Aus für Süddeutsche Zeitung?


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Aus für Süddeutsche Zeitung?

 
15.10.02 09:38

Zahlungsunfähigkeit droht


Bekommt das Verlagshaus die Krise in den Griff? Der Verlust steigt, der Umsatz sinkt. Erstmals in ihrer Geschichte wird sogar die "Süddeutsche Zeitung" in die roten Zahlen rutschen. Die Finanzprobleme sind offenbar weitaus dramatischer als bislang bekannt. Wie will sich der Verlag aus der Misere retten?

Hamburg/München – Der Süddeutsche Verlag steckt tiefer in der Misere als bislang angenommen. Mittlerweile weiß keiner mehr, ob das Verlagshaus die derzeitige Krise überleben wird. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, ist das Flaggschiff "Süddeutsche Zeitung" (SZ) mittlerweile der größte Verlustbringer des Verlags. Das Blatt machte allein im Monat August sieben Millionen Euro Miese.

Die Lage ist prekär - die Geschäftsführung geht mittlerweile davon aus, dass der Verlust bis Ende des Jahres auf etwa 30 Millionen Euro ansteigt, heißt es im SPIEGEL. Ende des Jahres wird die "SZ" wahrscheinlich ein Umsatzminus von rund 50 Millionen Euro vorweisen, schreibt das "Handelsblatt". Zweitgrößter Verlustbringer ist die Fachverlagssparte, in der auch das Branchenmagazin "Werben & Verkaufen" erscheint, mit einem Umsatzrückgang von 30 Millionen Euro. Auch das Hamburger Nachrichten-Magazin berichtet von einem Umsatzminus von etwa 100 Millionen Euro unter Plan.

Alles Quatsch?

Wie geht es nun weiter? Der SPIEGEL titelt seinen Bericht mit "Blanke Panik", beim Magazin "Focus" heißt es sogar "Ungebremst in Richtung Wand". Wird es einen Weg aus der desolaten Situation geben? In der Pressestelle des Süddeutschen Verlags heißt es: "Das ist alles völliger Quatsch" ("Handelsblatt").

Anderer Meinung ist offenbar Dirk Refäuter, Sprecher der Geschäftsführung. Auf einer Redaktionskonferenz der "SZ" sagte der Manager den Mitarbeitern, dass der Verlag sich von verschiedenen Objekten trennen müsse, um wenigstens seine Kernzeitung – die "SZ" – halten zu können.

Noch deutlicher wurde der Manager wohl auf der Gesellschafterversammlung am vergangenen Dienstag. Wenn nicht schnell etwas passiere, könne bis Ende des Jahres die Zahlungsunfähigkeit drohen, sagte Refäuter dem SPIEGEL zufolge.

Zerstrittene Gesellschafter

Grund für die angespannte Situation ist unter anderem der Einbruch der Werbeanzeigen, vor allem aber der Stellenanzeigen (minus 54 Prozent). Zudem wies der Verlag auf Grund der schlechten Marktlage bereits im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen aus. Der Fehlbetrag betrug 43,9 Millionen Euro.

Auf eine Besserung des Marktes wartet die Medienbranche bislang vergebens. In diesem Jahr wird sogar die "SZ" erstmals in ihrer Geschichte in die Verlustzone rutschen. Dabei hat der Verlag dort bereits die Notbremse gezogen. Das Jugendmagazin "Jetzt" wurde genauso wie die "Berliner Seiten" eingestellt. Der Verlag bläst auf allen Seiten zum Rückzug, doch wohin es geht, ist derzeit noch nicht klar. Sicherheitshalber beschloss das Verlagshaus bereits, 500 der 5000 konzernweiten Stellen abbauen zu wollen; das "Handelsblatt" schreibt mittlerweile von 600 gestrichenen Arbeitsplätzen.

Verkauf der Regionalzeitungen

Dabei wird es jedoch nicht bleiben. Einfachste Lösung wäre sicherlich, wenn die fünf Gesellschafter dem Verlag eine Finanzspritze bereitstellten. Doch dem SPIEGEL-Bericht zufolge sollen zwei der Eigner signalisiert haben, dies nicht mittragen zu wollen. Die Option, bei Banken einen Kredit aufzunehmen, gestaltet sich ebenfalls als schwierig. Es fehlen entsprechende Sicherheiten, die das Verlagshaus einsetzen könnte.

Derzeit werde die Struktur des Konzerns mit Hilfe der Unternehmensberatung Roland Berger überprüft, heißt es. Mit Spannung wird das Ergebnis erwartet. Derweil bleibt dem Verlag noch die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung zu erwägen. Doch diese würde den ohnehin schon zerstrittenen Gesellschafterkreis nur noch vergrößern. Die zweite – und immer wahrscheinlichere - Variante besteht im Verkauf von Objekten. Betroffen wären die Regionalzeitungen und die Fachverlagssparte.

Nach SPIEGEL-Informationen haben bereits einzelne Mitglieder aus dem SV-Gesellschafterkreis Investmentbanker und Anwälte vorgeschickt, die unter anderem mit der WAZ-Gruppe Verkaufs- und Beteiligungsmodelle ausloten. "Focus" macht zudem die Verlagsgruppe Madsack ("Hannoversche Allgemeine", "Leipziger Volkszeitung") sowie die Ippen-Gruppe ("Münchner Merkur", "TZ") als potenzielle Käufer aus. Die Verlage könnten sich für die Regionalzeitungen "Donaukurier" in Ingolstadt, "Frankenpost" in Hof, "Neue Presse" in Coburg und "Freies Wort" in Suhl interessieren. Derweil kündigte der Münchener Verlag in seiner "SZ" schon mal umfangreiche Umstrukturierungen an, um im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückzukehren.

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