In wohl keiner anderen Branche liegen Hoffnung und Enttäuschung so nah zusammen wie bei der Biotechnologie. Das Jahr 2002 war generell eine Abkühlung, die Verbesserung blieb allerdings aus. Die ersten drei Quartale verliefen gemischt, große Überraschungen - negative und positive - gab es keine.
Die schwierige Marktlage bei Plattformanbietern hält weiter an, scheint sich sogar noch zu verschlimmern. LION Bioscience, Morphosys, Pyrosequencing und Evotec haben jede Woche mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen. Selbst Großanbieter wie Qiagen haben nach den Worten der Deutschen Bank "eine harte Nuss zu knacken".
Bei den Medikamententwicklern sah es dagegen etwas besser aus. PhotoCure oder Cambridge Antibody Technology verfolgten ihre Strategien einer eigenständigen Produktentwicklung (im Gegensatz zu reinen Zulieferern für die Pharmaindustrie), Lundbeck konnte sich gegen die Konkurrenz von Generika-Herstellern behaupten, und Serono gewann mit den jüngsten soliden Quartalsergebnissen zwar das Vertrauen der Analysten zurück, um die Anleger muss das Unternehmen aber noch ein wenig buhlen. Dennoch: Die Deutsche Bank hält das Abwärtsrisiko bei der Aktie nun für sehr begrenzt. Über einen Aufwärtstrend schweigen die Analysten sich allerdings aus.
Wer steht 2003 auf der Einkaufsliste?
Actelion - Das Schweizer Unternehmen ist der Top Pick der Deutschen Bank. Bestseller ist das Lungenmedikament Tracleer. Actelion hat umfassende Mittel in den Vertrieb des neuen Präparats gesteckt, das jetzt sowohl in Europa als auch in den USA erhältlich ist und bis zu 500 Millionen Dollar in diesem Jahr einbringen soll. Die Analysten empfehlen Actelion zum Kauf bei einem Kursziel von 74 Schweizer Franken. Weitere Kaufempfehlungen kommen von der Bank Julius Baer, Dresdner Kleinwort Wasserstein und der Banc of America.
Perbio Science - Trotz der jüngsten Kursschwäche bei dem schwedischen Unternehmen bleibt die Stimmung in der Analystengemeinde der Aktie gegenüber positiv. Die Experten der Deutschen Bank loben das breite Geschäftsmodell und die Qualität der Unternehmensleitung. Der Geschäftsbereich Zellkulturen erfreut sich eines gesunden Wachstums mit einer steigenden Nachfrage. Der neue Wachstumsmotor ist nach Ansicht der Analysten aber der Bereich BioProcess Container, die in der Zellkulturforschung und bei biopharmazeutischen Anwendungsprozessen eingesetzt werden. Erste Verträge werden jedoch nicht vor dem vierten Quartal erwartet, so dass die Auswirkungen auf den Umsatz 2003 minimal sein werden.
Die Deutsche Bank empfiehlt die Aktie zum Kauf bei einem Kursziel von 192 Schwedischen Kronen, ein Rating, dem sich das britische Researchhaus Cazenove anschließt. Hier rechnen die Analysten ab 2004 mit einem deutlichen Anstieg der bei BioProcess Containern. Das Unternehmen sei stark auf den hochmargigen Life Science-Sektor ausgerichtet und biete gegenwärtig eine attraktive Bewertung. Auch die Handelsbanken empfehlen die Aktie zu akkumulieren, ein "Strong Buy" kommt von Nordea Securities.
Shire Pharmaceuticals - Die jüngste Ankündigung des britischen Anbieters, sein Over the Counter-Geschäft für 72 Millionen Dollar zu verkaufen, fand bei vielen Analysten Beifall. Die Produkte gehörten ohnehin nicht zum Kerngeschäft von Shire und der Verkauf mache Sinn im Zuge der vollständigen Abkehr vom Over-the-Counter-Markt, argumentiert die WestLB Panmure. Auch werde der Cashbestand durch diesen Schritt deutlich gestärkt und so Raum geschaffen für neue, strategisch sinnvolle Akquisitionen. Bei einem Kursziel von 750 Pence empfehlen die Analysten den Wert zum Kauf.
Dieser Beurteilung schließt sich auch der englische Broker Williams de Broë an, der Shire im Vergleich zu Peer-Unternehmen für deutlich unterbewertet hält. Die Deutsche Bank setzt vor allem auf die Marktstärke des neuen Medikaments Fosrenol, das bei Hypercalcämie eingesetzt wird und die "nächste Investmentstütze für das Unternehmen" darstellen wird. "Kaufen" bei einem Kursziel von 830 Pence raten die Analysten.
Weniger gefragte Titel
Bleibt noch die Spreu der Branche übrig: "Gleichgewichten" empfiehlt Lehman Brothers für Serono, Kursziel: 1010 Schweizer Franken. Merrill Lynch empfiehlt die Aktie mit "Neutral".
Qiagen erhält ein "Halten" von UBS Warburg (Kursziel: sechs Euro) und der Deutschen Bank (acht Euro).
Das Schlusslicht bildet ohne Zweifel Morphosys. M.M. Warburg empfiehlt die Aktie zum Verkauf. Die Analysten erwarten einen weiteren Kursrückgang auf "mindestens vier Euro". Hier legen sie auch ihr Kursziel fest. Die Deutsche Bank empfiehlt ebenfalls das Papier zu verkaufen. Die Analysten senkten ihr Kursziel von 49 auf 18 Euro.