Virtuelle Videothek - 'Cinema on demand' in Schleswig-Holstein
Nie mehr unmenschliche Gebühren für hinter dem Bett vergessene Leihvideos. Nie mehr bei Wind und Regen zur Videothek laufen müssen. Wird für die Bürger von Norderstedt in Schleswig-Holstein dieser Traum wahr werden? Ab 1. Juli 2001 stellt die wilhelm.tel GmbH, Telekommunikationstochter der Stadtwerke Norderstedt, das eines der fortschrittlichsten Breitbandnetze in der Bundesrepublik betreibt, ein digitales Wunschfilmangebot zur Verfügung.
Theo Weirich, Geschäftsführer der wilhelm.tel GmbH: " nach zweijähriger Vorbereitungsphase hat sich wilhelm.tel entschieden, die von der media&91;netCom&93;AG entwickelte und international patentierte 'Cinema-on-Demand'- Technologie, anzuwenden." 15.000 Haushalte, etwa die Hälfte von Norderstedt, sind bereits an das Breitbandnetz angeschlossen und somit in der Lage das interaktive Angebot zu nutzen. Die Bürger sind allerdings noch ein wenig zurückhaltend, bisher stehen 2600 Norderstedter unter Vertrag. " Cinema-on-Demand" ist ein patentiertes Video-Abruf-Verfahren - der Nutzer benötigt lediglich einen PC und einen digitalen Decoder (Set-Top-Box).
Die Wunschfilme werden, ähnlich dem Übertragungsverfahren bei Premiere World, in digitaler Bild- und Dolby-Tonqualität von zentralen Filmservern abgerufen, dann aber in die Set-Top-Box eingespielt, die über die Bedienfunktionen ähnlich der eines Standard-Videorecorders verfügt. Die gesamte Technologie, über Filmserver bis Netzsoftware und auch die Programminhalte werden wilhelm.tel von der media&91;netCom&93; AG zur Verfügung gestellt.
Auch wenn sich die Norderstädter nicht mehr vom Sofa wegbewegen müssen, die bisherige Zurückhaltung könnte auch an den nicht wirklich günstigen Nutzungsgebühren des Heimkino-Spaßes liegen. Der monatliche Preis für Telefon, Kabel und den interaktiven Zugang samt Set-Top-Box in einem Einfamilienhaus beträgt im " digi.tel-Paket" 57,90 DM. Im Mehrfamilienhaus sind es dann zwar nur noch 32,90 DM. Dafür steht dem Kunden allerdings im Moment ein " nur spärliches freies Angebot" zur Verfügung, gibt Weirich zu. Der interessante Part, mit etwa 200 Spielfilmen (das Angebot wird allerdings noch aufgestockt), ist wiederum kostenpflichtig - die Nutzungsgebühren bewegen sich dabei pro Film zwischen 4.- und 10.-DM. Da kann monatlich schon mal eine saftige Rechnung von Wilhelm.tel ins Haus flattern. Zum Vergleich: Das " Superpaket" von Premiere World kostet, inklusive Decoder, monatlich 69,80 DM, ein Film " on-Near-Demand" kostet 6.-DM.
Von den Einnahmen profitiert natürlich auch die media&91;netCom&93; AG, die an den Umsätzen der abgerufenen Filmen beteiligt ist . Mit Norderstedt laufen jetzt insgesamt elf Cinema-on-Demand-Projekte in Deutschland, Österreich und Frankreich . Die Zusammenarbeit mit wilhelm.tel bedeutet für media&91;netCom&93; aber das erste Cinema-on-Demand-Projekt im Dauerbetrieb . In den nächsten zwölf Monaten sollen die " virtuellen Videotheken" an weiteren zehn Standorten eingerichtet werden. [ag]
++ Wilhelm.tel und das Heimkino
* www.wilhelm-tel.de/home/index.html
++ Wer hat's erfunden?
* www.media-netcom.de
++ Wie funktioniert das eigentlich?
* www.cinema-on-demand.de
++ Wir haben es schon!
* www.norderstedt.de
++ Oder doch lieber...?
* www.premiere-world.de/