Aus der FTD vom 15.1.2002
Marktplatz: Bei Quartalszahlen nicht alles schlucken
Von Ina Bauer, Frankfurt
Pünktlich zum Start der US-Berichtssaison hat Arthur Levitt, Ex-Chef der amerikanischen Börsenaufsicht, zusammen mit Analysten von Goldman Sachs einen "Beipackzettel" für den Genuss der Quartalszahlen herausgegeben.
"Es lässt sich nicht leugnen, dass Investoren heute Zugang zu wesentlich mehr Finanzdaten haben als früher", sagte Levitt am Wochenende. "Aber diese Zahlen werden von den Unternehmen entsprechend bearbeitet, damit sie besser aussehen als die ihrer Wettbewerber". Die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs hauen in die gleiche Kerbe. Zahlreiche Unternehmen nutzten die Anschläge vom 11. September und die Rezession aus, um die eingefahrenen Verluste zu übertreiben. Damit schafften sie die Voraussetzungen, um im nächsten Quartal mit einem Gewinnsprung aufzuwarten.
Die Unternehmen können sich hinter der Begründung verstecken, dass sie selbst keinen Einfluss auf diese Ereignisse haben, denn die grenzen an höhere Gewalt. Sicher, manche Investoren werden Levitts Rat befolgen und mit harten Nachfragen versuchen, dem Management die richtigen Zahlen aus der Nase zu ziehen. Dennoch dürfte es einem Externen - mag er in Sachen Bilanzierung noch so gewieft sein - schwer fallen, zwischen dem Effekt des 11. September und einer Fehleinschätzung des Managements zu unterscheiden.
Kapitulieren sollten die Investoren aber nicht. Levitt verweist auf ein paar Verabreichungsweisen, mit denen die Firmen den Patienten "Investor" ruhig stellen wollen. Nicht so einfach schlucken sollten Anleger deshalb die beliebten Sonderposten für Restrukturierungen, die oft als Sammelbecken für andere Kosten dienen. Ähnlich stark verbreitet sind Pro-Forma-Zahlen, die von unerfreulichen Bilanzentwicklungen ablenken sollen.
© 2002 Financial Times Deutschland
Marktplatz: Bei Quartalszahlen nicht alles schlucken
Von Ina Bauer, Frankfurt
Pünktlich zum Start der US-Berichtssaison hat Arthur Levitt, Ex-Chef der amerikanischen Börsenaufsicht, zusammen mit Analysten von Goldman Sachs einen "Beipackzettel" für den Genuss der Quartalszahlen herausgegeben.
"Es lässt sich nicht leugnen, dass Investoren heute Zugang zu wesentlich mehr Finanzdaten haben als früher", sagte Levitt am Wochenende. "Aber diese Zahlen werden von den Unternehmen entsprechend bearbeitet, damit sie besser aussehen als die ihrer Wettbewerber". Die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs hauen in die gleiche Kerbe. Zahlreiche Unternehmen nutzten die Anschläge vom 11. September und die Rezession aus, um die eingefahrenen Verluste zu übertreiben. Damit schafften sie die Voraussetzungen, um im nächsten Quartal mit einem Gewinnsprung aufzuwarten.
Die Unternehmen können sich hinter der Begründung verstecken, dass sie selbst keinen Einfluss auf diese Ereignisse haben, denn die grenzen an höhere Gewalt. Sicher, manche Investoren werden Levitts Rat befolgen und mit harten Nachfragen versuchen, dem Management die richtigen Zahlen aus der Nase zu ziehen. Dennoch dürfte es einem Externen - mag er in Sachen Bilanzierung noch so gewieft sein - schwer fallen, zwischen dem Effekt des 11. September und einer Fehleinschätzung des Managements zu unterscheiden.
Kapitulieren sollten die Investoren aber nicht. Levitt verweist auf ein paar Verabreichungsweisen, mit denen die Firmen den Patienten "Investor" ruhig stellen wollen. Nicht so einfach schlucken sollten Anleger deshalb die beliebten Sonderposten für Restrukturierungen, die oft als Sammelbecken für andere Kosten dienen. Ähnlich stark verbreitet sind Pro-Forma-Zahlen, die von unerfreulichen Bilanzentwicklungen ablenken sollen.
© 2002 Financial Times Deutschland