Was ist das Problem bei Autokrediten?
Automobilkredite sind momentan von großer Bedeutung: Sie sind ein wesentliches Element der Krise der amerikanischen Automobilindustrie. Denn: Sie dienen als Instrument der Absatzförderung. Können sie auf dem Markt nicht platziert werden, sinken die finanziellen Spielräume der amerikanischen Autobanken - und damit auch die Verkaufschancen von General Motors (GM), Ford und Chrysler.
Die gesamte amerikanische Autoindustrie ist in der Krise. Die Absatzzahlen sind im freien Fall. Im dritten Quartal musste GM einen Verlust von 2,5 Mrd. $ ausweisen. Alarmierend ist der Bestand an Bargeld. Ende September hielt das Unternehmen aus Detroit nur noch 16,2 Mrd. $ an flüssigen Mitteln, im Juni waren es noch 21 Mrd. $ gewesen. "Der Bargeldbestand befindet sich auf dem minimalen Niveau, um den laufenden Betrieb aufrecht erhalten zu können", teilte das Unternehmen vergangene Woche mit.
Ausfallquoten legen zu
Auch die Finanztöchter der Automobilkonzerne erwischt der Absturz der Weltwirtschaft schwer: Nicht nur bricht ihnen wegen der sinkenden Absatzzahlen das Neugeschäft weg, sie können sich zudem auf den Kapitalmärkten nicht refinanzieren. Ein dritter Faktor sind steigende Ausfallraten bei Autokrediten.
Nach Angaben der Ratingagentur Moody's wuchs die Ausfallquote bei verbrieften Autokrediten bis Ende Juni um 87 Prozent auf 1,24 Prozent. "Wir gehen davon aus, dass sich der Trend in der zweiten Jahreshäfte verschärfen wird", heißt es in einem Bericht der Ratinagentur. Bereits in den ersten sechs Monaten stuften die Bonitätshüter 150 Auto-ABS-Transaktionen herab.
GMAC verschärft Kreditvergabe
Das Beispiel GMAC beweist, wie dringlich die Situation ist. Der Finanzierungsspezialist, der GM und der Beteiligungsgesellschaft Cerberus gehört, leidet besonders unter Abschreibungen seiner Immobilientochter Rescap und der Refinanziernugsschwierigkeiten. Schon jetzt nutzt das Unternehmen stark die CP-Fazilität der US-Notenbank Fed und trägt sich mit dem Gedanken, sich in eine Bankholding umzuwanden. Das würde auch Zugang zum Rettungsfonds und dem Diskontfenster der Notenbank sichern.
Auch im operativen Geschäft wird gegengesteuert. So vergibt GMAC keine Kredite mehr an Subprime-Gläubiger. Das Schicksal von GM und GMAC sei eng verflochten, meint Richard Hoffmann, Analyst bei Creditsights: "GM und GMAC hängen voneinander ab."
Um eine Abwärtsspirale zu verhindern, gibt es für die US-Regierung nun mehrere Optionen. Einmal könnten die Autohersteller direkt Kredit aus dem Rettungspaket erhalten. Zum anderen könnte die Fed zukünftig auch Autokredite aufkaufen, was die Refinanzierungsstärke von Unternehmen wie GMAC erhöhen würde. Paulson scheint die zweite Variante zu bevorzugen.