Börsenfehlstart in 2004


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Börsenfehlstart in 2004

 
27.03.04 17:21
Weltbörsen legen 2004 Fehlstart hin
Experten: Konsolidierung dürfte sich fortsetzen - Japan ist Favorit für das zweite Quartal
von Daniel Eckert

Berlin -  Bloß nicht auf abgehalfterte Gäule setzen, lautet eine Weisheit der Börsianer. Sprich: Wer an den internationalen Aktienbörsen erfolgreich sein will, muss rechtzeitig aus heißgelaufen Märkten aussteigen. Das erste Quartal lieferte ein Lehrbuchbeispiel für diese Maxime. Kaum eine Börse, die im Herbst und Winter 2003 zu den Favoriten der internationalen Investoren gehörte, konnte in den ersten drei Monaten des neuen Jahres überzeugen. So fuhr der letztjährige Star der globalen Finanzmärkte, Thailand, mit einem Minus von neun Prozent in den Börsenhades hinab. Auch der südamerikanische Boommarkt des vierten Quartals, Brasilien, fand sich mit einem Abschlag von fünf Prozent auf einem der hinteren Plätze wieder. "Vor allem in Asien und Südamerika sind die Investoren vorsichtiger geworden", bemerkt Jason James, Stratege bei HSBC in London. Die jüngsten Konjunkturdaten hätten gezeigt, dass die Bäume weltwirtschaftlich nicht in den Himmel wachsen. "Unter solchen Ernüchterung leiden dann vor allem Schwellenlandbörsen und Märkte, die besonders gut gelaufen sind." Zu letzteren gehört auch der deutsche, der im ersten Quartal 2004 mit 3,5 Prozent in Miesen notiert.


Trotz einiger Glanzlichter - sehr freundlich entwickelten sich Kolumbien, Russland, die Türkei und Mexiko - zeigten sich die ersten drei Monate des neuen Jahres an den Aktienmärkten eher trübe. Kaum einer der großen Indizes konnte an die Spitzenperformance der vorangegangenen Monate anknüpfen. Doch für viele Experten kommt die Korrektur nicht überraschend. "Nach einem Jahr Hausse waren die Konjunkturbelebung und die steigenden Unternehmensgewinne in den Kursen eingepreist", sagt Thomas Radinger, Fondsmanager bei Activest. "Nach oben war kurzfristig einfach keine Luft mehr, insofern kommt uns der Kursrückgang nicht ungelegen."


Wie Radinger denken die meisten global anlegende Investoren. Und wie Radinger erwarten viele von ihnen, dass die Konsolidierung sich noch ein paar Wochen und Monate fortsetzen wird. Auch James ist für die unmittelbare Zukunft "neutral" eingestellt und sieht keine Veranlassung, derzeit große Neuengagements einzugehen. Zwar dürfte die im April beginnende neue Berichtsaison dies- und jenseits des Atlantiks wohl kaum negative Überraschungen bringen, doch herrscht auch sonst kein Mangel an möglichen Störfaktoren: So bleibt weiter die Frage, ob die langsam an Dynamik verlierende US-Wirtschaft rechtzeitig von einem stärkeren europäischen Wachstum gestützt werden kann. Auch der hohe Ölpreis und die Terrorgefahr könnten für die Aktienmärkte im zweiten Quartal zu einer Belastungsprobe werden. Weitere Unbill könnte der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf mit sich bringen, vor allem, wenn es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinauslaufen sollte und lange nicht klar ist, auf wen sich die Börsianer einstellen müssen.


Die Pofis empfehlen daher, eine vorsichtige Haltung einzunehmen. "Im zweiten Quartal sehe ich bei den Hauptindizes noch einmal ein fünf- bis achtprozentiges Risiko nach unten", meint etwa Radinger, der die beiden großen Wirtschaftsräume USA und Europa leicht untergewichtet hat. James befürchtet, dass vor allem die amerikanische Wirtschaft in den kommenden Monaten enttäuschen wird und hält den US-Aktienmarkt mithin für wenig attraktiv. Auch von den "spekulationsgetriebenen asiatischen Märkten" - zum Beispiel China, Indien und Thailand - sollten sich Anleger weiter fern halten. Lediglich die relativ defensiven Börsen von Hongkong und Malaysia hält er noch für interessant.


Doch ganz abstinent müssen sich investitionshungrige Börsianer auch im zweiten Quartal nicht geben. Der große Aufsteiger der nächsten Wochen und Monate könnte nach Einschätzung von Strategen das fast schon abgeschriebene Japan werden. Selbst Skeptiker James sieht hier noch Potenzial: "Die anziehende Inlandsnachfrage und die Belebung des Immobilienmarkts zeigen an, dass die japanische Wirtschaft zu ihrer alten Stärke zurückfindet." Tatsächlich scheinen Nippon-Titel im Vergleich mit den hoch bewerteten US-Aktien, den volatilen Asien-Scheinen und den Amerika-abhängigen Europa-Papieren die bessere Wahl zu sein.


Artikel erschienen am 27. März 2004
Welt.de
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