standorte aufgerufen.
IG Metall: Standort nicht zukunftssicher
Nach den bisher bekannten Plänen von Bombardier soll am Standort Görlitz künftig die Planung von Aluminium-Wagenkästen im Mittelpunkt stehen. Im Umkehrschluss soll die Kernkompetenz im Stahl-Rohbau demnach aufgegeben werden. Betriebsrat und IG Metall hatten in der Vergangenheit kritisiert, das mache das Werk in Görlitz nicht zukunftssicher.
In dem zweiten sächsischen Werk in Bautzen will der Konzern dagegen 20 Millionen Euro investieren. Dort sollen Regional- und Fernzüge sowie S- und U-Bahnen gefertigt werden, wie der Deutschlandchef des Unternehmens, Michael Fohrer, vor einem Monat in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" angekündigt hatte. Am größten deutschen Bombardier-Standort in Hennigsdorf bei Berlin will der Konzern die Serienfertigung von Zügen einstellen und nur noch entwickeln lassen.