Aufwärts mit Risiko


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Aufwärts mit Risiko

 
31.08.03 12:53
Die Lebensversicherer haben den Schock des Jahres 2002 verdaut. Kunden, die auf dauerhaft steigende Renditen hoffen, freuen sich zu früh
von Ulrich Reitz

   
Fast schon wieder heile Welt herrscht in den staubfreien Etagen der deutschen Lebensversicherer. Die Baisse an den Börsen ist weitestgehend verdaut. Der Dax krabbelt wieder. Die Nachfrage nach privater Altersvorsorge springt auch langsam an. Und das nach dem Riester-Reinfall. Rürup sei Dank.


Sogar die Pleite der Mannheimer ist bald vom Tisch. "Noch im September ist das Thema erledigt", orakeln die Funktionäre des Versicherungsverbandes GDV. Sie freuen sich: "Wenn die Versicherten sehen, dass die Auffanggesellschaft Protektor wirklich funktioniert, kehrt endlich wieder Ruhe ein."


Das dürfte alles sein, was den Kunden bleibt. Denn: Von der Erholung der Branche bekommen sie nichts mit. Ab Januar 2004 fällt der Garantiezins für neue Verträge von 3,25 auf 2,75 Prozent. Und ein Anstieg der stark gekürzten Gewinnbeteiligungen ist auch nicht in Sicht.


"Viele Anbieter präsentieren sich noch immer in sehr schlechter Form", sagt Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes map-report. Sein Vorwurf: Auf die Fehler der Vergangenheit habe die Assekuranz zu zaghaft reagiert und die Unternehmen nicht ausreichend fit für die Zukunft gemacht.


In den Chefbüros der Konzerne atmet man trotzdem auf. "Es sieht ganz danach aus, dass wir die Krise überstanden haben", freut sich ein Lebensversicherungs-Vorstand, der nicht genannt werden will. "Allzu viel Optimismus" passe nicht in die Zeit. Zu groß scheint die Angst, die Kunden könnten auf steigende Überschussbeteiligungen spekulieren.


Trotzdem, so der Manager, sei der Aufwärtstrend bei Lebensversicherungen klar zu erkennen: "Wenn sich die Börse weiter erholt, nehmen die positiven Meldungen wieder zu." Dann sei das "Licht am Ende des Tunnels nicht zu übersehen".


Es sieht ganz danach aus, dass sich diese Hoffnung erfüllt.


Der Dax hat sich erholt und schwankt um die Marke von 3500 Punkten herum. Immer mehr Profis auf dem Parkett sagen dem deutschen Leitindex einen weiteren Aufschwung voraus. Vielleicht, so die Hoffnung, schleicht sich der Dax bis Jahresende an die magische 4000er-Marke heran.


Die deutschen Lebensversicherer dürfte das freuen. Die Branche ist mit rund elf Prozent in Aktien investiert.


Auch mit dem Neugeschäft läuft es besser als geplant. "Wir gehen davon aus, dass wir unsere Prognose von 3,5 Prozent Beitragswachstum im laufenden Jahr erreichen", bestätigt eine GDV-Sprecherin. Noch im Frühjahr klang das anders. "Es wird sehr schwer, das zu schaffen", war damals zu hören.


Erste Ergebnisse bestätigen den Trend. Vor allem die Diskussion um private Altersvorsorge sorgt in den Antragsabteilungen der Konzerne für einen regelrechten Boom. Beispiel Allianz Leben: Der größte Lebensversicherer auf dem deutschen Markt hat von Januar bis Juni 2003 die Beitragseinnahmen, das Barometer der Branche, um 23 Prozent nach oben geschraubt.


Nach dem Riester-Flop kann die Branche den Erfolg gut gebrauchen. Nach einer aktuellen Analyse von map-report werden zurzeit mehr Riester-Verträge gekündigt als neu abgeschlossen, was die Durchschnittssumme in der privaten Rentenversicherung von 27 240 Euro auf 22 270 Euro drückt.


Die Versicherer haben das Potenzial noch immer nicht ausreichend genutzt. Und auch auf einem anderen Feld ihre Ernte noch nicht bestellt: Bei der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit (BUZ) sind die Deutschen gnadenlos unterversorgt, wie die Analyse von map-report ebenfalls belegt. Knapp 85 Prozent der Kunden haben keinen Schutz. Und das trotz der Rentenreform, die Menschen bis zum 40. Lebensjahr dramatisch unterversorgt. Für sie sieht der Staat nur noch eine sehr viel geringere Erwerbsminderungsrente vor.


Zudem bekommen die Gesellschaften Druck von der Zinsfront: Bis zu 80 Prozent der Beiträge hätten die Versicherer in Rentenpapiere investiert, womit sie ihre Garantiezinszahlungen an die Kunden finanzieren. Die Umlaufrendite notiert derzeit bei 3,96 Prozent und liegt damit unter dem garantierten Zins von vier Prozent, der rund ein Drittel des Vertragsbestandes der Lebensversicherer umfasst. Ergo: Ein Drittel erwirtschaftet aus laufenden Zinserträgen den Garantiezins nicht mehr. Auch wenn das Zinsniveau ansteigt, hilft das nicht viel. Denn: Wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse der Rentenpapiere. Kurzfristig müssen die Versicherer dann erneut mit Abschreibungen oder der Anhebung der stillen Lasten agieren. "In der Branche tickt eine neue Zeitbombe", warnt Poweleit.


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