Auf den Spuren des "Schuh des Manitu"


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sir charles:

Auf den Spuren des "Schuh des Manitu"

 
01.02.02 13:01
Auf den Spuren des "Schuh des Manitu"

Indianer, Can-Can-Girls und Harry Potter
„Am Anfang der Saison haben sich gar keine Trends abgezeichnet“, erzählt Ilse Blank, Verwandlungskünstlerin beim Faschingsspezialisten Ed. Witte. Mittlerweile kennt die ganze Branche den letzten Schrei: Indianer! In der verkehrten Welt zwischen Silvester und Aschermittwoch tummeln sich heuer vor allem Möchtegern-Winnetouch, Abahachi und Blutsbruder Ranger. Dazu tanzen kesse Can-Can-Girls a` la Moulin Rouge. Auch Bill Clinton mischt noch mit. Bei den Drei-Käse-Hochs verzaubert Harry Potter. Die Narren haben Freiheit – und nützen sie auch. Feuerwehrkommandant Erich gustiert. Beim Faschingsumzug in Wiesen bei Stockerau fährt sein Traktor unter dem Motto „Skifahrer, die bei Olympia zu Hause geblieben sind, und alles, was dazu gehört: Sanitäterin, Ärztin.“ Auch Skihasen sind erlaubt, die Kinder am Wagen brauchen ein warmes Kostüm. Zuerst war Bin Laden im Gespräch, „aber das ist nicht gut“ und so wird Erich – soviel steht fest – eine zweisprachige Fahne schwenken. „Es soll ja eine Hetz sein.“

Promi-Masken

Den Ski-Weltmeister Hermann Maier suchen viele vergeblich. Die Herstellung von Masken österreichischer Prominenz kommt zu teuer. Wer gänzlich unerkannt bleiben will, muss auf ausländische Stars zurückgreifen; sich zum Beispiel mit einem Plastik-Pavarotti, einem Gummi-Gottschalk oder einer Latex-Queen Elisabeth verwandeln – oder einen Bill Clinton überstülpen. Der Ex-Präsident ist nach wie vor im Rennen. Nach seinem Nachfolger George Bush wurde noch nie gefragt. „Wir haben eine Scream-Maske, die pumpt blutrote Flüssigkeit über einen Schlauch vom Ärmel ins Gesicht“, nennt Frau Christine, Verkäuferin beim Faschingsprinz, ein beliebtes Horror-Accessoire zum Aufsetzen. Der Schrecken um 29, 90 € zieht bei Jung und Alt.

Versteckspiel etwas aus der Mode geraten

Insgesamt ist das Versteckspiel aber etwas aus der Mode geraten. Nur venezianische Motive und Halbmasken am Stab sind zeitlos schön. „Die reine Maske ist in den Hintergrund getreten. Schminke, Perücke und natürlich das Kostüm“, fasst Blank die Präferenzen der selbst ernannten Narren zusammen. Die pechschwarzhaarige Sozialpädagogin weiß genau, was sie will. Mit einem fertig abgepackten „Anton“ – blonde Perücke, blonder Bart, 18,10 € – und einem üppig-weiblichen Oberkörper zum Umhängen für den Kollegen zieht sie vergnügt ab. DC-Ötzi und Antonia treten zur Mitternachtseinlage beim Heimball vor ihre jugendlichen Schützlinge. „Weil es bei uns spaßig zugeht.“ „Zum Verkleidungstrend werden immer momentane Anlässe, über die medial berichtet wird. Fernsehen und Filme sind Ideenlieferanten, aber ebenso das eigene Erlebte“, weiß Blank aus langjähriger Erfahrung.

Eindeutig

„Heuer ist das eindeutig wie nie“, ist man sich österreichweit einig. „Der Schuh des Manitu“, „Moulin Rouge“ und „Harry Potter“ ziehen auch bei den Kostümverleihern – bei Lambert Hofer in Wien wie bei Windner in Linz und Salzburg. „Western, Saloon, sexy Miedersachen, Frack und Zylinder für größere Konfektionsgrößen sowie Zauberhut und Cape“, zählt Elisabeth Windner auf. „Wir haben rasch reagiert und den Indianer, der zwar ein Klassiker ist, aber nicht mehr so stark nachgefragt war, in unserer Werkstatt adaptiert“, sagt Kollegin Elisabeth Klug-Windner.

Projekt-Lernstoff

Der neunjährige Fabian schlüpft glücklich aus dem Ritterkostüm: „Das wäre super.“ Die Lehrerin hat das Thema für das Schulgschnas – entsprechend dem Projekt-Lernstoff – vorgegeben. Die Oma hätte lieber selbst genäht. Aus Zeitmangel bezahlt sie jetzt 27,45 € für das Gewebe plus 2,91 € für das Plastikschwert. Ein Zauberlehrling weniger. „40 von 50 Kindern wollen Mantel, Hexenhut, Zauberstab, Brille und Besen“, klagt Frau Christine über die fantasielose Potter-Manie. Ungeachtet der aktuellen Trends schwärmen Kinder nach wie vor für Tiere, Buben stehen auf Seeräuber, Mädchen wollen einmal Prinzessin sein. Bei den bequemen Männern kommen Scheich, Kapitän, Sträfling und Musketier gut an. Frauen schlüpfen gern in die Hülle von Hexe oder Nonne. Auch Außerirdische und Monster sind Dauerbrenner. Ladenhüter gibt es so gut wie keine.


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