ftd.de, Mi, 20.3.2002, 7:00
Geldanlage: Der Markt mit der Maus
Von Christoph Hus
Banken müssen Aktienorders bald nicht mehr an der Börse ausführen. Die interne Verrechnung bereitet Börsenaufsehern Sorgen.
Am 2. September 2002 soll der Startschuss für eine neue Handelsmöglichkeit im elektronischen Xetra-System der Deutschen Börse fallen. Mit Xetra Best Execution (kurz Xetra Best) können Banken in Zukunft die Kauf- und Verkauforders ihrer Privatkunden hausintern gegeneinander verrechnen. Die Papiere wechseln dann zwischen zwei Kunden einer Bank den Besitzer und tauchen nicht mehr im eigentlichen Börsenhandel auf. Für den Fall, dass einer Verkauforder keine Kauforder gegenüber steht, wird die Transaktion wie bisher über das Xetra-Orderbuch abgewickelt. Banken, die Kundenorders in Xetra Best ausführen wollen, müssen als "Liquidity Manager" auftreten, um sicherzustellen, dass zusätzlich Liquidität im Orderbuch angeboten wird.
In der Öffentlichkeit preist Volker Potthoff, im Börsenvorstand für Xetra verantwortlich, die Vorzüge des neuen Systems. Es ermögliche eine sofortige Ausführung der Wertpapierorders und biete den Privatanlegern Preisvorteile gegenüber dem Xetra-Handel.
Getrübte Freude
In Wahrheit dürfte Potthoffs Freude über das neue Angebot getrübt sein. Mit der Einführung von Xetra Best reagiert die Börse auf die Ankündigung von Großbanken, die Orders ihrer Privatkunden in Zukunft nicht mehr über die Handelsplattform Xetra auszuführen, sondern sie mithilfe eigener EDV-Systeme intern zu verrechnen. Die Deutsche Bank soll bereits an einem solchen System arbeiten. Der Börse ginge damit ein beträchtliches Handelsvolumen verloren.
Mit der neuen Methode der internen Verrechnung wollen die Banken ihre Gewinnmargen erhöhen. "Das Geschäft mit den Privatanlegern wäre dann weitaus lukrativer als heute", sagt Jörn Kissenkötter, Analyst bei M. M. Warburg. Hintergrund: Die Institute könnten die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs einer Aktie komplett für sich einstreichen, weil die Deutsche Börse an dem Geschäft nicht mehr beteiligt wäre.
Diese Entwicklung wollen die Börsen-manager mit der Einführung von Xetra Best verhindern. Zwar verdienen sie an den Transaktionen zukünftig nicht mehr, können aber für die Nutzung der Xetra-Best-Software von den Banken Lizenzgebühren verlangen. Analyst Kissenkötter glaubt, dass der Plan aufgeht. "Die großen Institute werden Xetra Best benutzen, weil es billiger sein wird, als ein eigenes System zu entwickeln." Die meisten Banken halten sich noch bedeckt. Lediglich ein Sprecher der HypoVereinsbank bestätigt, dass sein Haus Xetra Best von Anfang an einsetzen werde.
Schwierige Preisverhandlungen
Wie viel die Banken für die Nutzung zahlen müssen, ist noch unklar. Die Börse hat den Instituten ein Angebot gemacht, aber nach eigenen Angaben bisher noch keine Antwort erhalten. Die anstehenden Preisverhandlungen könnten Vorstand Potthoff in eine schwierige Situation bringen, denn die Großbanken sind alle Anteilseigner der Deutschen Börse.
So viel ist immerhin klar: Die Kurse für Transaktionen über Xetra Best sollen an die jeweiligen Preise im Xetra-Handel gekoppelt sein. Sowohl für Käufer als auch für Verkäufer sollen sie einen geringen Kursvorteil bieten, denkbar wäre etwa ein pauschaler Abschlag von zwei Cent auf den aktuellen Xetra-Kurs einer Aktie. Vom Einhalten dieser Regel hängt der Erfolg von Xetra Best ab. "Ohne marktnahe Kurse werden die Anleger das System nicht akzeptieren", sagt Analyst Kissenkötter.
Die hessischen Börsenaufseher betrachten Xetra Best mit Bauchschmerzen, weil in dem System kein echter Börsenpreis zu Stande komme. Mit einer Zustimmung der Behörde sei aber dennoch zu rechnen, sagt ein Sprecher. Frankfurter Wertpapierhändler formulierten ihre Kritik deutlicher: Xetra Best sei nichts weiter als "ein Micky-Maus-Markt".
© 2002 Financial Times Deutschland
Geldanlage: Der Markt mit der Maus
Von Christoph Hus
Banken müssen Aktienorders bald nicht mehr an der Börse ausführen. Die interne Verrechnung bereitet Börsenaufsehern Sorgen.
Am 2. September 2002 soll der Startschuss für eine neue Handelsmöglichkeit im elektronischen Xetra-System der Deutschen Börse fallen. Mit Xetra Best Execution (kurz Xetra Best) können Banken in Zukunft die Kauf- und Verkauforders ihrer Privatkunden hausintern gegeneinander verrechnen. Die Papiere wechseln dann zwischen zwei Kunden einer Bank den Besitzer und tauchen nicht mehr im eigentlichen Börsenhandel auf. Für den Fall, dass einer Verkauforder keine Kauforder gegenüber steht, wird die Transaktion wie bisher über das Xetra-Orderbuch abgewickelt. Banken, die Kundenorders in Xetra Best ausführen wollen, müssen als "Liquidity Manager" auftreten, um sicherzustellen, dass zusätzlich Liquidität im Orderbuch angeboten wird.
In der Öffentlichkeit preist Volker Potthoff, im Börsenvorstand für Xetra verantwortlich, die Vorzüge des neuen Systems. Es ermögliche eine sofortige Ausführung der Wertpapierorders und biete den Privatanlegern Preisvorteile gegenüber dem Xetra-Handel.
Getrübte Freude
In Wahrheit dürfte Potthoffs Freude über das neue Angebot getrübt sein. Mit der Einführung von Xetra Best reagiert die Börse auf die Ankündigung von Großbanken, die Orders ihrer Privatkunden in Zukunft nicht mehr über die Handelsplattform Xetra auszuführen, sondern sie mithilfe eigener EDV-Systeme intern zu verrechnen. Die Deutsche Bank soll bereits an einem solchen System arbeiten. Der Börse ginge damit ein beträchtliches Handelsvolumen verloren.
Mit der neuen Methode der internen Verrechnung wollen die Banken ihre Gewinnmargen erhöhen. "Das Geschäft mit den Privatanlegern wäre dann weitaus lukrativer als heute", sagt Jörn Kissenkötter, Analyst bei M. M. Warburg. Hintergrund: Die Institute könnten die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs einer Aktie komplett für sich einstreichen, weil die Deutsche Börse an dem Geschäft nicht mehr beteiligt wäre.
Diese Entwicklung wollen die Börsen-manager mit der Einführung von Xetra Best verhindern. Zwar verdienen sie an den Transaktionen zukünftig nicht mehr, können aber für die Nutzung der Xetra-Best-Software von den Banken Lizenzgebühren verlangen. Analyst Kissenkötter glaubt, dass der Plan aufgeht. "Die großen Institute werden Xetra Best benutzen, weil es billiger sein wird, als ein eigenes System zu entwickeln." Die meisten Banken halten sich noch bedeckt. Lediglich ein Sprecher der HypoVereinsbank bestätigt, dass sein Haus Xetra Best von Anfang an einsetzen werde.
Schwierige Preisverhandlungen
Wie viel die Banken für die Nutzung zahlen müssen, ist noch unklar. Die Börse hat den Instituten ein Angebot gemacht, aber nach eigenen Angaben bisher noch keine Antwort erhalten. Die anstehenden Preisverhandlungen könnten Vorstand Potthoff in eine schwierige Situation bringen, denn die Großbanken sind alle Anteilseigner der Deutschen Börse.
So viel ist immerhin klar: Die Kurse für Transaktionen über Xetra Best sollen an die jeweiligen Preise im Xetra-Handel gekoppelt sein. Sowohl für Käufer als auch für Verkäufer sollen sie einen geringen Kursvorteil bieten, denkbar wäre etwa ein pauschaler Abschlag von zwei Cent auf den aktuellen Xetra-Kurs einer Aktie. Vom Einhalten dieser Regel hängt der Erfolg von Xetra Best ab. "Ohne marktnahe Kurse werden die Anleger das System nicht akzeptieren", sagt Analyst Kissenkötter.
Die hessischen Börsenaufseher betrachten Xetra Best mit Bauchschmerzen, weil in dem System kein echter Börsenpreis zu Stande komme. Mit einer Zustimmung der Behörde sei aber dennoch zu rechnen, sagt ein Sprecher. Frankfurter Wertpapierhändler formulierten ihre Kritik deutlicher: Xetra Best sei nichts weiter als "ein Micky-Maus-Markt".
© 2002 Financial Times Deutschland