| HANDELSBLATT, Donnerstag, 14. September 2006, 10:42 Uhr | |||
Heißer HerbstBörse steht vor EmissionsboomVon Michael Maisch und Christian SchnellDas Geschäft mit Börsengängen in Europa kommt nach dem Einbruch im Mai und Juni wieder kräftig in Fahrt. Experten führender Investmentbanken erwarten einen heißen Herbst auf dem Markt für Neuemissionen.
LONDON/FRANKFURT. Mit mindestens fünf großen Emissionen und einem Erlös von jeweils über 100 Mill. Euro rechnet beispielsweise Stefan Gratzer, der bei Lehman Brothers für das IPO-Geschäft verantwortlich ist, noch im laufenden Jahr allein in Deutschland. Hinzu komme mindestens die gleiche Zahl kleinerer Börsengänge in einer Größenordnung zwischen 40 und 50 Mill. Euro. Zehn Börsengänge bis Jahresende hält auch Christoph Stanger, Managing Director bei Goldman Sachs, auf dem deutschen Markt für möglich. Mit Abstand größte Emission dürfte der Börsengang der Immobiliengruppe Gagfah werden, der ein Volumen von einer bis 1,5 Mrd. Euro haben dürfte. <!--nodist-->
<!--/nodist--> Bereits im ersten Halbjahr war das Volumen am europäischen Markt für Börsengänge um 40 Prozent auf 34 Mrd. Dollar gestiegen - so viel wie seit dem Technologieboom im Jahr 2000 nicht mehr. Dieses Tempo wird nach Meinung der meisten Investmentbanker nach der Sommerpause nicht ganz zu erreichen sein, aber die Branche rechnet mit einem lebhaften Geschäft. Offiziell angekündigt sind in Europa derzeit Neuemissionen mit einem Wert von insgesamt etwa 20 Mrd. Euro. Die Banken sind zuversichtlich, dass die Investoren den Schock der Monate Mai und Juni verkraftet haben, als die Kurse an den Weltbörsen wegen der wachsenden Angst vor Inflation und steigenden Leitzinsen eingebrochen waren. "Die Märkte haben sich seither wieder erholt, und das Vertrauen ist wieder da", meint ein Londoner Investmentbanker. <!--nodist-->Lesen Sie weiter auf Seite 2: Aus Frankreich stammt auch ein neuer Rekordkandidat <!--/nodist-->Deswegen könnte nun ein Großteil der 35 Börsengänge, die im Frühsommer europaweit abgesagt wurden, nachgeholt werden. Speziell der italienische Emissionsmarkt dürfte davon profitieren, sagt Stefan Gratzer. Dort hatten besonders viele Unternehmen ihren Börsengang verschoben. In Deutschland dürfte schon bald der Baumaschinen-Hersteller Wacker Construction den zweiten Versuch an der Börse starten. Von den großen europäischen Börsenkandidaten hat gerade die irische Fluglinie Aer Lingus die Preisspanne für ihre Emission festgesetzt. Über eine Kapitalerhöhung will sie knapp 600 Mill. Euro einsammeln. In Frankreich bereitet der zweitgrößte Telekomkonzern des Landes, Neuff Cegetel, eine Platzierung vor, die mindestens 500 Mill. Euro einbringen soll. <!--nodist-->» Welches Unternehmen geht wann an die Börse? Eine Übersicht bietet der Handelsblatt IPO-Kalender. <!--/nodist--> Aus Frankreich stammt auch ein neuer Rekordkandidat. Drei Beteiligungsgesellschaften wollen den Elektroausrüster Rexel an die Börse bringen. Die Emission könnte nach Schätzungen aus Bankenkreisen bis zu vier Mrd. Euro einbringen. Damit wäre Rexel der größte Börsengang überhaupt aus dem Bestand von Private-Equity-Investoren. Allerdings könnte sich die Rexel-Platzierung auch ins Frühjahr 2007 verschieben. Für diesen Herbst haben unter anderem der niederländische Röhrenhersteller Wavin, der österreichische Baukonzern Strabag und der russische Stahlproduzent Severstal Milliarden-Emissionen angekündigt. In Deutschland ergeben sich aus Branchensicht mit dem Immobiliensektor und dem Bereich Regenerative Energien zwei dominante Themen. Bereits am Freitag stellen die beiden Biokraftstoff-Unternehmen Verbio und BDI Biodiesel erste Details zur Emission vor. Daneben scheint die deutsche Medizintechnik sehr gut positioniert zu sein. Auch viele Software-Unternehmen streben an die Börse. Für 2007 rechnet Stefan Gratzer sogar mit einer leichten Steigerung des Emissionsvolumens gegenüber 2006. Für Deutschland begründet er dies etwa mit den Börsenplänen des Essener Mischkonzerns RAG. <!-- ISI_LISTEN_STOP --> |