Aufregung um Investorentreffen mit Dax-Firmen


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Aufregung um Investorentreffen mit Dax-Firmen

 
01.03.02 00:40
Von Tony Major und Sebastian Sachs, Frankfurt

Eine Investorenkonferenz bei der Deutschen Bank hat Aufregung um die Vorabveröffentlichung kursbewegender Informationen durch Dax-Unternehmen ausgelöst. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) prüft, ob es Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen die Publikationsregeln aufnimmt.

Bei der Konferenz präsentieren sich seit Mittwoch in Frankfurt zahlreiche im Dax 100 vertretene Unternehmen - darunter Allianz, SAP, Metro oder Commerzbank - vor handverlesenen internationalen Analysten und Fondsmanagern.

Einige Firmen sollen dabei auch Gewinn- und Umsatzprognosen gegeben haben. Das BAWe prüft, ob diese Zahlen durch Ad- hoc-Meldungen hätten veröffentlicht und damit allen Aktionären zugänglich gemacht werden müssen. Es sei aber noch zu früh zu sagen, ob eine offizielle Ermittlung eingeleitet werde.

Börsenaufsicht prüft Verstöße

Börsenhändler äußerten sich empört, dass nur ein kleiner Kreis Informationen erhalten habe, die die Aktienkurse bewegt hätten. Nach den Regeln müssen Unternehmen Informationen, die einen "signifikanten Einfluss" auf den Aktienkurs haben könnten, "ad hoc", also sofort, veröffentlichen. Als "signifikant" gilt meist eine Kursbewegung um fünf Prozent.

ei einigen Unternehmen, die an der Konferenz teilnahmen, waren deutliche Kursbewegungen zu beobachten. Am Donnerstag kletterte die Epcos-Aktie zeitweise um mehr als sechs Prozent, nachdem der Finanzchef bei der Konferenz eine kräftige Umsatzsteigerung für das zweite Quartal in Aussicht gestellt hatte. Die Aktien der Commerzbank legten über drei Prozent zu. Ein Vorstandsmitglied hatte Prognosen über die Vorsteuergewinne abgegeben, die über den Analystenerwartungen lagen.

Die Deutsche Post reagierte auf die Konferenz am Donnerstag mit der vorgezogenen Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen für 2001. Konzernchef Klaus Zumwinkel habe an der Konferenz teilgenommen. Deshalb habe die Post die Zahlen zeitgleich per Fax verschickt.

Metro nannte bei der Konferenz nach Informationen der FTD Umsatzzahlen. Ein Metro-Sprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen könne sich zum Umsatz öffentlich derzeit nicht äußern.

Lufthansa und Allianz wiesen Spekulationen zurück, sie hätten bei der Konferenz kursbewegende Zahlen bekannt gegeben. Die Commerzbank räumte ein, ihre Gewinnprognose für 2002 sei noch nicht bekannt gewesen.

Die Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Reinhild Keitel, sprach von einem "unbefriedigenden Zustand" und forderte, "dass Investorenkonferenzen zeitgleich im Internet zugänglich gemacht werden sollen". Es bestehe immer die Gefahr, dass auf diesen Konferenzen auf Nachfrage "das eine oder andere mitgeteilt wird, was so in der Ad-hoc-Mitteilung nicht drinsteht".

© 2002 Financial Times Deutschland
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Dax-Konferenz: Infos für handverlesene Insider?

 
01.03.02 01:23
Eine Investorenkonferenz der Deutschen Bank sorgt an der Börse für Aufregung. Eine handverlesene Gruppe von Analysten und Fondsmanagern soll auf der Veranstaltung exklusive Informationen über deutsche Top-Unternehmen erhalten haben. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel ermittelt.

Frankfurt am Main - Auf der dreitägigen Veranstaltung, die seit Mittwoch unter Ausschluss der Presse stattfindet, präsentieren sich nach Angaben von Marktteilnehmern nahezu alle Dax-30-Unternehmen. Zugelassen seien dabei lediglich hundert internationale Analysten und Fondsmanager.

"Dieser kleine Kreis erhält Informationen, die kursbewegend sind", so ein Börsenhändler. Gerade am Mittwoch habe man deutlich sehen können, wie die Aktien von Deutsche Telekom , Infineon , Epcos oder Software AG nach positiven Aussagen der Vorstände auf eben dieser Konferenz stark gestiegen seien. "Es ist schon sehr seltsam, dass nur sehr wenig dieser wichtigen Nachrichten in den Markt kommt", so ein weiterer Händler.

Starke Kursbewegungen bei der Commerzbank

Am Donnerstag hätten unter anderem Commerzbank , Allianz , SAP , MLP und Preussag auf der Tagesordnung gestanden. Auch dort habe es Informationen gegeben, die, vor allem bei der Commerzbank, für überproportionale Kursgewinne gesorgt hätten. "Überall wird davon geredet, dass das Vertrauen in die Börsen wiederhergestellt werden müsse. Aber eine solche exklusive Veranstaltung, auf der auch noch wirklich interessante Neuigkeiten verbreitet werden, konterkariert doch die ganzen Bemühungen", sagt ein Analyst.

Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte zwar, dass viele Dax-Unternehmen sich auf der Konferenz vorstellten, eine Liste diese Unternehmen wollte er aber nicht zur Verfügung stellen. Die Deutsche Bank hält die Aufregung um die von ihr veranstaltete Investorenkonferenz für unbegründet. Die Veranstaltung sei ein Forum, auf dem von Unternehmen bereits Bekanntes einem Publikum von institutionellen Investoren nochmals erläutert werde, so der Sprecher. Wirklich neue Informationen habe es nicht gegeben, fügte er hinzu. Die Idee der Konferenz sei vielmehr, ausländischen Investoren die Gelegenheit zu geben, in kurzer Zeit möglichst viele deutsche Vorstände kennenzulernen.

Die Börsenaufsicht ermittelt bereits

Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) ist sich offenbar nicht ganz so sicher, dass den aus New York und London eigens angereisten Profis auf der Frankfurter Konferenz lediglich Altbekanntes aufgetischt wurde. Die Behörde hat inzwischen offiziell eine Untersuchung eingeleitet. Man prüfe die Konferenz im Hinblick auf mögliche Ad-hoc-Verstöße, sagte eine Behördensprecherin. Zugleich würden mögliche insiderrechtliche Aspekte untersucht, fügte sie hinzu. Das BAWe werde als nächsten Schritt nun Informationen von den betroffenen Unternehmen einholen, nach deren Präsentationen sich Kursbewegungen ergeben hatten.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Vereinigte Wirtschaftsdienste stellen sich auf der Konferenz am Donnerstag noch ConSors , AWD , AMB Generali, Deutsche Post , Bayer , Lufthansa , MAN , Stinnes , Continental , Südzucker , Preussag , RWE und DaimlerChrysler vor. Der Freitag gehört angeblich weitgehend Unternehmen des Neuen Marktes.

In den USA sind solche "Kamingespräche" unter Ausschluss der Öffentlichkeit bereits seit einiger Zeit verboten. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte im August 2000 die so genannte Regulation Fair Disclosure (RFD) eingeführt. Diese sieht vor, dass Journalisten, Kleinanleger und andere Interessierte Zugang zu Telefonkonferenzen oder Veranstaltungen erhalten müssen, auf denen Manager den Finanzprofis Rede und Antwort stehen. Inzwischen lassen sich die "conference calls" amerikanischer Unternehmen im Internet verfolgen - ohne Beschränkungen und für jeden einsehbar.

Zumindest mit der SEC werden die in Frankfurt vertretenen Unternehmen keine Probleme bekommen. Wie ein SEC-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte, gilt die RFD-Regelung für in New York zweitnotierte deutsche Unternehmen nicht.

URL: www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,184796,00.html
Von Thomas Hillenbrand

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Bundesamt nimmt Investorenkonferenz unter die Lupe

 
01.03.02 23:12
Von Tim Bartz, Bernd Weber und Nicola de Paoli

Das Bundesamt für den Wertpapierhandel (BAWe) prüft derzeit, ob auf einer Investorenkonferenz der Deutschen Bank Firmenvorstände Insiderwissen preisgegeben haben. Trotz auffallender Kursbewegungen bestreiten die Unternehmen dies.

Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Ad-hoc-Mitteilungspflicht gebe es dagegen nicht. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ad-hoc-pflichtige Tatsachen mitgeteilt wurden", sagte eine BAWe-Sprecherin. Es handele sich aber erst um Vorermittlungen. Welche Fälle unter die Lupe genommen werden, sagte sie nicht.

Auf der Konferenz in Frankfurt hatten sich von Mittwoch bis Freitag zahlreiche in Dax, MDax sowie im Neuen Markt vertretene Unternehmen vor internationalen Analysten und Fondsmanagern präsentiert - darunter Allianz, SAP, Metro, Commerzbank, die Deutsche Post, aber auch Neuer-Markt-Firmen wie Medion, Das Werk und GrenkeLeasing. Einige Firmen sollen dabei Gewinn- und Umsatzprognosen abgegeben haben. Prognosen müssen nicht ad hoc veröffentlicht werden. Dagegen sieht Paragraf 15 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) für möglicherweise kursbeeinflussende Tatsachen eine Ad-hoc-Pflicht vor.

Anders liegt der Fall beim Insiderwissen, das illegale Aktiengeschäfte ermöglichen könnte. Nach Paragraf 14 WpHG sind sowohl die Weitergabe von Insiderinformationen wie auch Insidergeschäfte selbst verboten. "Wenn Vorstände Insider-Wissen an einen beschränkten Personenkreis weitergegeben haben, könnte es sich um eine Verletzung der Insiderregeln handeln", sagte die BAWe-Sprecherin.

Kritik von Aktionärsschützern

Einige der betroffenen Firmen stritten ab, kursrelevante oder Insiderinformationen preisgegeben zu haben. So dementierte ein Epcos-Sprecher, dass Finanzvorstand Bodo Lüttge eine genaue Umsatzprognose für das zweite Quartal abgegeben habe. Der in Medienberichten genannte Umsatzanstieg von 4 Prozent auf 330 Mio. Euro sei die Prognose eines Analysten gewesen. Epcos habe keine Zahlen genannt, die nicht schon bekannt gewesen wären. Der Epcos-Kurs war am Donnerstag zeitweise um 6 Prozent gestiegen und legte am Freitag weiter zu. Ein Commerzbank-Sprecher sagte, die auf der Konferenz genannte Gewinnprognose für 2002 habe mit den Analystenerwartungen übereingestimmt und sei daher nicht kursrelevant gewesen.

Ein Frankfurter Aktienhändler nannte die Marktreaktion auf die Prognosen übertrieben. Die dünnen Handelsumsätze hätten die Kursbewegungen verzerrt. "Der Markt ist nach Informationen ausgehungert und reagiert dementsprechend stark auf Neuigkeiten", sagte der Händler.

Trotz aller Dementis kritisieren Aktionärsschützer die Informationspolitik der Unternehmen. "Ich sehe es ausgesprochen kritisch, wenn solche Prognosen vor ausgewählten Analysten bekannt gegeben werden und diese Kreise einen Wissensvorsprung ausnutzen können", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jörg Pluta.

© 2002 Financial Times Deutschland  
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