Ein Beispiel: Ein nicht gezinkter Würfel. Der Einsatz kostet 10000 Euro. Du hast 15000 Euro und deshalb zunächst nur einen Wurf. Fällt der Würfel auf eine 6, so bekommst Du 100000 Euro.
Über 70 Prozent entscheiden sich nicht zu würfeln.
Knapp 30 Prozent würden die 10000 Euro riskieren.
Es gibt nicht unbedingt eine richtige oder falsche Antwort, dies führt vielmehr zu den Methoden, um Entscheidungen im von Wahrscheinlichkeiten und Unsicherheiten geprägten Umfeld zu berechnen und zu begründen.
Beispiel (A): unternehmerisches Handeln, Teil 1:
Du führst ein kleines Unternehmen und hast die Möglichkeit, an einer Ausschreibung teilzunehmen. Die Aufwände und Kosten, an der Ausschreibung teilzunehmen, sind 10000 Euro, aber du schätzt den Gewinn, den du bei einem Zuschlag machen würdest, auf 100000 Euro und deine Erfolgswahrscheinlichkeit auf ein Sechstel. Wie wäre deine Entscheidung?
(B) unternehmerisches Handeln, Teil 2:
Du bist Vorstand der Aktiengesellschaft und forschst an Onkologie Wirkstoffen in Studien. Plötzlich zeichnet sich eine weltweit Pandemie ab, die faktisch alle deine Studien ausbremsen wird. Bei deinem Börsengang kamen viel weniger Dollars rein, als du erhofft hattest. Es ist absehbar, dass deinem Unternehmen in wenigen Monaten bereits wieder das Geld ausgehen wird. Du hast jedoch die Chance, mit einer der Technologien deines Unternehmens zu versuchen, einen Impfstoff auf den Markt zu bringen, der hoffentlich gegen das Virus wirkt. Dazu musst du aber fast alle Mitarbeiter und alle Ressourcen deines Unternehmens auf diese eine Karte setzen. Es ist dir bewusst, dass die etablierten Hersteller von Impfstoffen ebenfalls an Produkten arbeiten werden. Ob der Impfstoff, den du entwickeln könntest, Wirksamkeit zeigt, ausreichend gut verträglich ist, eine Zulassung erhält und sich am Markt im Wettbewerb durchsetzen wird, ist zum Zeitpunkt deiner Entscheidung keineswegs klar. Wie wäre deine Entscheidung?
(C) medizinische Forschung:
Du müsstest von dem Geld, welches dein Unternehmen mit viel Mühe verdient hat, Milliarden investieren, um die Chance zu haben, nach der Pandemie wieder onkologische Produkte zu entwickeln, Zulassungsanträge zu stellen und die Produkte zu vermarkten. Würdest du jährlich rund 2 Milliarden Euro investieren, um in über 70 Pipeline Projekten diese onkologischen Medikation zu entwickeln?
(D) Investment Entscheidung im Aktienmarkt:
Du hast in der Presse gelesen, dass Biontech einerseits viel Cash zur Verfügung hat, aber andererseits so viel Geld investiert, dass jährlich Verluste gebucht werden. Wie beurteilst du die Chance und das Risiko für das Investment? Wie sind die Wahrscheinlichkeiten für Erfolge der neuen Onkologie Medikation?
Keine dieser Entscheidungen kannst du nur durch einfache Logik beurteilen. Du brauchst Modelle für den Wert der Forschung, den du durch deine Entscheidungen und die Investments erwartest. Du brauchst eine Vorstellung von Chance und Risiko anhand von Wahrscheinlichkeiten.
Als Unternehmer wirst du dir überlegen, wie du die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs durch geeignete Maßnahmen berechnen und erhöhen kannst und wie du den Wert im Erfolgsfall gut und nachhaltig optimierst.
Du wirst versuchen, das Risiko zu streuen, um mehrfach die Chance auf Erfolg zu haben. Du wirst dir Gedanken über den Markt und die Wettbewerber machen. Ohne entsprechende Berechnungen und Abschätzungen kannst du im Bereich Biotechnologie und Medizin keine Erfolge erreichen.
Und zuletzt bleibt die Frage, wann der Börsenkurs diese Entwicklungen für den Aktienpreis umsetzt. An der Börse wird nicht geklingelt weder zum Zeitpunkt für das Aussteigen noch für das Einsteigen.
Insgesamt sieben späte onkologische Datenreadouts plant Biontech 2026, also in den nächsten acht Monaten.
Der Fokus liegt auf den häufigsten Todesursachen bei Lunge, Brust, GU GI Tumoren, gynäkologischen Tumoren sowie Kopf Hals Tumoren.
Wirkstoffkategorien sind Checkpoint Antikörper BNT316, Immunmodulatoren BNT327, ADCs BNT323 und BNT326 sowie mRNA Immuntherapien, die 2026 Daten liefern.
Dazu ist der neue Geschäftsbericht lesenswert:
investors.biontech.de/static-files/...-4352-ac08-202b32900b9d
ADCs: Der Gedanke, alte Chemotherapie abzulösen und nun nicht mehr im ganzen Körper anzuwenden, sondern gezielt beim Tumor, ist plausibel.
Bei jedem Menschen werden jeden Tag Tumorzellen entdeckt und bekämpft. Das klappt meist, aber nicht immer.
Dem körpereigenen Immunsystem neu zu helfen, wieder gezielter den Tumor entdecken, markieren und entsorgen zu können, sind die wichtigsten Ansätze.
Nur wenige Marktteilnehmer können sich früh ausrechnen, wie viele der klinischen Studien erfolgreich sein werden und wann. Nachher ist man immer schlauer, aber was hilft dies? Nimmt die Börse die Zukunft vorweg? Ab wann? Wann wäre der richtige Zeitpunkt? Solange Unsicherheiten bestehen, ist sehr viel Marktpsychologie mit dabei, aber letztlich gewinnen die Daten und jene, die sie rechtzeitig verstehen.