Nachfrage von privater Seite steigt stark an
Anleger investieren in den Superzyklus
Lange Zeit waren Geldanlagen, die sich auf Rohstoffe beziehen, nur den großen institutionellen Investoren vorbehalten. Inzwischen haben sie aber auch bei privaten Anlegern einen wahren Siegeszug angetreten und werden immer beliebter.
Der Grund für diese Entwicklung ist leicht auszumachen: „Rohstoffe sind stärker ins Bewusstsein der Anleger gerückt, seit jeder Haushalt spüren kann, wie die Preise steigen – zum Beispiel bei Heizöl oder Benzin“, sagt Dirk Heß, Executive Director der Derivateabteilung von Goldman Sachs in Frankfurt. Die Nachfrage nach Kapitalanlagen in Rohstoffe ist in den vergangenen drei Jahren massiv gewachsen. Statt immer nur höhere Rechnungen für Energie zu bezahlen, wollen die Anleger über Derivate wie Zertifikate, Optionen oder Terminkontrakte von den Preissteigerungen am Rohstoffmarkt profitieren. „Dementsprechend haben die Banken auf der Angebotsseite mit der Emission neuer Finanzprodukte reagiert“, sagt Heß.
An der Euwax in Stuttgart werden derzeit 407 Rohstoffderivate exklusive Optionsscheine gehandelt. Vor einem Jahr bestand das Angebot lediglich aus 176 Produkten, wie ein Sprecher der Börse Stuttgart mitteilt. Allein das Volumen, das auf den Rohstoffindex GSCI, den wohl bedeutendsten unter den Benchmarks, investiert ist, hat sich seit Ende 2003 nach Expertenschätzungen knapp verdreifacht: „Waren es Ende 2003 schätzungsweise 13 Mrd. Dollar, ist nach unseren Recherchen nunmehr Kapital im Wert zwischen 35 und 40 Mrd. Dollar in Produkten auf den GSCI investiert“, sagt Heß.
Als Depotbeimischung sind Rohstoffanlagen deshalb so interessant, weil sie zu den klassischen Investments – Aktien und Rentenpapiere – negativ korreliert und sorgen deshalb für eine gute Risikostreuung. „Das gilt allerdings nur für Investitionen, die sich unmittelbar auf die Preisentwicklung der Rohstoffe beziehen. Wer Aktien von Rohstoffunternehmen kauft oder in Derivate ohne Währungssicherung investiert, hat wieder ein Management- beziehungswese ein zusätzliches Wechselkursrisiko in seiner Geldanlage“, warnt Stefan Keitel, Chefstratege der Credit Suisse Deutschland in Frankfurt. Private Investoren sollten zur Diversifikation ihres Portfolios zwischen fünf und zehn Prozent ihres Depotwertes in Rohstoffzertifikate investieren, so Keitel.
Auf welche Rohstoffe man dabei setzen sollte, darüber sind sich die Experten weitestgehend einig: Am besten auf Zertifikate, die den gesamten Rohstoffmarkt abbilden – also auf Zertifikate mit dem Underlying eines Rohstoffindizes. Der Vorteil: Das Investment ist breit diversifiziert und die Investoren brauchen sich nicht um die Entwicklung einzelner Segmente oder gar einzelner Rohstoffe zu kümmern. „Außerdem ist der Handel mit Produkten auf die großen Indizes sehr liquide“, ergänzt der Rohstoffexperte Stefan Keitel.
Neben dem Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) zählen der Dow Jones AIG, der CRB sowie seit kurzem der Jim Rogers International (RICI) zu den bekanntesten Rohstoffindizes. Alle vier unterscheiden sich in Zusammensetzung, Berechnung und Gewichtung der einzelnen Rohstoffsegmente. Allen gemeinsam ist: Sie verzeichnen seit Jahren gigantische Zuwächse: Der GSCI hat bezogen auf das Jahr 1983 um 900 Prozent zugelegt.
Und wie lässt sich in den Super-Zyklus investieren? Für risikobewusste Investoren könnten Zertifikate interessant sein, die sich auf den Agrarbereich konzentrieren, so Heß. Das sieht Derivateexperte Peter Bösenberg von der Société Générale ebenso. Allerdings warnt er, auf einzelne Agrarprodukte wie Kakao oder Orangensaft zu setzen. „Zertifikate auf Subindizes sind wesentlich weniger riskant“, sagt Bösenberg.
Und zu welchen Produkten raten die Experten? „Ganz normale Indexzertifikate auf eine breit gestreuten Rohstoffindex“, empfiehlt Keitel von der Credit Suisse all jenen Kunden, die einen langfristigen Anlagehorizont haben. Heß von Goldman Sachs antwortet etwas differenzierter: „Investoren, die an langfristig steigende Rohstoffpreise glauben, kurzfristig aber auch mit Seitwärtsbewegungen rechnen und einen gewissen Risikopuffer wünschen, sollten sich über Bonuszertifikate informieren.“ Investoren, die sich ein genaues Kursziel – entweder für einen Index oder auch für einzelne Rohstoffpreise – gebildet haben, könnten aktuell mit Discountzertifikaten attraktive Abschläge realisieren. Und Bösenberg von der Société Générale rät Anlegern mit speziellem Interesse am Agrarsegment zu Airbag-Zertifikaten – zum Beispiel auf den GSCI Agriculture: „Airbag-Zertifikate bieten einen Puffer bei Kursrückgängen. Das ist vorteilhaft für den Fall, dass der Subindex nicht gleich nach oben anzieht.“ Außerdem sollte jeder bei Investitionen in Rohstoffe über eine Währungsabsicherung nachdenken und sich genau erkundigen, was diese kostet. „Da gibt es zwischen den einzelnen Emittenten sehr große Unterschiede“, sagt Bösenberg.
Quelle: HANDELSBLATT, Freitag, 16. September 2005, 08:05 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Anleger investieren in den Superzyklus
Lange Zeit waren Geldanlagen, die sich auf Rohstoffe beziehen, nur den großen institutionellen Investoren vorbehalten. Inzwischen haben sie aber auch bei privaten Anlegern einen wahren Siegeszug angetreten und werden immer beliebter.
Der Grund für diese Entwicklung ist leicht auszumachen: „Rohstoffe sind stärker ins Bewusstsein der Anleger gerückt, seit jeder Haushalt spüren kann, wie die Preise steigen – zum Beispiel bei Heizöl oder Benzin“, sagt Dirk Heß, Executive Director der Derivateabteilung von Goldman Sachs in Frankfurt. Die Nachfrage nach Kapitalanlagen in Rohstoffe ist in den vergangenen drei Jahren massiv gewachsen. Statt immer nur höhere Rechnungen für Energie zu bezahlen, wollen die Anleger über Derivate wie Zertifikate, Optionen oder Terminkontrakte von den Preissteigerungen am Rohstoffmarkt profitieren. „Dementsprechend haben die Banken auf der Angebotsseite mit der Emission neuer Finanzprodukte reagiert“, sagt Heß.
An der Euwax in Stuttgart werden derzeit 407 Rohstoffderivate exklusive Optionsscheine gehandelt. Vor einem Jahr bestand das Angebot lediglich aus 176 Produkten, wie ein Sprecher der Börse Stuttgart mitteilt. Allein das Volumen, das auf den Rohstoffindex GSCI, den wohl bedeutendsten unter den Benchmarks, investiert ist, hat sich seit Ende 2003 nach Expertenschätzungen knapp verdreifacht: „Waren es Ende 2003 schätzungsweise 13 Mrd. Dollar, ist nach unseren Recherchen nunmehr Kapital im Wert zwischen 35 und 40 Mrd. Dollar in Produkten auf den GSCI investiert“, sagt Heß.
Als Depotbeimischung sind Rohstoffanlagen deshalb so interessant, weil sie zu den klassischen Investments – Aktien und Rentenpapiere – negativ korreliert und sorgen deshalb für eine gute Risikostreuung. „Das gilt allerdings nur für Investitionen, die sich unmittelbar auf die Preisentwicklung der Rohstoffe beziehen. Wer Aktien von Rohstoffunternehmen kauft oder in Derivate ohne Währungssicherung investiert, hat wieder ein Management- beziehungswese ein zusätzliches Wechselkursrisiko in seiner Geldanlage“, warnt Stefan Keitel, Chefstratege der Credit Suisse Deutschland in Frankfurt. Private Investoren sollten zur Diversifikation ihres Portfolios zwischen fünf und zehn Prozent ihres Depotwertes in Rohstoffzertifikate investieren, so Keitel.
Auf welche Rohstoffe man dabei setzen sollte, darüber sind sich die Experten weitestgehend einig: Am besten auf Zertifikate, die den gesamten Rohstoffmarkt abbilden – also auf Zertifikate mit dem Underlying eines Rohstoffindizes. Der Vorteil: Das Investment ist breit diversifiziert und die Investoren brauchen sich nicht um die Entwicklung einzelner Segmente oder gar einzelner Rohstoffe zu kümmern. „Außerdem ist der Handel mit Produkten auf die großen Indizes sehr liquide“, ergänzt der Rohstoffexperte Stefan Keitel.
Neben dem Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) zählen der Dow Jones AIG, der CRB sowie seit kurzem der Jim Rogers International (RICI) zu den bekanntesten Rohstoffindizes. Alle vier unterscheiden sich in Zusammensetzung, Berechnung und Gewichtung der einzelnen Rohstoffsegmente. Allen gemeinsam ist: Sie verzeichnen seit Jahren gigantische Zuwächse: Der GSCI hat bezogen auf das Jahr 1983 um 900 Prozent zugelegt.
Und wie lässt sich in den Super-Zyklus investieren? Für risikobewusste Investoren könnten Zertifikate interessant sein, die sich auf den Agrarbereich konzentrieren, so Heß. Das sieht Derivateexperte Peter Bösenberg von der Société Générale ebenso. Allerdings warnt er, auf einzelne Agrarprodukte wie Kakao oder Orangensaft zu setzen. „Zertifikate auf Subindizes sind wesentlich weniger riskant“, sagt Bösenberg.
Und zu welchen Produkten raten die Experten? „Ganz normale Indexzertifikate auf eine breit gestreuten Rohstoffindex“, empfiehlt Keitel von der Credit Suisse all jenen Kunden, die einen langfristigen Anlagehorizont haben. Heß von Goldman Sachs antwortet etwas differenzierter: „Investoren, die an langfristig steigende Rohstoffpreise glauben, kurzfristig aber auch mit Seitwärtsbewegungen rechnen und einen gewissen Risikopuffer wünschen, sollten sich über Bonuszertifikate informieren.“ Investoren, die sich ein genaues Kursziel – entweder für einen Index oder auch für einzelne Rohstoffpreise – gebildet haben, könnten aktuell mit Discountzertifikaten attraktive Abschläge realisieren. Und Bösenberg von der Société Générale rät Anlegern mit speziellem Interesse am Agrarsegment zu Airbag-Zertifikaten – zum Beispiel auf den GSCI Agriculture: „Airbag-Zertifikate bieten einen Puffer bei Kursrückgängen. Das ist vorteilhaft für den Fall, dass der Subindex nicht gleich nach oben anzieht.“ Außerdem sollte jeder bei Investitionen in Rohstoffe über eine Währungsabsicherung nachdenken und sich genau erkundigen, was diese kostet. „Da gibt es zwischen den einzelnen Emittenten sehr große Unterschiede“, sagt Bösenberg.
Quelle: HANDELSBLATT, Freitag, 16. September 2005, 08:05 Uhr
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