News >> Top-NewsGehen Kaufhof und Karstadt zusammen?
Metro will einen Teil der Karstadt-Häuser von Arcandor übernehmen und mit der eigenen Tochter Kaufhof zusammenlegen. 04.06.2009.
Essen/Düsseldorf/Berlin (dpa) - Zur Rettung des schwer angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor wird eine Übernahme der Karstadt-Warenhäuser durch den Konkurrenten Kaufhof immer wahrscheinlicher.
Arcandor ist bereit, mit der Kaufhof-Mutter METRO über die vorgeschlagene Zusammenlegung zu einer «Deutschen Warenhaus AG» zu sprechen. Beide Seiten hätten inzwischen ein Spitzengespräch dazu vereinbart, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Donnerstag dpa in Essen.
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht die METRO-Vorschläge als mögliche Lösung der Arcandor-Probleme. Dies sei ein «interessanter Weg», sagte Guttenberg im Deutschlandfunk.
Das Spitzengespräch soll nach dpa-Informationen in der kommenden Woche stattfinden. «Es muss ein gemeinsames Konzept erarbeitet und geprüft werden, ob die Zusammenlegung der Warenhäuser eine Option ist», sagte Koslowski.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht bei der Rettung des Arcandor-Konzerns in erster Linie die Wirtschaft in der Pflicht. «Ich glaube, dass die Eigentümer und die Gläubiger zur Lösung dieses Problems einen erheblichen Beitrag leisten müssen», sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Die Gespräche seien hier noch nicht beendet.
Medienberichten zufolge favorisiert die SPD inzwischen einen Überbrückungskredit von mehreren hundert Millionen Euro für Arcandor über die staatseigene KfW Bankengruppe, um eine Insolvenz zu vermeiden. Voraussetzung sei eine signifikante Eigenleistung der Großaktionäre Schickedanz und Sal. Oppenheim sowie Fusionsverhandlungen von Karstadt und Kaufhof.
Die «Financial Times Deutschland» nannte unter Berufung auf Regierungskreise einen Kredit von 300 Millionen Euro für möglich. Die «Rheinische Post» berichtete, SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier habe Arcandor einen staatlich abgesicherten Rettungskredit in Höhe von 450 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Voraussetzung sei, dass die Arcandor-Eigentümer 100 bis 200 Millionen Euro beisteuerten und sich auf einen verbindlichen Fahrplan zu Fusionsverhandlungen mit METRO festlegten.
Ein Sprecher Steinmeiers bezeichnete diese Darstellung als «falsch». Die Einzelheiten träfen nicht zu. Steinmeier sagte: «Wir sind jetzt gehalten, nach anderen Möglichkeiten zu suchen. Ich kann Ihnen jetzt noch nicht sagen, ob das das geeignete Mittel sein wird.»
METRO-Chef Eckard Cordes sprach am Donnerstag mit Steinmeier über die Zukunft des angeschlagenen Konkurrenten Arcandor. Wie aus Regierungskreisen verlautete, präzisierte Cordes dabei seine Pläne für einen Zusammenschluss der Karstadt-Warenhäuser mit der eigenen Kaufhof-Kette. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.
METRO-Finanzvorstand Thomas Unger sagte der Tageszeitung «Die Welt», METRO sei bereit, von den 90 Karstadt-Häusern 60 zu übernehmen. Damit gebe der Konzern «dem weit überwiegenden Teil der Karstadt-Beschäftigten eine gesicherte Zukunft».
Zusammen genommen haben Karstadt und Kaufhof mehr als 200 Filialen. METRO-internen Berechnungen zufolge werden vermutlich rund 40 Warenhäuser auf der Strecke bleiben. Neben 30 Karstadt-Häusern dürften aber auch 10 Kaufhof-Filialen wegfallen. Für einige der Häuser gibt es Interesse von anderen Handelsketten.
Arcandor hält trotz des METRO-Angebots zugleich an seiner Strategie zur Rettung der notleidenden Karstadt-Warenhäuser fest: «Wir brauchen kurzfristig eine Finanzierung und sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir die Kriterien für den Wirtschaftsfonds erfüllen», sagte Koslowski. Das Unternehmen bleibe in dem Verfahren und wolle die Entscheidung des Lenkungsausschusses des Deutschlandfonds über die beantragten Bürgschaftshilfen abwarten.
Die EU-Kommission bekräftigte allerdings, Staatshilfen für den schwer angeschlagenen Konzern würden voraussichtlich anhand der üblichen strengen EU-Beihilferegeln geprüft. Nach einer ersten Einschätzung würde Arcandor die Bedingungen für die im Zuge der Finanzkrise gelockerten Regeln nicht erfüllen, sagte eine Kommissionssprecherin. Eine Voraussetzung ist, dass ein Unternehmen erst durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten ist.
«Die Entscheidung der EU bestätigt unsere Position», sagte ein METRO-Sprecher. «Wir sind weiter bereit, eine privatwirtschaftliche Lösung zu finden.»
Arcandor hatte eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro und einen Kredit über 200 Millionen Euro beantragt. Allerdings sind die Chancen, dass Arcandor noch Mittel aus dem von der Regierung eingerichteten Deutschlandfonds erhält, nach der EU-Stellungnahme gering. Die Essener müssen nun andere Rettungswege ausloten und stellen sich selbst auf einen Überbrückungskredit durch den Bund ein. «Ein Kredit im Rahmen einer Rettungsbeihilfe ist der Alternativweg, den auch wir sehen», erklärte Arcandor-Sprecher Koslowski.