Hohe Volatilität beherrscht die Märkte
An den internationalen Aktienmärkten dürfte es auch diese Woche hektisch zugehen - auch wenn viele Experten gute Chancen für eine Bären-Rally sehen. Die meisten Analysten wagen für diese Woche keine Prognose, in welche Richtung die Börsen tendieren. Sicher ist nur: Die extremen Schwankungen werden sich fortsetzen.Die Hoffnungen und Ängste der Anleger richten sich erneut auf die Konjunktur- und Unternehmensdaten aus den USA. Denn nur eine Erholung der Wall Street kann nach Überzeugung der Analysten auch in Europa zu einer nachhaltigen Trendwende führen.
Die dramatischen Einbrüche an den Aktienmärkten rücken auch die Rolle der Zentralbanken wieder mehr in den Mittelpunkt. Trotz der Zinssenkung der Schweizer Nationalbank vom vergangenen Freitag erwartet die Mehrheit der Volkswirte nicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Leitzinsen senken wird. Der Euro dürfte weiter mit der Parität zum US-Dollar kämpfen, am Freitagabend rutschte er aber auf 0,9873 $.
Zwischen Hoffen und Bangen
Vergangene Woche wurden die Investoren zwischen Hoffen und Bangen hin und her gerissen. Am Ende schlossen die großen Aktienindizes im Wochenvergleich aber meist im Minus. Nur der Dow Jones gewann drei Prozent, während der Nasdaq Composite 4,3 Prozent einbüßte. In Europa schwächte sich der Stoxx 50 um 1,7 Prozent ab, während der Dax gleich acht Prozent an Wert einbüßte."Der Markt wird erst wieder stabil, wenn konservative wertorientierte Investoren zurückkehren", sagte Rolf Elgeti, Stratege bei Commerzbank Securities in London, zu den Aussichten für die Börsen auf beiden Seiten des Atlantik. Dies werde kaum vor dem 14. August geschehen. Bis dahin müssen die US-Firmen-Chefs eidesstattlich versichern, dass ihre Bilanzen in Ordnung sind.
Bereits diese Woche steht in den USA ein weiterer Befreiungsschlag bevor. Nach der Festnahme der ehemaligen Adelphia-Geschäftsführung soll nun gegen die ehemaligen Worldcom-Spitzen, unter ihnen Bernard Ebbers, Anklage erhoben werden. Das wird die Anleger beruhigen und ihnen Vertrauen zurückgeben, hofft Michael Kayes von Eastover Capital. Ob solche Signale allerdings die jüngsten Erholungstendenzen stützen können, bezweifelt er: "Das müssen die nächsten Tage zeigen - schließlich hat bisher keine Rally in diesem Jahr gehalten."
Unveränderte US-Arbeitslosenquote erwartet
Im Gegensatz zu Europa hat die Ertragssaison in den USA ihre wichtigsten Wochen bereits hinter sich. Von den Zahlen der Ölkonzerne Chevron Texaco (Dienstag) und Exxon Mobil (Donnerstag) erwarten Experten nach den Ertragseinbrüchen bei Phillips Petroleum und Conoco ebenfalls Enttäuschungen. Im Mittelpunkt der Konjunkturdaten stehen in den USA am Freitag die Arbeitsmarktzahlen. Schätzungen erwarten eine unveränderte Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent.Absehbar negativ entwickelt sich das Konsumentenvertrauen (Dienstag). Die anhaltende Geldvernichtung an der Wall Street drückt einer Nation von Anlegern aufs Gemüt. Die Mehrheit der Volkswirte erwartet, dass nach den schwachen Zahlen der Universität von Michigan auch das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board nichts Positives berichten wird. Konkrete Folgen für die Konsumausgaben (Freitag) befürchten sie vorerst jedoch nicht. Tendenziell schwächere Daten erwarten die Volkswirte auch beim Einkaufsmanagerindex ISM im Juli (Donnerstag).
Weitere Rückschläge möglich
Für europäische Aktien sind die Strategen nicht mehr ganz so pessimistisch. "Für Kursgewinne spricht, dass sie im Vergleich zu Anleihen extrem günstig bewertet sind", sagte Ralf Zimmermann, Stratege bei Sal. Oppenheim. Dennoch erwartet er auf kurze Sicht ein Anhalten der starken Volatilität. Sollte es zu neuen Bilanzskandalen kommen, seien Rückschläge wahrscheinlich. Fiedel Helmer, Stratege bei Hauck & Aufhäuser glaubt, dass die Talsohle erreicht ist - zumindest bei Dax-Werten. "Die größten Gewinner werden die bisherigen Verlierer sein." Stefan Mitropoulos, Aktienstratege bei der Bankgesellschaft Berlin sieht die Hauptgefahr in negativen Unternehmenszahlen. Positive Überraschungen waren bisher Mangelware.Die Ergebnisse der Banken - die viele schon in einer Krise sehen - stehen besonders im Blickpunkt. Von BNP Paribas (Mittwoch), Deutsche Bank, Barclays und Credit Lyonnais (Donnerstag) reicht der Reigen bis zu Societe Generale und Lloyds (Freitag). Bei der Deutschen Bank werden auch die Spekulationen um eine Anklage gegen Vorstandschef Josef Ackermann weiter für Unruhe sorgen.
Daneben legen Fiat und Pearson (Montag), Fresenius, Volkswagen und BP (alle Dienstag) ihre Ergebnisse vor. Die Deutsche Post, Metro und Unilever folgen am Mittwoch, ICI und Royal Dutch Petroleum am Donnerstag. Auch die großen Fluggesellschaften Iberia, Alitalia sowie British Airways berichten.
Rückschlagspotential an den Anleihemärkten
Für die Anleihemärkte besteht bei einer Erholung der Aktienkurse erhebliches Rückschlagspotential. Denn mittlerweile mehren sich die Stimmen, die vor einer fundamental nicht mehr gerechtgefertigten Überbewertung der Bonds warnen. M.M. Warburg weist darauf hin, dass die Renditen in der Euro-Zone seit dem diesjährigen Höchststand der Aktien Mitte März um rund 50 Basispunkte gefallen sind. In den USA war der Rückgang mit 1,38 Prozentpunkten sogar noch extremer. Auch JP Morgan rät zu wachsender Vorsicht und empfiehlt, Kaufpositionen zu reduzieren.Als einzige möglicherweise marktbewegende Konjunkturdaten stehen am Donnerstag die Einkaufsmanager-Indizes der großen Euro-Staaten an.
Der Dollar wird diese Woche beweisen müssen, ob er die vor allem am Freitag gegenüber Euro und Yen erzielten Kursgewinne halten kann. Fundamental hat sich nach Einschätzung von Experten das Bild nicht geändert. Der Devisenmarkt ignoriert weiterhin die Konjunkturdaten. Dagegen treiben plötzliche Stimmungsschwankungen und die Aktienmärkte die Kurse.