Apokalypse am frühen Morgen
Die gezielten Terroranschläge auf die beiden Türme des World Trade Center haben ganz New York ins Chaos gestürzt.
9:10 Uhr: Auf der Straße vor meinem Haus in Brooklyn sammeln sich die Menschen. Sie starren Richtung Westen: Wenige Kilometer entfernt steht das World Trade Center in Flammen. "Alle diese unschuldigen Menschen", sagt eine Bankangestellte. Sie kann den Blick nicht abwenden, schüttelt langsam mit dem Kopf. "Ich war noch im Schock über das erste Flugzeug, da kam das zweite. Oh my God, ich kann nicht glauben, dass das passiert ist."
9:20 Uhr: In der U-Bahn nach Manhattan redet niemand. Nicht einer im ganzen Waggon.
Ca. 9:30 Uhr :Ich steige an der Station Park Place aus. Ein Ausgang ist abgesperrt. Polizisten empfangen uns oben, wollen uns weglenken. Die Bürgersteige sind gesäumt mit Menschen. Alle schauen nach oben, viele fotografieren: Schräg über uns steigt der Rauch aus den silbernen Türmen, wir sind nur wenige Blocks entfernt. Im Innern lodern die Flammen. "Ich war im World Financial Center nebenan", diktiert ein Mann zwei Reportern in den Block. "Man hat die Fenster gespürt".
Bevor er weiter reden kann, grummelt es. Der kleinere der beiden Türme fällt nach links. Alles rennt zurück runter in die U-Bahn-Station, einige springen über das Geländer. Auf einmal sind eine Menge FBI-Beamte da. "Bleiben Sie in der U-Bahn", schreit jemand. Ein Mann mit einem Helm kommt herbeigerannt. Er geht in die Knie, der Helm fällt ihm vom Kopf. "Es ist eingestürzt, das World Trade Center ist gerade eingestürzt", stößt er hervor. Er hat Schwierigkeiten zu atmen. Dichte weiße Staubwolken kommen durch die Eingänge. Die Luft wird undurchsichtig, einige der vielleicht hundert Flüchtlinge pressen sich Tücher vor Mund und Nase.
Eine Frau fragt: "Wie komme ich nach Brooklyn?" Ein FBI-Mann sagt gereizt: "Don't worry about that now". Durch den Tunnel hallt es: "Let's go, let's go." Im Laufschritt hastet die Gruppe weg vom Staub, zum Eingang am anderen Ende der Station. Einige Polizisten sind von oben bis unten weiß. "Wir standen oben, als die Wolke kam", sagt einer von ihnen. Er reibt sich die Augen. Wir verharren vor dem Ausgang zur Church Street. Die ersten Kinder beginnen zu schreien.
Dann das Kommando: "Sie können nach oben." Auf der Straße das gleiche Bild. Die Luft ist frischer, aber auch voller Staub. Church Street ist schneeweiß, die Behörden-Jeeps ziehen Staubfahnen hinter sich her, als führen sie auf einem Salzsee. Irgendjemand hat Wasser besorgt, mehrere Polizisten säubern sich die Augen, den Mund, spucken und husten. Einige Menschen fotografieren immer noch.
9:50 Uhr: Ich versuche zu telefonieren. Nichts. Die Telefonleitungen sind ausgefallen, auch die Handys funktionieren nicht. Ich schaue rüber zum World Trade Center. Der Staub erlaubt ab und zu einen Durchblick: Es steht nur noch ein Turm da. Die Menschen strömen weg vom Unglücksort, teilweise getrieben von der Polizei. Viele sind weiß vor Staub. Langsam wird die Gegend evakuiert.
Zwei junge Frauen stehen vor der Glastür eines Gebäudes. "Wir wohnen im sechsten Stock, mit Blick auf die Türme", sagt eine. "Ich machte mich gerade für die Arbeit fertig, da flog das Flugzeug in das Gebäude". Mehr kann sie nicht sagen, ihre Freundin zieht sie weg. "Wir müssen weg hier." Keine weitere Diskussion.
Unter den Menschen, die zum Wasser drängen, ist Mike Drabick. Er war an seinem Arbeitsplatz im 103. Stock des zweiten Towers, als das kleine Flugzeug in den Nachbarturm einschlug. "Sie sagten durch, dass wir sicher seien. Wir sollten bleiben, wo wir waren." Er ging dennoch ins Treppenhaus, für einen langen Abstieg. Etwa hundert waren bei ihm, sagt er. Im 57. Stock wackelte das Gebäude - die Boeing war eingeschlagen. Sie wussten nicht, was los war. Im Treppenhaus merkte man wenig, die Feuerschutztüren hielten den Rauch weitgehend fern. Unten angekommen, wurden sie von Sicherheitskräften wegeskortiert. Mark ging zu einer Freundin in einem nahe gelegenen Gebäude am Broadway. Vom Fenster aus sah der 23-Jährige, wie sein Arbeitsplatz einstürzte. Er wirkt gefasst. "Ich habe es geschafft", sagt er nur.
Dem 49-jährigen Santo Barone hingegen stehen die Tränen in den Augen. Er arbeitete auf einer Baustelle am Broadway. Er sah, wie Leute aus dem Turm sprangen. "Sie wollten wahrscheinlich auf das Zeltdach springen, dass auf der Plaza aufgebaut war", mutmaßt er.
Auf einmal donnert es, und der zweite Turm kommt herunter. Jetzt beginnen die Menschen in der Straße zu schreien. "Jesus" - das ist zu viel. Viele fangen an zu weinen. Ein Schwarzer sagt unter Tränen: "Meine Söhne sind da drin." Immer noch wird fotografiert.
Weiter nördlich auf dem Broadway bilden sich Menschentrauben um geparkte Autos. Die Radios sind auf laut gestellt. Alle hören zu.
Die gezielten Terroranschläge auf die beiden Türme des World Trade Center haben ganz New York ins Chaos gestürzt.
9:10 Uhr: Auf der Straße vor meinem Haus in Brooklyn sammeln sich die Menschen. Sie starren Richtung Westen: Wenige Kilometer entfernt steht das World Trade Center in Flammen. "Alle diese unschuldigen Menschen", sagt eine Bankangestellte. Sie kann den Blick nicht abwenden, schüttelt langsam mit dem Kopf. "Ich war noch im Schock über das erste Flugzeug, da kam das zweite. Oh my God, ich kann nicht glauben, dass das passiert ist."
9:20 Uhr: In der U-Bahn nach Manhattan redet niemand. Nicht einer im ganzen Waggon.
Ca. 9:30 Uhr :Ich steige an der Station Park Place aus. Ein Ausgang ist abgesperrt. Polizisten empfangen uns oben, wollen uns weglenken. Die Bürgersteige sind gesäumt mit Menschen. Alle schauen nach oben, viele fotografieren: Schräg über uns steigt der Rauch aus den silbernen Türmen, wir sind nur wenige Blocks entfernt. Im Innern lodern die Flammen. "Ich war im World Financial Center nebenan", diktiert ein Mann zwei Reportern in den Block. "Man hat die Fenster gespürt".
Bevor er weiter reden kann, grummelt es. Der kleinere der beiden Türme fällt nach links. Alles rennt zurück runter in die U-Bahn-Station, einige springen über das Geländer. Auf einmal sind eine Menge FBI-Beamte da. "Bleiben Sie in der U-Bahn", schreit jemand. Ein Mann mit einem Helm kommt herbeigerannt. Er geht in die Knie, der Helm fällt ihm vom Kopf. "Es ist eingestürzt, das World Trade Center ist gerade eingestürzt", stößt er hervor. Er hat Schwierigkeiten zu atmen. Dichte weiße Staubwolken kommen durch die Eingänge. Die Luft wird undurchsichtig, einige der vielleicht hundert Flüchtlinge pressen sich Tücher vor Mund und Nase.
Eine Frau fragt: "Wie komme ich nach Brooklyn?" Ein FBI-Mann sagt gereizt: "Don't worry about that now". Durch den Tunnel hallt es: "Let's go, let's go." Im Laufschritt hastet die Gruppe weg vom Staub, zum Eingang am anderen Ende der Station. Einige Polizisten sind von oben bis unten weiß. "Wir standen oben, als die Wolke kam", sagt einer von ihnen. Er reibt sich die Augen. Wir verharren vor dem Ausgang zur Church Street. Die ersten Kinder beginnen zu schreien.
Dann das Kommando: "Sie können nach oben." Auf der Straße das gleiche Bild. Die Luft ist frischer, aber auch voller Staub. Church Street ist schneeweiß, die Behörden-Jeeps ziehen Staubfahnen hinter sich her, als führen sie auf einem Salzsee. Irgendjemand hat Wasser besorgt, mehrere Polizisten säubern sich die Augen, den Mund, spucken und husten. Einige Menschen fotografieren immer noch.
9:50 Uhr: Ich versuche zu telefonieren. Nichts. Die Telefonleitungen sind ausgefallen, auch die Handys funktionieren nicht. Ich schaue rüber zum World Trade Center. Der Staub erlaubt ab und zu einen Durchblick: Es steht nur noch ein Turm da. Die Menschen strömen weg vom Unglücksort, teilweise getrieben von der Polizei. Viele sind weiß vor Staub. Langsam wird die Gegend evakuiert.
Zwei junge Frauen stehen vor der Glastür eines Gebäudes. "Wir wohnen im sechsten Stock, mit Blick auf die Türme", sagt eine. "Ich machte mich gerade für die Arbeit fertig, da flog das Flugzeug in das Gebäude". Mehr kann sie nicht sagen, ihre Freundin zieht sie weg. "Wir müssen weg hier." Keine weitere Diskussion.
Unter den Menschen, die zum Wasser drängen, ist Mike Drabick. Er war an seinem Arbeitsplatz im 103. Stock des zweiten Towers, als das kleine Flugzeug in den Nachbarturm einschlug. "Sie sagten durch, dass wir sicher seien. Wir sollten bleiben, wo wir waren." Er ging dennoch ins Treppenhaus, für einen langen Abstieg. Etwa hundert waren bei ihm, sagt er. Im 57. Stock wackelte das Gebäude - die Boeing war eingeschlagen. Sie wussten nicht, was los war. Im Treppenhaus merkte man wenig, die Feuerschutztüren hielten den Rauch weitgehend fern. Unten angekommen, wurden sie von Sicherheitskräften wegeskortiert. Mark ging zu einer Freundin in einem nahe gelegenen Gebäude am Broadway. Vom Fenster aus sah der 23-Jährige, wie sein Arbeitsplatz einstürzte. Er wirkt gefasst. "Ich habe es geschafft", sagt er nur.
Dem 49-jährigen Santo Barone hingegen stehen die Tränen in den Augen. Er arbeitete auf einer Baustelle am Broadway. Er sah, wie Leute aus dem Turm sprangen. "Sie wollten wahrscheinlich auf das Zeltdach springen, dass auf der Plaza aufgebaut war", mutmaßt er.
Auf einmal donnert es, und der zweite Turm kommt herunter. Jetzt beginnen die Menschen in der Straße zu schreien. "Jesus" - das ist zu viel. Viele fangen an zu weinen. Ein Schwarzer sagt unter Tränen: "Meine Söhne sind da drin." Immer noch wird fotografiert.
Weiter nördlich auf dem Broadway bilden sich Menschentrauben um geparkte Autos. Die Radios sind auf laut gestellt. Alle hören zu.