Anleihen: Alans letzter Streich (EuramS)


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Camenber:

Anleihen: Alans letzter Streich (EuramS)

 
05.02.06 17:44
Anleihen: Alans letzter Streich

Es waren vorwiegend die Aktionäre, die an Alan Greenspans Lippen hingen. Doch auch Anleihe-Investoren hat seine Politik reich gemacht.
Ein Freund kurzer und präziser Aussagen war Alan Greenspan nie. Selbst im Privatleben ließ der langjährige Chef der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve nicht von seiner Vorliebe für verklausulierte Satzmonster ab. So mußte Greenspan einen Heiratsantrag dreimal wiederholen, ehe seine heutige Ehefrau das Anliegen überhaupt verstanden haben soll. Ähnlich verwirrt zeigte sich häufig die amerikanische Öffentlichkeit, wenn der ZinsGuru sich wieder einmal kryptisch über die Finanzmärkte äußerte.

Obwohl selbst Fachleute meist über die Hintergründe seiner geldpolitischen Entscheidungen rätseln mußten, brachten ihm der Großteil der US-Bürger und Finanzexperten während seiner Amtszeit blindes Vertrauen entgegen. "Er hat den Anspruch auf den Titel des besten Zentralbankers, den es je gegeben hat", schwärmen die Princet! on-Ökonomen Alan Blinder und Ricardo Reis.

In diese Lobpreisungen stimmen Anleihe-Investoren locker mit ein . Denn seit dem Amtsantritt Greenspans im August 1987 haben US-Staatspapiere exzellent abgeschnitten. Über neun Prozent Rendite im Jahr war für die Bond-Investoren in diesem Zeitraum drin. Ein Verdienst des Zahlenfreaks, der in seiner Freizeit zur Entspannung Bücher von Albert Einstein liest. Denn trotz eines gesunden Wirtschaftswachstums in den USA stellte Greenspan die richtigen Weichen für eine niedrige Inflation und ein über die Jahre deutlich sinkendes Zinsniveau (siehe Grafik unten). Nicht immer freiwillig. Ob Asienkrise oder Irakkrieg, ob Platzen der New-Economy-Blase oder die Terroranschläge vom 11. September 2001– immer wieder sorgte der Chef der wichtigsten Notenbank der Welt mit niedrigen Zinsen und billigem Geld dafür, daß die US-Wirtschaft am Ende erfolgreich aus jedem Jammertal herauskam.

Greenspans Erbe wiegt schwer. Nun steht der neue Fed-Chef Ben Bernanke bei den Anleihe-Investoren unter Erfolgsdruck. Bernanke hat angekündigt, daß er in Zukunft die Fed-Entscheidungen verständlicher vermitteln will. Dennoch wird der 52jährige Probleme haben, an die Popularität seines kultisch verehrten Vorgängers heranzureichen. "Greenspan hat einen hervorragenden Job gemacht", lobt Michael Mewes, der Rentenchef von JP Morgan Asset Management in Frankfurt. So gut, daß der englische Finanzminister Gordon Brown den 79jährigen Greenspan als seinen Berater verpflichtet hat. An einem weiteren Vermächtnis seines Vorgängers wird Bernanke aber wohl noch viel schwerer zu knabbern haben. Zwar hat Greenspans Faible für den Einsatz niedriger Zinsen in Krisenzeiten zu einem nie dagewesenen Konsum- und Immobilienboom geführt. Auf der anderen Seite aber leiden die USA dank des billigen Geldes unter einem wachsenden Handelsbilanzdefizit und einer Verschuldung der Privathaushalte in Rekordhöhe.

Bernanke muß vorsichtig sein. So soll er die von seinem Vorgänger in Angriff genommene Abkühlung der US-Wirtschaft und die Eindämmung der Inflation hinkriegen, ohne daß die Verbraucher unter der wachsenden Schuldenlast zusammenbrechen. Immerhin ließ die Fed bei ihrer vergangenen Sitzung durchblicken, daß sie die Konjunktur für robust genug einschätzt, um weitere Zinserhöhungen zu verkraften. "In den USA könnten in den kommenden Monaten noch ein bis zwei weitere Schritte auf einen Leitzins von 5,00 Prozent drin sein", meint Thomas Pergande, Rentenfondsmanager bei der Nordinvest. Für Bond-Anleger ist dies keine gute Nachricht. Schließlich sind Zinserhöhungen Gift für die Kurse der Treasuries, wie die US-Staatsanleihen genannt werden. Europäische Staatsanleihen sind derzeit ebenfalls keine Alternative. Zwar hat die Europäische Zentralbank am Donnerstag alles beim alten belassen, doch nach Meinung der meisten Experten wird EZB-Präsident Jean-Claude Trichet im März dank der Konjunkturerholung im Euro-Raum ebenfalls an der Zinsschraube drehen. "Treasuries und europäische Staatsanleihen sind daher die kommenden Monate für Investoren nicht interessant," lautet das Urtei l von Pergande.

Schwellenländer sind attraktiv. In den Emerging Markets werden die Aktionen vor allem der Fed mit Argusaugen verfolgt. Denn Investoren zogen bei Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten häufig ihr Geld aus den Schwellenländern ab, um in lukrativere Dollar-Investments zu wechseln. Doch dank des steigenden Interesses institutioneller Investoren weltweit sind Emerging-Markets-Bonds zunehmend immun gegen solche Effekte. "Pensionskassen und Versicherungen sehen in der Anlageklasse nicht mehr nur kurzfristige Chancen", sagt Jean-Dominique Bütikofer, Schwellenländer-Experte der Schweizer Bank Union Bancaire Privée (UBP). "Durch das langfristige Engagement der institutionellen Anleger erfahren die Bond-Kurse eine solide Unterstützung, selbst wenn Bernanke die Zinszügel weiter als erwartet anzieht." Das Vertrauen in Länder wie Brasilien oder Südafrika hat sich vor allem dank des Wirtschaftsaufschwungs und der marktwirtschaftlichen Reformen verbessert. "Die Regieru! ngen bekämpfen die Inflation, bauen Haushaltsdefizite ab und steigern dank des Rohstoff-Booms ihre Devisenreserven", erklärt Bütikofer. "Das eröffnet Spielräume für weitere Zinssenkungen." Standard & Poor’s (S&P) dagegen warnt vor allzu großer Euphorie bei den Anleihen aus Schwellenländern, die 2005 um beachtliche elf Prozent zulegten. Die Ratingagentur kritisiert, daß die Papiere nach der Rally der vergangenen Jahre nun eine zu geringe Risikoprämie aufweisen.

S&P warnt vor Investments in hochverzinste Unternehmensanleihen. Nachdem sich die Kreditwürdigkeit der Unternehmen in den vergangenen Jahren stetig verbessert habe, drohe nun ein Trendwechsel. Rentenexperte Pergande bläst ins gleiche Horn. "Die Firmen berücksichtigen immer stärker die Interessen der Aktionäre." So treiben kostspielige Übernahmen zwar den Aktienkurs, das Rating und der Anleihekurs kommen dadurch aber mächtig unter Druck. Solange der Zinserhöhungszyklus in den USA und Europa aber noch nicht abgeschlo! ssen ist, setzt Pergande vor allem auf Wandelanleihen, eine Mischung a us Aktie und Anleihe. "Mit Wandlern profitiert man vom Aufschwung am Aktienmarkt, genießt aber gleichzeitig die höhere Sicherheit von Anleihen." Ob auch Zins-Guru Greenspan ein Fan von Wandelanleihen ist, bleibt ungewiß. Oder man hat ihn einfach mal wieder nicht verstanden.  
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