Pessimistische Stimmung an der Börse Djakarta
GATRA Info Services
(Indonesische
Nachrichtenagentur)
The Jakarta Post
Asia News
Nach dem politischen Kompromiss bei der Präsidentenwahl
Ende Oktober warten Broker in Djakarta nunmehr auf konkrete
Taten im Bank Bali-Skandal. Den Einfluss der Vizepräsidentin
Megawati Sukarnoputri halten Beobachter für eher gering.
Anzeichen für ein Ende der politischen Aufbruchstimmung sieht
man in Treffen zwischen dem neuen Präsidenten Wahid und
Politikern, die in der Suharto-Ära hochrangige Positionen
bekleidet hatten. Man fürchtet nun, dass der Fall Bank Bali
doch unter den Teppich gekehrt wird. Andererseits sei ein
gewisser Handlungsdruck im Parlament gegeben. Doch der
springende Punkt, so Analysten in Djakarta, sei ob einem
paralamentarischen Untersuchungsbericht auch konkrete Taten
folgen werden.
Im Juni vergangenen Jahres kam die indonesische Privatbank
durch eine Schmiergeldzahlung von rd. 70 Mio. $ in den Genuss
von Stützungskrediten der indonesischen Zentralbank, obgleich
diese den Antrag von Bank Bali hätte ablehnen müssen. Sieben
Minister und Notenbank-Präsident Sabirin sollen in den Skandal
verwickelt sein. Zu den Beschuldigten gehören auch
Finanzminister Subianto und der Minister für
Staatsunternehmen, Abeng.
Beobachter befürchteten zunächst eine groß angelegte
Vertuschungsaktion. Mittlerweile wurden aber bereits sechs
Verdächtige inhaftiert: der frühere Präsident der Bank Bali Ramli
und drei seiner Kollegen sowie eine Mitarbeiter der regierenden
Golkarpartei und ein Geschäftsmann.
Anlass zur Hoffnung gibt auch die Tatsache, dass die Polizei
nunmehr sowohl Finanzminister Subianto als auch den Minister
für Staatsunternehmen Abeng und den Zentralbankpräsidenten
Sabirin vorladen durfte. Damit gaben die regierende Golkarpartei
und der schwer angeschlagene Präsident Habibie dem Drängen
des IWF und der Weltbank, vor allem aber dem öffentlichen
Druck in Indonesien nach. Golkar und Habibie hatten die
Korruptionsvorwürfe massiv abgestritten und offenkundig
versucht den Skandal zu vertuschen. Zeitweilig hatte "Baligate"
als politisches Thema in Indonesien sogar die Ereignisse in
Ost-Timor überlagert.