Banken Attacke


Thema
abonnieren
Beiträge: 7
Zugriffe: 1.195 / Heute: 1
hjw2:

Banken Attacke

 
13.12.03 16:52
Günstiger Zeitpunkt”

Banken: Attacke steht bevor

Die Großbanken in Frankfurt, allen voran die Deutsche Bank, haben akute Angst, von Ausländern geschluckt zu werden. Die Angreifer bringen sich schon in Position.

   
Wolken ziehen über der Zentrale der Deutschen Bank im Finanzzentrum Frankfurt auf.  

 

  BANKENKRISE

Citigroup-Chef Weill: Marktbereinigung geht weiter  
Dresdner Bank: Filialen überprüft  
Eichel drängt auf Reform der Banken  
Japan: Mehr faule Kredite  
Banken: Versteinerter Wald  
Zweifel an geplanter Kreditfabrik  
Staatsbank im Rücken  
Ackermann: Der Bad Boy redet Klartext  

 
Die Dorade ist verspeist, der zweite Pinot Grigio steigt zu Kopf. Der Banker am Tresen des Frankfurter Edelitalieners kommt ins Fabulieren: „Wer die Deutsche Bank übernehmen will, muss Politikern und Management etwas bieten.“ Sein Gesprächspartner weiß auch schon, was: „Die Citigroup verlegt ihre Europa-Zentrale von London nach Frankfurt und bündelt unter dem Dach der Deutschen ihr weltweites Investmentbanking.“ Ja, so könnte es vielleicht gehen.

Oder so: „Josef Ackermann, der Schweizer Deutsche-Bank-Chef flüchtet sich vor den Amis in die Arme der Schweizer UBS. Eine europäische Lösung mit dem kleinen Nachbarland wäre für uns leichter zu verkraften.“

Frankfurt brummt vor Gerüchten und Spekulationen über eine bevorstehende Attacke aus dem Ausland auf die deutschen Großbanken, allen voran auf die Deutsche Bank. „Alle politisch Verantwortlichen müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Eroberer schon vor der Tür stehen“, sagt Bankenpräsident Rolf-Ernst Breuer, im Hauptberuf Aufsichtsratschef der Deutschen Bank.

"Zwei starke Privatbanken"

Und um gleich die Regierung in die Verantwortung zu nehmen: „Kann es uns bei allem Liberalismus wirklich egal sein, ob die heimische Industrie auf deutsche Banken zurückgreifen kann“, so Breuer, „oder ob die Unternehmen im eigenen Land auf ausländische Institute angewiesen sind?“

Schon Ende November hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder einige Bankvertreter und mehrere Länderfinanzminister zu einem Geheimtreffen ins Kanzleramt eingeladen. Thema: die Lage der deutschen Banken und die Gefahr eines Ausverkaufs ans Ausland. Zum selben Thema traf sich Finanzminister Hans Eichel kurz zuvor mit dem Geldadel im Kaminzimmer des Schlosses in Frankfurt-Höchst.

In Berlin wird bereits an konkreten Plänen für die Zukunft der deutschen Bankenbranche gearbeitet. Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser sieht „international operierende Raider“ am Werk. „Deutschland braucht zwei starke Privatbanken“, heißt es in der Regierungszentrale. „2004 muss es Fusionen geben.“ Am deutschen Drei-Säulen-System will Kanzler Schröder allerdings festhalten. Grund: Eine flächendeckende Versorgung mit Bankdienstleistungen könnten nur die öffentlich-rechtlichen Sparkassen gewährleisten, so der Kanzler, der immerhin die Zahl der Landesbanken auf zwei bis drei reduzieren will.




Lesen Sie weiter auf Seite 2

www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/cn/...depot/0/index.html
Antworten
54reab:

arme deutsche banken! besonders

 
13.12.03 17:15
die deutsche bank ist zu bemitleiden. hat viel zu wenig privatkunden. die bösen sparkassen haben alle fest im griff. dabei hatte sich die deutsche bank so stark angestrengt. mit der strategie "bank24" wollte sie die letzten privatkunden vergraulen. ist ihr nicht vollständig gelungen. einige deppen sind geblieben.

da die deutschen banken miserable renditen einfahren, muß jetzt kurspflege über andauernde übernahmespekulationen betrieben werden. ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand eine aus diesem sauhaufen heiraten wollte. wäre es möglich, würde die citigroup sicherlich gerne die sparkassen oder raifeisenkassen übernehmen. diese sind allerdings so stark zersplittert, dass man dort zuerst ein gruppenbildung abwarten müß.


 Banken Attacke 1305383">www.baer45.de.vu">



Antworten
hjw2:

HVB-Chef: Weitere Konsolidierung des Bankenmarktes

 
21.12.03 10:31
Sparkasse wäre für HVB interessant


HVB-Chef: Weitere Konsolidierung des Bankenmarktes


HB BERLIN. Für den deutschen Bankenmarkt erwartet der Vorstandschef der Münchener Hypovereinsbank (HVB), Dieter Rampl, eine weitere Konsolidierung. «Künftig wird es in Deutschland auf jeden Fall weniger Banken geben als heute», sagte der Chef der zweitgrößten deutschen Privatbank der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Dabei wäre die Übernahme deutscher Banken durch ausländische Geldinstitute aus seiner Sicht kein Horrorszenario: «Was sollte schlimm daran sein, wenn ausländische Banken deutsche Banken übernehmen», sagte er. Der Sprecher des HVB-Vorstandes bezog sich damit auf Äußerungen des Chefs des Bundesverbandes deutscher Banken, Rolf Breuer. Dieser hatte Ende November gewarnt, «dass potenzielle Eroberer schon vor der Tür» stünden, gegen die sich der deutsche Finanzplatz wappnen müsse.

Nach Rampls Einschätzung sollte es eher zu freundlichen und nicht zu feindlichen Übernahmen deutscher Kreditinstitute durch ausländische Banken kommen. Befürchtungen, dass sich die Banken nach einer Konsolidierung aus der Fläche zurückziehen, hält er für unbegründet.

Das deutsche Dreisäulenmodell aus Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken dürfe «kein Tabu sein», sagte indes der HVB-Chef vor dem Hintergrund eines möglichen Verkaufs der Sparkasse Stralsund an Private. Den Aufruhr über den Verkauf der Sparkasse Stralsund sei «zwar verbandspolitisch, nicht aber wirtschaftlich" nachvollziehbar. «Wir werden uns noch wundern, wie viele Kommunen ihre Sparkassen veräußern werden», sagte er.

Auch für die Hypovereinsbank sei eine Sparkasse selbstverständlich interessant, fügte er hinzu. «Wir könnten damit unser Geschäft verbreitern und Marktanteile gewinnen. Denn wir haben wie die Sparkassen im Privatkundengeschäft einen unserer Geschäftsschwerpunkte.»

HANDELSBLATT, Samstag, 20. Dezember 2003, 15:03 Uhr


da schmunzelt bear45
Antworten
big lebowsky:

B.Brecht

 
21.12.03 12:12
sagte dazu: Was ist der Überfall auf eine Bank gegen deren Gründung?

Natürlich wird konsolidiert und geraidert.Stralsund lässt grüssen.Sparkassen werden von privaten Geldhäusern übernommen oder vereinigen sich selbst--so wie Haspa oder Frankfurter Sparkasse.Auch den Landesbanken wird frischer Wind entgegen wehen.Die vorsorglichen Ratings von S&P haben schon für etwas Wirbel gesorgt.Die WestLB ist in schwerem Fahrwasser;für die BayLB kommt das auch noch.

Der Königsmacher ist aber die Deutsche Bank.M.E. sollte man ein paar Aktien besitzen.
Antworten
hjw2:

V wie Verlierer

 
25.01.04 12:52
Das Victory-Zeichen des Deutsche-Bank-Chefs Ackermann vor Gericht zeigt die elitäre Haltung des Instituts. Konsequent arbeitet es am negativen Image
von Ulrich Reitz und Matthias Wulff
 
 
Vergangenen Freitag, kurz nach 14 Uhr. Josef Ackermann trifft im "Belvedere"-Hotel ein. Endlich in Davos, mag der Deutsche-Bank-Chef denken. Endlich in der Schweizer Heimat. Endlich fern von den missgünstigen Deutschen. Endlich unter seinesgleichen, der globalen Elite auf dem Weltwirtschaftsforum.


Blaues Hemd, blauer Anzug. Ackermann wirkt müde. Er lächelt, weil er immer lächelt.


Zwei Tage zuvor beim Beginn des Mannesmann-Prozesses war sein Lachen noch Signal, laut und aufdringlich. Umringt von Sicherheitsleuten hatte er zur Begrüßung dem Mitangeklagten Klaus Esser vor dem Eintritt in den Gerichtssaal L 111 mit seiner großen Hand mehr auf die Schulter gehauen denn geklopft. Ganz so, als würde er in Düsseldorf einen alten Kumpel begrüßen, den er lange nicht gesehen hat.


Was immer er und seine PR-Berater mit diesem heiteren Auftritt beim Prozess um die Millionen-Abfindungen für Führungskräfte der Mannesmann AG vermitteln wollten, es ging daneben. "Was gibt es denn da zu lachen", fragt die "Bild" am nächsten Morgen empört. Das Victory-Zeichen "war obszön und ein Abgrund der Arroganz", urteilt die "Süddeutsche Zeitung". Und Bernd Michael, Chef der zweitgrößten deutschen Werbeagentur Grey, sieht darin "nur die Bestätigung für das alte Vorurteil: Die da oben sind anmaßend und überheblich."


Mit dieser anmaßenden Geste hat Ackermann mehr Porzellan zerschlagen als der Prozess an sich. Den Auftritt der Angeklagten finde sie "unerträglich", sagt die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Scheel. Selbst Rainer Brüderle, als stellvertretender FDP-Vorsitzender bislang nicht gerade als Kritiker der Konzerne in Erscheinung getreten, erwartet, dass "nach den hohen Abfindungszahlen die Prozessbeteiligten wenigstens mehr Fingerspitzengefühl beweisen und den Rechtsstaat in Deutschland respektieren" sollten. Es gehe hier "nicht um Kinkerlitzchen".


Doch genau den Eindruck vermittelt Ackermann. Während andere Konzerne ihre abgehobenen Kosmopoliten wie Ron Sommer bei der Deutschen Telekom oder Thomas Middelhoff bei Bertelsmann längst vor die Tür gesetzt haben, beweist die Deutsche Bank Kontinuität in ihrer Auswahl. Galt der Schweizer Ackermann bislang als Inbegriff schweizerischer Bankentradition, hat er auch außerhalb der Bank jetzt seit seiner großspurigen Geste den Titel "der Bauer".


"Die Demutshaltung eines Dienstleisters", so Grey-Chef Michael, ist den Bankern fremder als die Zinspolitik in Kasachstan.


Obwohl im globalen Vergleich bei der Marktkapitalisierung schon lange nicht mehr unter den Top Ten der Banken zu finden, verhalten sich die Herren der Frankfurter Zwillingstürme, die Blue Boys, wie sie sich selbst gern nennen, weiter unbeirrt, als sei für sie die Welt gerade groß genug. Eine Geisteshaltung, die sich durch alle Ebenen - vom Vorstand bis zum Filialleiter vor Ort - zieht. Vergrätzt sind dadurch viele: Die Konkurrenten, der um Kredit bittende Mittelständler, Politiker und schließlich auch die Justiz. Die Folgen dieses Gebarens sind geplatzte Fusionen, verprellte Kunden, gerichtliche Auseinandersetzungen und der verpasste Anschluss an die Weltspitze.


Ihr negatives Image hat die Deutsche Bank konsequent aufgebaut.


Schon Ackermanns Vorgänger fielen immer wieder durch ihre selbstgefällige und herablassende Art auf. Hilmar Kopper schaffte es 1994 mit seinem "Das sind doch nur Peanuts", das "Unwort des Jahres" zu kreieren. Koppers Nachfolger Rolf Breuer bezweifelte im Februar 2002 die Kreditfähigkeit des angeschlagenen Münchner Medienunternehmers Leo Kirch. Als der mittlerweile Pleite gegangene Kirch vor Gericht ging, nahm die Deutsche Bank die Schadenersatzklage gewohnt lässig - bis sie zur Zahlung von Schadensersatz im Dezember 2003 verurteilt wurde. Jetzt haben Kirchs Anwälte in New York Klage eingereicht und dezent darauf verwiesen, dass das Imperium des Münchner Medienunternehmers vor dem Zusammenbruch 13 Milliarden Euro wert gewesen sei.

In Breuers letztem Amtsjahr halbierte sich der Aktienkurs. Das Investmentgeschäft brach weg, nur knapp wurde ein Verlust vermieden, über 20 000 Mitarbeiter wurden entlassen. Sogar Breuer selbst bezeichnete das Jahr als "Annus horribilis". Doch im selben Atemzug rechtfertigte er sein Gehalt von acht Millionen Euro für diese miserable Leistung.


Breuer hinterließ eine Bank, die während seiner Amtszeit vom Käufer zum Übernahmekandidaten geworden war.


Mehr noch: Die Kundenzufriedenheit befand sich 2002 laut einer von einer Frankfurter Konkurrenzbank in Auftrag gegebenen Untersuchung im Keller. Im Vergleich mit acht anderen Wettbewerbern reichte es bei der Kundenbindung und Kundenzufriedenheit nur für den vorletzten Platz. Eine Schmach.


Dann kam der Schweizer. Ackermann versuchte gleich nach seinem Amtsantritt, die gröbsten Schnitzer wieder glatt zu hobeln. So holte er Ende 2002 die von Breuer ausgelagerten Privatkunden wieder zurück. Dafür verprellt er nun einen Großteil der Firmenkunden, indem er 33 000 von ihnen in die Sparte "Private und Geschäftskunden" verfrachtete.


Die Reaktion auf dem Heimatmarkt kann da nur wenig überraschen: Beim Mittelstand ist der Branchenkrösus unten durch. Nach einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) aus dem vergangenen Herbst unter 980 Firmenlenkern war das Ergebnis eindeutig: Die Deutsche Bank landete auf dem letzten Platz. Ihren "einstmals guten Ruf als Finanzierungspartner", schlussfolgert man bei der ASU, hat die Bank "in großen Teilen des Mittelstands verspielt".


Die vergangenen Tage haben da ihr Übriges getan. Zu siegessicher war der Auftritt Ackermanns vor der Richterin, zu dünn seine Argumente. Die nachträgliche Entlohnung - wie im Falle des Ex-Mannesmann-Chefs Klaus Esser - sei "im Wirtschaftsleben üblich", argumentierte Ackermann am Donnerstag vor Gericht. Führende Aktienrechtler hätten bestätigt, dass alles korrekt lief.


Professor Marcus Lutter ist so ein führender Aktienrechtler und teilt Ackermanns Sicht keinesfalls. In der Regierungskommission Corporate Governance Kodex, dem neben Lutter auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner und Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme als Vorsitzender angehören, kam der "Fall Mannesmann" bei einem Treffen bereits im Mai 2003 zur Sprache. Damals ging es um die zulässige Höhe der Vergütung für Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder. Und schon damals stellte die Kommission fest, dass bei der Mannesmann-Übernahme unrechtmäßig hohe Beträge geflossen seien. "Dass der Vertrag mit Esser als Vorstandsvorsitzendem noch in der Phase der Übernahme verlängert worden ist und ihm dadurch erst die Millionen sicher waren", so Lutter, "hätte der Aufsichtsrat als problematische Handlung erkennen müssen."


Auch Ackermanns Argumentation, die Abfindung für Esser und seine Kombattanten sei "eine außergewöhnliche Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung", findet nicht überall Zustimmung. In deutschen Top-Management-Kreisen verweist man darauf, dass es Essers Ziel hätte sein müssen, die Selbstständigkeit Mannesmanns zu erhalten. Und dass der Wert der Aktien am Ende so hoch war, sei bestenfalls Folge einer überreizten Börse im Telekommunikationsrausch gewesen.

 
 
Und mit seiner Behauptung, Deutschland sei das einzige Land, "wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen", betritt einer der bestverdienenden Manager in der Bundesrepublik dünnes Eis. Seit Monaten philosophieren Bank-Manager über diese global gesehen angebliche Einmaligkeit des Prozesses. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hatte nach Bekanntgabe der Klage dann auch eilig von einem Schaden für den heimischen Wirtschaftsstandort gesprochen. Etwas zu eilig. "Prozesse gegen Manager sind keine deutsche Besonderheit", stellt Professor Wolfgang Gerke, Banken-Experte der Universität Erlangen-Nürnberg, fest, "auch in den USA gibt es ein erhebliches Prozessrisiko." Bertelsmann, Daimler-Chrysler und die Deutsche Post, allesamt in den USA vor Gericht, machen gerade diese leidvolle Erfahrung.


Umgekehrt wird ein Schuh daraus, argumentiert FDP-Politiker Brüderle: Für ihn ist ein funktionierender Rechtsstaat ein Standortvorteil. Wer daran zweifelt, dem empfiehlt Brüderle, in Länder ohne unabhängige Gerichtsbarkeit zu schauen: "Dort wandern Wirtschaftsführer ohne die Möglichkeit auf einen fairen Prozess ins Gefängnis."


Merkel schweigt jetzt lieber. CSU-Generalsekretär Markus Söder auch. Und sein Kollege von der CDU, Laurenz Meyer, will nun wirklich nichts zum Prozess sagen. Ackermann glaubt, dass die politische Klasse in Deutschland hinter ihm stehe, sagt er einem Vertrauten aus der Schweiz in Davos. Vom Kanzler bis zu den Spitzen der CDU: Alle unterstützten ihn.


Vergangenen Freitag dann, gegen 19 Uhr, lädt er Geschäftsfreunde zu einem Empfang in das Untergeschoss des "Belvedere"-Hotels ein. Zu Gast die halbe deutsche Industrie. Von Allianz-Vorstand Paul Achleitner, Post-Chef Klaus Zumwinkel, RWE-Aufsichtsrat Dieter Kuhnt bis zu Roland Berger. Auch Merkel ist unter den Gästen. "Ich freue mich über die Unterstützung, die ich erfahren habe", sagt Ackermann später. Es folgte minutenlanger Applaus.


Es ist mehr eine mentale Unterstützung. Allianz-Manager Achleitner, RWE-Chef Harry Roels, Hypovereinsbank-Lenker Dieter Rampl, McKinsey-Deutschland-Vormann Jürgen Kluge, Infineon-Chef Ulrich Schumacher, Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser: Die Liste derer, die sich in Davos "lieber nicht" äußern wollen, ist lang. Man sei mit der Deutschen Bank in Geschäftsbeziehungen, sagt der Erste. "Ich will nicht, dass mir mein Statement dann um die Ohren fliegt", sagt der Zweite. Von einem Victory-Zeichen wisse er nichts. Das ist der Dritte, er heißt Tessen von Heydebreck und sitzt im Vorstand der Deutschen Bank. Zuspruch ist immerhin von der Lufthansa zu hören. "Ein Schauprozess" sei das, "ungeheuerlich, was da abläuft", sagt deren Aufsichtsratschef Jürgen Weber. Immerhin.


Mitarbeit: Wolfgang Pott, Frank Stocker


Artikel erschienen am 25. Jan 2004
www.wams.de/
Antworten
Parocorp:

War ein klasse Interview auf CNBC Europe (Do.)

 
25.01.04 13:00
Mit dem Chef der deutschen Zentralbank....

Bereinigungsprozess faengt erst an.

Gruss
Antworten
hjw2:

Hat hier irgendjemand eine Idee

 
29.02.04 07:15

Hat hier irgendjemand eine Idee

Die deutschen Großbanken stecken tief in der Krise. Schwache Renditen und keine Konzepte. Zählten sie früher zur internationalen Spitze der Geldindustrie, sind sie inzwischen in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht

von Ulrich Reitz

Mal sehen, wo die Reise hingeht", "Irrenhaus", oder: "Hier weiß die Rechte nicht, was die Linke tut." Die Stimmung in den Banktürmen des deutschen Geldadels lässt zu wünschen übrig.

Die Hü- und Hott-Geschäftspolitik der vergangenen Jahre hinterlässt ihre Spuren. Drinnen wie draußen: Vergrätzte Noch-Privatkunden, längst entsorgte Mittelständler, maues Investmentbanking. Und kein Ziel in Sicht. International in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht - die deutschen Banken stecken seit Jahren in der Malaise und finden nur den Ausweg, sich selbst schönzureden. So wie früher Miss Piggy bei den "Muppets".

Helfen tut das nicht.

"Jeder redet mit jedem", ist denn auch der derzeit favorisierte Kernsatz rund um die Frankfurter Taunusanlage. Egal, wo die Bosse auftauchen, die Frage, wann und mit wem sie denn zusammengehen wollen und wie groß die Gefahr einer ausländischen Übernahme ist, die Antwort ist stets die gleiche: Jeder rede mit jedem.

Aber ohne Erfolg.

Für ausländische Topbanker ist das "dauernde Gerede von Merger & Acquisitions" in der sonst so zugeknöpften Zunft auch mehr als ein Beleg für das schwindende Selbstbewusstsein der deutschen Finanzelite.

Das war noch vor wenigen Jahren ganz anders: Treu ihrer Großmannssucht folgend verfügten die Banker aus dem Geld-Olymp, Privatkunden seien teuer und daher eher lästig, das Gleiche gelte für den Mittelstand. Doch solche Attitüde hat die Kunden zuhauf in die Arme der Konkurrenz getrieben, so dass heute ein Mann wie Sparkassenverbandschef Hoppenstedt mit Fug und Recht behaupten kann "Wir sind die deutsche Bank."

Die mit dem großen D dagegen kämpft um ihre internationale Reputation. Vor zehn Jahren fuhr das größte deutsche Geldhaus 1,15 Milliarden Euro an Gewinn nach Steuern ein und lag beinahe gleichauf mit der inzwischen weltgrößten Bank Citigroup. Inzwischen sieht es anders aus: Ende 2003 meldete der US-Gigant einen Nettogewinn von 14,2 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu tritt die Deutsche Bank mit ihrem jüngsten Ergebnis von 1,37 Milliarden Euro auf der Stelle. Im weltweiten Vergleich der 87. Rang. "Zu wenig", wie auch Bankchef Josef Ackermann konstatiert.

Oder England: "Bank makes £7 billion profit" titelte das Massenblatt "Daily Mirror" vergangene Woche. Grund: Die Royal Bank of Scotland meldete für das vergangene Jahr 10,5 Milliarden Euro Gewinn. Jubel auf der Insel. Bis jetzt erste Fragen auftauchen: Ziehen uns die Banker über den Tisch? Zu viel Gewinn ist auch nicht gut.

Davon sind Deutschlands feine Geldadressen weit entfernt. Hier regiert Angst. Zu billig der Börsenwert. Zu groß die Probleme, die Deutschlands Geldelite noch vor sich hat.

Jeder rede mit jedem. Der Satz soll von der Panik einer Übernahme ablenken. Geht es nach der Politik, die die heimische Geldbranche auf tönernen Füßen sieht, sollten die deutschen Banken am liebsten mit Instituten im eigenen Land fusionieren. Doch viele Möglichkeiten gibt es nicht. Zwar scheint eine Fusion zwischen Hypo-Vereinsbank und Commerzbank nur noch eine Frage der Zeit. Die Nachhaltigkeit scheint aber fraglich. Aus zwei Lahmen wird kein Sprinter.

Die letzte Großfusion zweier deutscher Banken war vor mittlerweile fünf Jahren. Aus der Hypo-Bank und Bayerischer Vereinsbank formte sich damals der Bankkonzern HVB. Das bayerische Institut, das seit seiner Zukäufe in Osteuropa den Spruch "Bank der Regionen" auf die Fahne schreibt, mauserte sich inzwischen zwar zu Deutschlands Großbank Nummer zwei. Als Vorbild für eine gelungene Fusion können die Bayern aber nicht dienen. Durch Abschreibungen meldete Bank-Chef Dieter Rampl am Donnerstag einen Rekordverlust von 2,6 Milliarden Euro. Über eine massive Kapitalerhöhung muss der HVB-Chef nun frisches Geld in seine Kasse holen. Die Dividendenzahlung fällt ein weiteres Mal aus.

Hat hier irgendjemand eine Idee (2)

Kein Wunder: Das Kreditportfolio und noch nicht voll bewältigte Probleme im Immobiliengeschäft belasten das Geldhaus nach wie vor schwer.

Auch der vor anderthalb Jahren aus Allianz und Dresdner Bank geschmiedete Allfinanzkonzern wurde alles andere als ein Erfolgsmodell. Der Deal, den Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner eingefädelte, rechnet sich noch immer nicht. Die Bank leidet nach wie vor unter ihren Kosten. Ex-Dresdner-Chef Bernd Fahrholz scheiterte an der Mammutaufgabe. Seit vergangenem Frühjahr drückt nun Herbert Walter für die Allianz in Frankfurt bei den Kosten aufs Bremspedal.

Und weil auch im Lebensversicherungsgeschäft die Allianz die Flaute an den Börsen zu spüren bekam und nicht einmal die Erträge der hoch profitablen Sachsparte die Verluste aus anderen Konzernbereichen auffangen konnte, meldete der Allfinanzriese rote Zahlen. Kurz zuvor zog sich Allianz-Vorstandschef Henning Schulte-Noelle auf den Chefsessel des Aufsichtsrates zurück und übergab seinem Nachfolger Michael Diekmann den Sanierungsfall.

Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz war ohnehin aus der Not geboren. Denn auch die zuvor geplante Fusion von Deutscher und Dresdner Bank wurde zum Flop. Dem damaligen Dresdner-Vorsteher Bernhard Walter kostete das den Job. Frustriert zog er sich vom Vorstandsvorsitz zurück.

Wie ein damals an den Fusionsgesprächen beteiligter Banker verrät, war nie ein vollständiger Zusammenschluss der beiden Häuser geplant. "Die Dresdner Bank sollte zerschlagen werden", sagt der Mann. Das Privatkundengeschäft sollte an die Allianz gehen, die damit ihr Filialnetz bestens gerüstet sah. Den Rest sollte die Deutsche Bank versilbern. Mit anderen Worten: Die Allianz hat jetzt etwas am Bein, was sie so nie wollte. Jetzt hält sich hartnäckig das Gerücht, am liebsten würde die Allianz alles weiterverscherbeln. Nur: Ein Käufer ist nicht in Sicht.

Jeder redet mit jedem. Immer mehr mutiert der Satz zur Ironie. Vor allem die Gefahr einer Übernahme durch den US-Finanzriesen Citigroup ist noch nicht gebannt. Laut einem Sprecher der Deutschen Bank redeten die beiden Institute seit vergangenem Jahr miteinander. "Wir reden immer noch", fügt ein ranghoher Manager jetzt hinzu. Und das "sehr konkret". Zwar seien Anwälte noch nicht in die Gespräche involviert. Allerdings verliefen die Meetings konkreter als noch im Jahr 2003. Längst ist auch die große Politik mit im Spiel. So habe Ackermann dem Kanzler bereits "eine aufgeschlossene Haltung" bei einer Übernahme durch das US-Geldhaus Citigroup signalisiert.

Wohler wäre Ackermann sicher bei einer schweizerischen Lösung für sein Deutsche-Bank-Problem. Die UBS zeige Interesse. Die Credit Suisse ohnehin. Denn: "Auf der Agenda steht bei solchen Verhandlungen vor allem die Frage ,Was wird aus mir?"", sagt ein hochrangiger Banker. Bei einer Übernahme der Deutschen Bank durch die Citigroup verliere Bank-Boss Ackermann massiv an Macht. "Bei einer Schweizer Lösung muss das nicht so sein."

Ackermann ist in einer Zwickmühle: Um den Börsenkurs entscheidend zu steigern, bräuchte er einen großen Wurf.

Doch der ist derzeit zumindest nur vage Hoffnung. Als der Schweizer im Mai 2002 den Chefposten in den Frankfurter Zwillingstürmen übernahm, waren die Bedingungen schlechter denn je.

Hat hier irgendjemand eine Idee (3)

Um im weltweiten Vergleich mithalten zu können, änderten Ackermanns Vorgänger Hilmar Kopper und Rolf Breuer mehrfach die Strategie. Investierten Milliarden in Randaktivitäten und fragwürdige IT-Projekte. Verschmähten das Retail-Banking und erklärten es später wieder zum Kerngeschäft. Mal setzte Breuer auf die "fokussierte Universalbank". Dann sprach er wieder von der "Universalbank neuen Typs". Die Deutsche Bank sei ein "Mixtum compositum", sagte Breuer. Der Erfolg aber blieb aus.

So wird international geträumt, aber national gewerkelt. Bereits im November 2003 machte sich Schröder ein erstes Bild von der Lage der deutschen Geld-Industrie. Gleich mehrere hochrangige Banker lud er zu einem Geheimtreffen ins Kanzleramt ein. Und schickte seinen Finanzminister schon kurze Zeit später an den Main. Das Ziel: Den Konsolidierungsprozess innerhalb Deutschlands zu forcieren. Der Grund liegt auf der Hand: "Ohne einen international wettbewerbsfähigen Kapitalmarkt mit einem modernen Bankensektor kann eine Wirtschaft Wachstum und Strukturwandel nicht erfolgreich bewältigen", warnte Hans Eichel im Anschluss an die Gespräche.

Auch Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser stimmte ein: "Wir brauchen in Deutschland ein starkes Institut." Den Namen "Deutsche Bank" nahm der Politiker nicht in den Mund.

In der Szene wächst deshalb der Verdacht, die Politik gebe die Deutsche Bank langsam auf. Wenn die Deutsche Bank in ausländische Hände fiele, vernimmt man in Berlin, müsse wenigstens die Fusion zwischen HVB und Commerzbank funktionieren. Dann seien eben die das "starke Institut". Zumindest in Europa. Denn im internationalen Maßstab wäre ein Zusammenschluss der deutschen Nummer zwei und drei viel zu klein.

Aber offenbar das kleinere Übel. Denn die Sorgen bleiben: dass eine ausländische Übernahme für die deutsche Ökonomie Gift sei. Dass deutsche Konzerne auf dem Weltmarkt ohne Unterstützung heimischer Banken dastünden. Also: weiter sanieren. Um einen Euro Ertrag zu generieren, setzen die deutschen Großbanken im Schnitt 76 Cent auf. Spanier hingegen müssen nicht einmal 54 Cent investieren.

Die Branche ist sich dennoch einig: Wenn der Erste zuschlägt, ist das eine Initialzündung. Andere Ausländer kommen dann nach. Immerhin ist Deutschland die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt.

So nimmt es nicht Wunder, dass die Ausländer mit den Deutschen reden. Und das seit längerem. Mehr aber auch nicht. Merrill-Lynch-Chef Stanley O´Neill sondierte die Lage und bemerkte anschließend: "Auf lange Sicht verspricht der deutsche Markt großes Potenzial." Auch Ken Thompson, Chef der viertgrößten US-Bank Wachovia, war schon da. Und erst Recht Sandy Weill, Chairman und graue Eminenz der Citigroup. Bei seinem Deutschland-Trip im Spätsommer 2003 traf Weill alle wichtigen Bank-Bosse im Land. Auch beim Kanzler fühlte er schon mal vor. Vor drei Monaten trafen sich die beiden erneut - in New York.

Wie schnell das Interesse an deutschen Banken im Ausland wächst, hängt von ihren Sanierungserfolgen ab. Die Probleme, die die deutschen Großbanken noch immer zu lösen haben, stehen ihren Fusionsbemühungen, die sie vor einer Übernahme ausländischer Institute bewahren sollen, im Weg. Aber auch dem Börsenkurs. Eine gefährliche Zwickmühle, wie es sie so noch nie gab.

Hat hier irgendjemand eine Idee (4)

Und an der sie nicht ohne Schuld sind. Als die Börsen einbrachen, wurden ihre strukturellen Probleme gnadenlos offen gelegt. Die als Unternehmensbeteiligungen getarnten stillen Reserven wurden zu stillen Lasten. Wertvolle Provisionserträge durch den Börsenhandel brachen weg. Und auch im Privatkundengeschäft lief einiges schief.

Deutschlands Geldhäuser erlebten die schwerste Krise der Nachkriegszeit. Der Absturz der Börsenkurse wurde für sie ausnahmslos zum Schicksalsschlag. Verwöhnt von den Erträgen durch den Börsenboom, setzten die Geldhäuser Speck an. Die Probleme kamen erst nach dem Platzen der Blase so richtig auf den Tisch.

Nicht unschuldig ist aber auch die Politik. So fühlen sich die Banker benachteiligt, weil die D-Mark bei der Einführung der Währungsunion im Vergleich mit ausländischen Währungen zu stark bewertet worden sei. Den ausländischen Banken hätte das Vorteile verschafft. Auch die Immobilienblase in Ostdeutschland traf die Banken hart. Durch Steuervorteile angeheizt, setzten sie dort reichlich Geld in den Sand.

Und dann das Geschäft mit dem privaten Kunden. Viel zu lange hatten es die vom Börsen-Boom verwöhnten Banker nicht gepflegt. Es galt als unmodern, als unsexy. Im Vergleich zum prestigeträchtigen Investmentbanking flossen während der Hausse die Erträge. Im breiten Massengeschäft waren den Bankern die Renditen zu dünn.

Die Banken entdeckten den Kunden wieder. Und setzen seitdem verstärkt auf das langfristig stabile, wenn auch weniger margenträchtige Basisgeschäft.

Alle Privatbanken ruderten ausnahmslos zurück. Die Deutsche Bank nahm die Deutsche Bank 24 längst vom Markt. Die Hypo-Vereinsbank stutzte die Eingangshürden im Private Banking auf eine auch für Normalverdiener verträgliche Summe zurück. Die Dresdner Bank engagierte einen zweiten Vorstand für ihr Privatkundengeschäft. Und die Commerzbank nahm sich diese Woche der Hofer Schmidt-Bank an, was im Privatkundengeschäft zehn Prozent Kundenzuwachs entspricht.

Das Gegenlenken der Banken kam reichlich spät: Zigtausende Mitarbeiter landeten auf der Straße, Firmenbeteiligungen wurden verkauft; nicht zum Kerngeschäft gehörende Geschäftsbereiche wurden ausgesourced.

Nie war der Zeitdruck der Banker so groß wie zurzeit. Der Druck auf die Kostenbremse reicht freilich nicht aus. Sie müssen endlich wieder mehr Erträge erwirtschaften. Das wirtschaftliche Umfeld ist für Deutschlands Geldhäuser diffuser denn je. Vor allem die andauernde Konjunkturkrise, die Schwäche an den Börsen und die noch nicht verabschiedeten Reförmchen der Berliner Politik setzen den Banken zu.

Schlecht läuft es vor allem im wieder entdeckten Retail-Geschäft.

Das geringe Wirtschaftswachstum macht vor allem die für das Kreditgeschäft zuständigen Banker mehr und mehr nervös. Die Nachfrage nach neuen Krediten sinkt. Außerdem drückt das historisch niedrige Zinsniveau auf die Margen. Auch ausgegebene Kredite werden zusehends zum Problem. Die Insolvenzrate ist nach wie vor hoch. Was trotz restriktiver Kreditprüfungen reihenweise faule Außenstände mit sich bringt.

Auch die Vormachtstellung der Sparkassen drückt den Großbankern aufs Gemüt. Der Marktanteil der deutschen Großbanken liegt bei gerade mal 19 Prozent. Englische Banken haben inzwischen 57 Prozent, spanische Privatbanken gar 69 Prozent Marktanteil erreicht. Kein Wunder: Deutschland gilt als gnadenlos "overbanked". Ein Bankmitarbeiter betreut hier zu Lande gerade mal 110 Kunden. In Spanien sind es im Durchschnitt 167, in Italien gar 170 Kunden.

Hat hier irgendjemand eine Idee (5)

Und: Statt Back-Office-Aufgaben zu zentralisieren, werden immer noch unnötige Verwaltungsaufgaben an die einzelnen Filialen delegiert. Zwar wurden in den vergangenen Jahren zentrale Einheiten wie Call Center oder Internet Banking eingeführt.

Doch im Vertrieb sind die deutschen Banken immer noch schwach. Während weltweit mehr als fünfzig Prozent der Beratungsgespräche zum Verkauf eines Bankproduktes führen. Liegt der Wert bei deutschen Großbanken bei weniger als 30 Prozent. Die Bankberater verbringen nach wie vor zu wenig Zeit mit dem Verkauf. Während Verkäufer der international besten Banken, wie etwa die der US-Bank Citigroup, deutlich mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit Verkaufsgesprächen verbringen, liegt der Wert in Deutschland bei nur 20 Prozent. Auch beim Aufbau eines schlagkräftigen mobilen Vertriebs halten sich die Banken zurück. Die Citibank, Deutschland-Dependance des US-Bankriesen Citigroup, hat diese Chance erkannt. Und setzt immer stärker auf den mobilen Außendienst, der auch außerhalb von Filialöffnungszeigen erreichbar ist.

Auch bei den Bankprodukten gibt es im internationalen Vergleich Aufholbedarf. Auch wenn Deutschlands Geldhäuser Fonds und Zertifikate mit Kapitalgarantien sowie eine Kombination von Festgeld und Fondsanlagen zu attraktiven Zinssätzen einführen, reicht gemessen an den Angeboten ausländischer Banken nicht aus. Englische Banken etwa zeigen sich wesentlich innovationsfreudiger.

So hat die Bausparkasse The Woolwhich, die inzwischen zu Barclays gehört, ihren Kundenstamm durch ein neues Produkt deutlich ausgebaut. Immobilienbesitzern bieten die Briten die Möglichkeit einer günstigen Kreditlinie an, die nur bei Bedarf genutzt wird. Hat der Kunde Geld übrig, wird die Einlage automatisch gewinn bringend investiert. Folge: Mehr als jeder zweite Nutzer des Produkts kam als Neukunde zur Bank.

Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney belegt diesen Trend: Mehr als die Hälfte der notwendigen Ertragssteigerung im Retailgeschäft, fanden die Analysten heraus, sei durch innovative Finanzprodukte zu erzielen.

In den USA hat man die Möglichkeit der Ertragssteigerung längst erkannt. Die 28 Millionen Privatkunden und 4200 Filialen zählende Bank of America setzt beim Kundenfang vor allem auf Produkt- und Vertriebsinnovationen. In Atlanta hat die Bank ein eigenes Entwicklungsteam für neue Finanzprodukte installiert. 30 Bank-Dependancen werden als "Test-Filialen" genutzt. Der Erfolg gibt den US-Bankern Recht: Die Kundenzufriedenheit stieg im Test-Markt um zehn Prozent. Von 40 neu entwickelten Finanzprodukten wurden 36 ein Erfolg.

Dennoch: Eine Mitschuld an der Banken-Misere trägt der Staat: Öffentlich-rechtliche Landesbanken und Sparkassen besetzen knapp die Hälfte des heimischen Marktes, was bei den Großbanken auf die Margen drückt. Ein Kampf mit ungleichen Waffen. Grund: Die öffentlich-rechtlichen Institute sind mit einer Staatsgarantie versehen, was ihnen Vorteile bei der Refinanzierung am Kapitalmarkt bringt.

In einer dritten Banken-Säule finden sich die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken. Jeder der drei Sektoren schottet sich seit Jahren vor dem anderen ab. Säulenübergreifende Fusionen finden immer noch nicht statt. So steht ein Verkauf der Sparkasse Stralsund an interessierte Privatbank auf tönernen Füßen. Die Politik torpediert den Verkauf, wo sie nur kann.

Hat hier irgendjemand eine Idee (6)

In den europäischen Nachbarländern ist es längst anders. Beispiel Italien: Aus sieben privaten Kreditinstituten und öffentlichen Sparkassen wurde die Großbank Unicredito geformt. Das Institut ist an der Börse inzwischen fast so viel wert wie die Deutsche Bank.

Dabei würde eine Expansion ins Sparkassenlager den Großbanken helfen. Doch eine solche Hilfe ist nicht in Sicht. Die Politik sperrt sich. Und gibt die öffentlich-rechtlichen Institute für Fusionen mit den privaten Geldhäusern nicht frei.

Den Ausländern gefällt die Blockadehaltung in Berlin. Ihr Einstieg in Deutschland wird ihnen leichter gemacht. Kommen sie zum Zug, wäre das für den Bankenplatz Deutschland der Gau.

Artikel erschienen am 29. Feb 2004

wams

Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--