Börsianer beunruhigt die Dominanz der Finanztitel


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EinsamerSam.:

Börsianer beunruhigt die Dominanz der Finanztitel

 
23.05.05 09:13
Die Geld-Blase

Börsianer beunruhigt die Dominanz der Finanztitel

Finanzwerte bekommen an den Finanzmärkten ein immer größeres Gewicht. Die unabhängige US-Researchfirma Bridgewater Associates hat den wachsenden Einfluss an Wall Street mit Zahlen unterlegt.

Bis Anfang der 80er Jahre trugen Finanzwerte zwischen zehn und 20 Prozent zu den Gewinnen bei den großen Aktiengesellschaften bei. In den 90er Jahren kletterte diese Quote auf 30 Prozent. In den vergangenen Jahren sprang sie mit bisher unerreichtem Tempo über die Marke von 40 Prozent. Auffällig ist, dass parallel dazu der Gewinnanteil der produzierenden Firmen von 60 auf zehn Prozent schrumpfte.

Mit anderen Worten: Im Leitland der industrialisierten Welt, den USA, wird immer seltener mit der Herstellung und Produktion von Dingen im klassischen Sinne Geld verdient. Immer mehr Gewicht bekommen dagegen Profite, die mit Geld- und Kreditgeschäften erzielt werden. Diese Zahlen bereiten einigen Börsianern Kopfzerbrechen: Sie fürchten ein Platzen dieser Branchenblase. So stellen Kritiker wie der renommierte Vermögensverwalter Marc Faber die Frage, ob eine derartige Gewichtsverschiebung für eine Volkswirtschaft gesund sein kann.

Auch andere Analysten sind skeptisch. Sie halten es für möglich, dass die Finanzbranche ihren Zenit überschritten hat. Im Kurssturz der großen Versicherung AIG sehen sie ein böses Omen. Auch Rückschläge bei Kreditinstituten bereiten ihnen Kopfschmerzen. Selbst erfolgreiche Investmentbanken wie Goldman Sachs können sich nicht abkoppeln, glaubt Analyst Richard Russell, der in Amerika die technische Analyse nach der so genannten Elliott-Wellen-Theorie populär machte. Der 80jährige sieht ein schlechtes Zeichen im Goldman-Kursrückgang der vergangenen Wochen.

Als eine der größten Gefahrenquellen im Finanzbereich machen die Fachleute die Inflation der Immobilienpreise aus. Dadurch, so die Befürchtung, würden die US-Verbraucher einer „Vermögensillusion“ zum Opfer fallen. Mit den eigenen (hypothekenfinanzierten) vier Wänden glauben sie sich wohlhabend, haben deshalb ihren Konsum immer stärker durch Kreditaufnahmen finanziert – und das bei einer Sparquote von praktisch Null.

Paul Kasriel, Chefökonom des großen US-Investmenthauses Northern Trust, hat die Gefahr in Zahlen gekleidet. Bei den amerikanischen Haushalten überstieg der jährliche Zuwachs an Vermögen den Zuwachs an Neuverschuldung bis zum Jahr 1998. Von da an jedoch ist der Saldo negativ. Allein im vergangenen Jahr nahmen die Amerikaner fast 350 Mrd. Dollar an Neuschulden auf, die nicht durch zusätzlichen Vermögensgewinne „gedeckt“ waren.

So ist ein explosives Gemisch entstanden, das bei steigenden Zinsen leicht explodieren könnte. Faber hat auch aus diesen Gründen heraus schon früh vor den Aktien der Hypothekenagenturen wie Fannie Mae gewarnt. Er empfiehlt derzeit sogar Papiere von Hausbaugesellschaften als interessante Baisse-Spekulation.

Andere Experten unterstreichen jetzt die Gefahren. Stephen Roach, Chef-Volkswirt der Investmentbank Morgan Stanley, machte seinen Sorgen vor der Kredit- und Immobilienblase in der vergangenen Woche Luft. Und am Freitag meldete sich sogar der Chef der US-Notenbank zu Wort. Von einer landesweiten Blase wagte Alan Greenspan natürlich nicht zu reden. Aber selbst er sprach von „vielen lokalen Blasen“ und räumt eine zunehmende Spekulation im Immobilien- und Hypothekenbereich ein. Unter diesen Vorzeichen kann der Rat an vorsichtige Anleger nur lauten: Finanzwerte im Depot gering gewichten.

Quelle: HANDELSBLATT, Montag, 23. Mai 2005, 07:00 Uhr

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Der Einsame Samariter

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