Der Spiegel
US-Autobauer
Tesla ruft 475.000 Fahrzeuge zurück
Der US-Autobauer Tesla beordert fast eine halbe Million Fahrzeuge der Reihen Model 3 und Model S zurück in die Werkstätten. Zumindest beim Fabrikbau in Brandenburg macht Elon Musks Konzern Fortschritte.
31.12.2021, 08.31 Uhr
Beim Model 3 (im Bild) gibt's Probleme mit dem Kabelbaum, beim Model S droht der Frunk hoch zu gehen
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Beim Model 3 (im Bild) gibt's Probleme mit dem Kabelbaum, beim Model S droht der Frunk hoch zu gehen Foto: TangKe / Barcroft Media / Getty Images
Wissen Sie was ein Frunk ist? Zumindest frühere Käfer-Fahrer dürften so ihre Erfahrungen mit ihm gemacht haben: Das englische Kofferwort besteht aus den Bestandteilen Front und Trunk und beschreibt den Raum, der bei dem Auto mit Heckmotor aber eben auch bei vielen Elektroautos nun im vorderen Teil des Wagens Verstaumöglichkeiten bietet.
Bei vielen Tesla Model S macht dieser Frunk nun ernsthafte Probleme: Knapp 120.000 von ihnen werden wegen einer fehlerhaften Montage des Frunks zurückgerufen. Durch die Fehler könne er sich plötzlich öffnen und die Sicht des Fahrers behindern, so der Hersteller.
Doch damit nicht genug: Beim Model 3 des US-Elektroautobauers kommt es noch dicker. Wegen Problemen mit der Rückfahrkamera werden fast 360.000 von ihnen in die Werkstätten beordert, wie aus einem Dokument der US-Fahrzeugsicherheitsbehörde NHTSA hervorgeht. Die Gesamtzahl der zurückgerufenen Fahrzeuge ist damit fast so groß wie die Zahl der Autos, die Tesla zuletzt pro Jahr auslieferte.
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Der Kabelbaum der Rückfahrkamera könne durch das Öffnen und Schließen des Kofferraumdeckels beschädigt werden und die Rückfahrkamera ausfallen. Alle Model 3 der Modelljahre 2017 bis 2020 würden daher zurückgerufen, erklärte die Behörde. Der NHTSA zufolge sind Tesla keine Unfälle, Verletzungen oder Todesfälle im Zusammenhang mit den Problemen bekannt.
Der abermalige Rückruf bei Tesla belastet den Unternehmenswert an der Börse. Die Aktien verloren vorbörslich rund 1,1 Prozent. Zuletzt hatte Tesla im Frühjahr knapp 135.000 Fahrzeuge von Model S und Model X freiwillig zur Nachbesserung zurückgerufen wegen für Defekte anfälliger Bildschirme, die die Sicht des Fahrers gefährden können. Hinzu kommt: Im August leitete die NHTSA eine formelle Sicherheitsuntersuchung wegen des Fahrerassistenzsystems von Tesla ein, nachdem es zu einer Reihe von Unfällen mit Tesla-Modellen gekommen war.