@cicero: Danke für die Ausführungen zu den Peers, das macht Sinn. Ich habe da keine spezifische Meinung zu, sondern wollte nur darauf hinweisen, dass AT&S selbst Ibiden und Shinko also besser für Kapitalmarktvergleiche ansieht als Unimicron.
Zu den Subventionen: Natürlich geht Intel (oder AT&S) immer nur dahin, wo sie am meisten Geld verdienen. Dabei spielen sowohl die Produktionskosten eine Rolle (z.B. Gehälter), als auch die Supply Chain und die Subventionen. Das stimmt aber für jede Industrie. Genauso für Biotech oder Softwareprogrammierung oder IOT.
Es ist nur halt so, dass keiner der obigen Bereiche in ähnlichem Umfang Subventionen bekommt. Das liegt auch daran, dass es politische Entscheidungen gab in früheren Jahrzehnten, das Subventions-Rennen ausgeschlossen werden. Denn am Ende bieten sich dann nur alle Staaten hoch mit ihren Subventionen und der einzige der gewinnt sind die Aktionäre der Unternehmen.
Aus diesem Grund gab es die zahlreichen GATT/WTO Handelsrunden, die Subventionswettbewerb beschränken. (Siehe z.B. die WTO Verfahren gegen Airbus-Subventionen der EU und Boeing-Subventionen der USA.) Innerhalb der EU haben sich die Staaten auf ein weitreichendes Verbot von Staatsbeihilfen geeinigt durch die EU State Aid Control.
Was wir hier mit den Chipfabriken sehen, hebelt diese Systeme aus. Du hast recht, dass auch Security of Supply in dieser Debatte eine Rolle spielt. Allerdings nicht die Hauptrolle. Chips für Automotive sind überwiegend eher simpel und werden nicht nur von Unternehmen wie TSMC oder Intel geliefert, sondern auch von viel weniger sophistizierten Anbietern wie Elmos in Dortmund oder Global Foundries in Dresden. Fabs, die Autochips herstellen, sind in Europa auch ohne solch massive Subventionen möglich.
Der Hauptgrund für die Mega-Subventionen wie US Chips Act oder die 7 Mrd. für Intel in Magdeburg ist die Angst vor einem Angriff Chinas auf Taiwan. In Taiwan werden 65% der globalen Halbleiter hergestellt, aber mehr als 90% der komplexen Chips! Wenn China das kontrollieren und beschränken würde, stünde unsere westliche Welt still.
Das ist die große Angst, die die Regierungen in Washington oder Berlin umtreibt (nicht ob BMWs mal zwei Monate längere Lieferzeit haben, weil es einen Lockdown in Asien gab). Weil die Abhängigkeit von Taiwan so extrem ist, ist auch die Bereitschaft ein Subventionsrennen zu akzeptieren so hoch. Da hängt sich jetzt natürlich Gott und die Welt mit dran, wenn möglich. Denn immerhin gibt es hier Milliarden umsonst.
Man sollte sich aber von so Aussagen wie denen von Herrn Gerstenmeyer nicht blenden lassen. Das ist primär Lobbying um Subventionen zu bekommen. Natürlich sind auch korrekte Elemente in seinen Aussagen. Aber man muss das sehen vor dem Hintergrund, dass hier jetzt auf einmal alle aufwachen mit Rufen nach Subventionen, weil es ein politisch opportuner Moment ist.
Chips waren auch vor 20 Jahren schon extrem wichtig und zukunftsweisend. Aber diese aggressive Debatte um sehr viel höhere Subventionen gibt es erst seit China als aggresive Gefahr wahrgenommen wird. Intel's Fab in Magdeburg wird einen minimalen Marktanteil weltweit haben, kostet den Steuerzahler aber bereits jetzt 7 Milliarden. (Es wird vermutlich noch mehr werden, da Intel gerade droht nicht anzufangen zu bauen, wenn nicht noch mehr gezahlt wird.)
Anhand dieser Relationen kannst Du dir ausrechnen, was das die Steuerzahler weltweit an Subventionen kosten wird. Denn ALLE Foundries, die neu gebaut werden, verlangen solche Subventionen. Finanziell lohnt sich das natürlich hinten und vorne nicht. Es ist ja nicht so, als gäbe es ohne Subventionen keine Chips. In einer Marktwirtschaft wird das hergestellt, was die Kunden wollen und zahlen.
Abschließend: ich bin gar nicht dagegen, dass Subventionen gezahlt werden, weil die China-Gefahr mittlerweile leider sehr real ist. Aber man darf sich auch nichts vormachen: das wird sehr teuer für uns alle, die Lieferketten zum Teil nach Europa zu holen und dauerhaft zu subventionieren. Denn die österreichischen Gehälter werden auch in 10 Jahren noch deutlich höher sein als die in Malaysia.