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Bericht eines Mobbing-Opfers


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Brummer:

Bericht eines Mobbing-Opfers

 
15.02.02 15:23
Von Bettina Blaß

Das Düsseldorfer Arbeitsministerium bietet ab Montag eine Dauer-Hotline für Mobbing-Opfer an. Denn bundesweit leiden 1,6 Millionen Menschen nach Schätzung des Ministeriums unter Schikanen ihrer Kollegen oder Vorgesetzten. Montags bis donnerstags können in Zukunft Betroffene zwischen 17 und 20 Uhr bei Experten Rat holen. Die Telefonnummer lautet 0180-3100113  
 
"Alles, was ich machte, war falsch"

"Irgendwann begann ich an mir zu zweifeln. War ich wirklich nicht gut in meinem Job?", erinnert sich Sandra H., (32). Alles fing damit an, dass sie einen neuen Vorgesetzten bekommen hatte. "Er ordnete einfach Dinge an, die sich so nicht umsetzen ließen.", berichtet die junge Frau. Ihre Bedenken habe er ignoriert.

Eines Tages musste Sandra H. eine bestimmte Angelegenheit bearbeiten. Ihr neuer Vorgesetzter wurde ausfallend am Telefon, als er das Ergebnis sah:"Was haben Sie mir denn da für eine gequälte Scheiße geschickt?", brüllte er ins Telefon. Danach war für ihn immer alles falsch und schlecht, was sie abgab. Doch wenn sie nachfragte, was genau nicht in Ordnung war, bekam sie keine Antwort, erinnert sie sich. Fast täglich kam es zu verbalen Auseinandersetzungen:"Der Mann wurde immer laut, unverschämt und ironisch!"

Die 32-Jährige bekam plötzlich Hautprobleme und konnte nicht mehr schlafen. Sie war den ganzen Tag gestresst und genervt und hatte Kopfschmerzen. "Meine eigentliche Arbeit konnte ich gar nicht mehr machen, weil ich die eine Hälfte des Tages damit zubrachte, mich aufzuregen, und in der anderen versuchte, die Situation gerade zu biegen".

Als sie eine Arbeit nicht erledigen wollte, weil sie ihr nicht sinnvoll erschien, hatte sie von Kollegen und Kooperationspartnern Rückendeckung. Doch ihr Vorgesetzter schimpfte:"Wer zahlt denn Ihr Gehalt? Ich bin hier der Chef!" Es kam noch schlimmer. In einer E-Mail formulierte er: "Ich würde mich freuen, wenn Sie abseits von mir berufliche Wege suchen würden". Nun schaltete Sandra H. den Chef ihres Vorgesetzten ein. Der bat ihn, mit seinen Mitarbeitern freundlicher umzugehen. Daraufhin antwortete Sandra H.s Vorgesetzter mit einer E-Mail, in der er seine Mitarbeiterin schlecht machte: "Frau H. schwächelt nicht nur in der täglichen Arbeit. Sie kann auch die einfachsten Aufgaben nicht ordnungsgemäß verrichten."

"Da wollte ich gar nicht mehr zur Arbeit gehen", erzählt Sandra H. verletzt. Sie hatte Angst, dass andere Kollegen glauben würden, was ihr Vorgesetzter über sie erzählte. Jetzt wollte sie zum Arbeitsgericht gehen. Doch soweit musste es nicht kommen: Sandra H. hatte das große Glück, dass der Chef ihres Vorgesetzten ein verständnisvoller Mann ist. Er veranlasste, dass ihr direkter Vorgesetzter die Abteilung wechselte. Und sie geht heute wieder gerne zur Arbeit:"Ich bin motiviert und mache jetzt inhaltlich mehr aber es ist viel stressfreier."

Quelle: capital.de
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Brummer:

Frauen mobben anders

 
15.02.02 15:28
Mobbing von Frauen gegen Arbeitskollegen oder Untergebene trägt nach Einschätzung der Berliner Kommunikationsberaterin Sylvia Gennermann ein eigenes Gesicht.

„Frauen sind eher auf indirekte Weise aggressiv, dabei aber genauso rücksichtslos wie Männer“, sagte Gennermann.

Seit Dienstag beschäftigt sich die Friedrich-Ebert-Stiftung in einem Seminar in Erfurt mit Ursachen und Formen der gezielten Schikanierung am Arbeitsplatz und erörtert Gegenstrategien.

Bevorzugte weibliche Mobbing-Methoden seien das Streuen verletzender Gerüchte und Andeutungen hinter dem Rücken des Betroffenen, meint Gennermann. Oftmals würden Mobbing-Opfer vom firmeninternen Informationsfluss abgeschnitten. Dagegen bedienten sich mobbende Männer eher der offenen Drohung oder bürdeten den Opfern Strafarbeiten auf. Auch körperliche Übergriffe seien eher typisch für Männer. Frauen und Männer versuchen gleichermaßen, sich beim Mobben mit willfährigen Arbeitskollegen zu verbünden.

Auch als Opfer reagieren Frauen anders als Männer: „Frauen zermartern sich den Kopf über die eigene vermeintliche Schuld an ihrer Situation, Männer sind da pragmatischer und suchen die Schuld eher bei anderen“, hat die Expertin von Betroffenen erfahren. Wenn Frauen professionelle Hilfe suchten, seien sie in erster Linie auf das stärkende Gespräch, die psychologische Beratung bedacht. „Männer dagegen fragen viel schneller nach einem Anwalt, sind auf eine rasche Lösung ihres Problems orientiert.“

Ein reines Geschlechterproblem ist Mobbing nach Ansicht der Expertin ohnehin nicht. „Es ist immer die Arbeitsatmosphäre, die Mobbing gedeihen lässt.“ Für diese trügen letztlich die Firmenchefs die Verantwortung.

Quelle: wiwo.de / dpa
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