Aus der FTD vom 17.7.2001 www.ftd.de/zentaris
Biotech-Firma Zentaris braucht Finanzspritze
Von Karen Kleinwort, Frankfurt
Nach ihrem gescheiterten Börsengang ist die Frankfurter Biotechfirma Zentaris für die Fortsetzung der laufenden Entwicklungsprogramme auf Investitionen seitens des Mutterkonzerns Degussa angewiesen.
"Wir werden von Degussa bis zu einem erneuten Börsengang finanziert", sagte Zentaris-Chef Jürgen Engel im Gespräch mit der FTD. Degussa prüft nach Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht aus der vergangenen Woche jedoch auch die Möglichkeit, seine Biotechtochter an einen strategischen oder einen Finanz-Investor abzugeben. Zentaris ist bereits in diesem Jahr auf flüssige Mittel von außen angewiesen, wenn die zehn laufenden Entwicklungsprojekte weiter vorangetrieben werden sollen: Der erwartete Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2001 von rund 24 Mio. Euro übersteigt deutlich die liquiden Mittel, die zum Jahresende 2000 rund 7,5 Mio. Euro betrugen.
Die zum 1. Januar 2001 aus der Degussa-Pharmatochter Asta Medica ausgegliederte Biotechfirma wurde vor rund einem Monat Opfer der negativen Stimmung an den Finanzmärkten. Zentaris sagte am 16. Juni nach Ablauf der zehntätigen Zeichnungsfrist ihren Börsengang ab, der die Firma mit bis zu 252 Mio. Euro bewertet hätte. Degussa wollte sich bei der Emission von bis zu 4,925 Millionen Zentaris-Aktien trennen und damit seinen Anteil am Unternehmen von bisher 100 auf bis zu 32,1 Prozent reduzieren. 900.000 Aktien aus Degussa-Besitz sollten dabei an die US-Biotechfirma Genzyme gehen. Zentaris-Chef Engel, der seit 1976 bei Asta Medica tätig war und zuletzt dort die Forschung und Entwicklung verantwortete, spricht derzeit mit Genzyme über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit; eine Beteiligung seitens Genzyme steht jedoch nicht mehr zur Debatte.
Gewinnschwelle
Zentaris wären bei einer Zuteilung der Aktien am oberen Ende der Zeichnungsspanne von 11 bis 14 Euro insgesamt 84 Mio. Euro an Kapital zugeflossen. Diese Mittel hätte Firma mit 170 Beschäftigten gut gebrauchen können - Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein schätzt nicht vor 2005 mit einem Erreichen der Gewinnschwelle. Mit zehn biopharmazeutischen Projekten in der klinischen Entwicklung ist Zentaris das fortgeschrittenste Biotechunternehmen in Deutschland; hat jedoch auch einen hohen Kapitalbedarf.
Der Fokus des Frankfurter Unternehmens liegt dabei auf Mitteln gegen Krebs und Hormonstörungen; potentester Wirkstoff ist Cetrorelix. Der könnte frühestens 2005/2006 gegen gutartige Prostatavergrößerung auf den Markt kommen. Cetrorelix ist bereits unter dem Namen Cetrotide gegen Unfruchtbarkeit in Europa und den USA zugelassen. Für diese Gebiete hatte jedoch das Schweizer Biotechunternehmen Serono zuvor die Rechte erworben; die Lizenzgebühren gehen an Asta Medica und nicht an Zentaris. 2004 könnte laut Engel mit Leuprolid gegen Prostatakrebs das erste Mittel aus der Zentaris-Entwicklung alle Hürden der klinischen Prüfung und der Zulassung überstanden haben und damit an den Markt gehen.
Beim Vertrieb seiner Medikamente will Engel auf Partner setzen: "Es wäre unsinnig, wenn wir als Zentaris eine eigene Vertriebsorganisation für Leuprolid aufbauen." Im kommenden Jahr will Engel denn auch für das Prostatakrebsmittel und seine Cetrorelix-Anwendungen einen Partner auf der Verkaufsseite finden.
Daneben engagiert sich die Firma in der Gentherapie und entwickelt Technologien für die Inhalation von medizinischen Wirkstoffen. Letzterer Bereich, die Sparte Sofotec, wird in den kommenden Jahren das Gros des Umsatzes ausmachen. In diesem Jahr geht Engel von einem Umsatz von 15 Mio. Euro nach 2,7 Mio. Euro im Jahr 2000 aus. "Rund 12 Mio. Euro davon wird Sofotec generieren", sagte Engel. Die Inhalationsgeräte werden bisher von Asta Medica und der Münchner Pharmafirma Klinge, einer Tochter des japanischen Pharmakonzerns Fujisawa, vertrieben. Zudem gibt es mit zwei Herstellern von Asthmamedikamenten Gespräche.
© 2001 Financial Times Deutschland
Biotech-Firma Zentaris braucht Finanzspritze
Von Karen Kleinwort, Frankfurt
Nach ihrem gescheiterten Börsengang ist die Frankfurter Biotechfirma Zentaris für die Fortsetzung der laufenden Entwicklungsprogramme auf Investitionen seitens des Mutterkonzerns Degussa angewiesen.
"Wir werden von Degussa bis zu einem erneuten Börsengang finanziert", sagte Zentaris-Chef Jürgen Engel im Gespräch mit der FTD. Degussa prüft nach Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht aus der vergangenen Woche jedoch auch die Möglichkeit, seine Biotechtochter an einen strategischen oder einen Finanz-Investor abzugeben. Zentaris ist bereits in diesem Jahr auf flüssige Mittel von außen angewiesen, wenn die zehn laufenden Entwicklungsprojekte weiter vorangetrieben werden sollen: Der erwartete Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2001 von rund 24 Mio. Euro übersteigt deutlich die liquiden Mittel, die zum Jahresende 2000 rund 7,5 Mio. Euro betrugen.
Die zum 1. Januar 2001 aus der Degussa-Pharmatochter Asta Medica ausgegliederte Biotechfirma wurde vor rund einem Monat Opfer der negativen Stimmung an den Finanzmärkten. Zentaris sagte am 16. Juni nach Ablauf der zehntätigen Zeichnungsfrist ihren Börsengang ab, der die Firma mit bis zu 252 Mio. Euro bewertet hätte. Degussa wollte sich bei der Emission von bis zu 4,925 Millionen Zentaris-Aktien trennen und damit seinen Anteil am Unternehmen von bisher 100 auf bis zu 32,1 Prozent reduzieren. 900.000 Aktien aus Degussa-Besitz sollten dabei an die US-Biotechfirma Genzyme gehen. Zentaris-Chef Engel, der seit 1976 bei Asta Medica tätig war und zuletzt dort die Forschung und Entwicklung verantwortete, spricht derzeit mit Genzyme über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit; eine Beteiligung seitens Genzyme steht jedoch nicht mehr zur Debatte.
Gewinnschwelle
Zentaris wären bei einer Zuteilung der Aktien am oberen Ende der Zeichnungsspanne von 11 bis 14 Euro insgesamt 84 Mio. Euro an Kapital zugeflossen. Diese Mittel hätte Firma mit 170 Beschäftigten gut gebrauchen können - Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein schätzt nicht vor 2005 mit einem Erreichen der Gewinnschwelle. Mit zehn biopharmazeutischen Projekten in der klinischen Entwicklung ist Zentaris das fortgeschrittenste Biotechunternehmen in Deutschland; hat jedoch auch einen hohen Kapitalbedarf.
Der Fokus des Frankfurter Unternehmens liegt dabei auf Mitteln gegen Krebs und Hormonstörungen; potentester Wirkstoff ist Cetrorelix. Der könnte frühestens 2005/2006 gegen gutartige Prostatavergrößerung auf den Markt kommen. Cetrorelix ist bereits unter dem Namen Cetrotide gegen Unfruchtbarkeit in Europa und den USA zugelassen. Für diese Gebiete hatte jedoch das Schweizer Biotechunternehmen Serono zuvor die Rechte erworben; die Lizenzgebühren gehen an Asta Medica und nicht an Zentaris. 2004 könnte laut Engel mit Leuprolid gegen Prostatakrebs das erste Mittel aus der Zentaris-Entwicklung alle Hürden der klinischen Prüfung und der Zulassung überstanden haben und damit an den Markt gehen.
Beim Vertrieb seiner Medikamente will Engel auf Partner setzen: "Es wäre unsinnig, wenn wir als Zentaris eine eigene Vertriebsorganisation für Leuprolid aufbauen." Im kommenden Jahr will Engel denn auch für das Prostatakrebsmittel und seine Cetrorelix-Anwendungen einen Partner auf der Verkaufsseite finden.
Daneben engagiert sich die Firma in der Gentherapie und entwickelt Technologien für die Inhalation von medizinischen Wirkstoffen. Letzterer Bereich, die Sparte Sofotec, wird in den kommenden Jahren das Gros des Umsatzes ausmachen. In diesem Jahr geht Engel von einem Umsatz von 15 Mio. Euro nach 2,7 Mio. Euro im Jahr 2000 aus. "Rund 12 Mio. Euro davon wird Sofotec generieren", sagte Engel. Die Inhalationsgeräte werden bisher von Asta Medica und der Münchner Pharmafirma Klinge, einer Tochter des japanischen Pharmakonzerns Fujisawa, vertrieben. Zudem gibt es mit zwei Herstellern von Asthmamedikamenten Gespräche.
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