Viertes Todesflugzeug
Attackierten Passagiere die Terrorpiloten?
Washington - Vermutlich haben Passagiere an Bord der bei
Pittsburgh abgestürzten United-Maschine durch ihr Eingreifen eine
noch schrecklichere Tragödie verhindert. Das geht aus Anrufen
hervor, die zwei Fluggäste per Handy kurz vor ihrem Tod führten.
Einer von ihnen war nach Medienberichten vom Mittwoch Jeremy
Glick. Er telefonierte mit seiner Frau, erzählte ihr von der
Entführung und sagte, er und einige andere Passagiere hätten
einen Plan zur Überwältigung der drei Entführer an Bord.
"Sie waren entschlossen, die Terroristen zu stoppen", berichtete
Glicks Schwager Douglas Hurwitt über das Telefonat. "Er (Glick)
und die anderen wussten, dass die Aktion ihren sicheren Tod
bedeuten würde. Aber sie taten es offenbar trotzdem." Wie Hurwitt
schilderte, verabschiedete sich Glick per Telefon von seiner Frau,
wünschte ihr ein gutes Leben und bat, ihre gemeinsame drei alte
Monate Tochter zu umsorgen.
Ein anderer Passagier, Thomas Burnett aus Kalifornien, berichtete
in einem Telefonat mit seiner Frau ebenfalls von einem Plan, die mit
Messern bewaffneten Entführer zu überwältigen. Nach einem
Bericht des "San Francisco Chronicle" sagte Burnett, er wisse,
"dass wir alle sterben werden. Da sind drei von uns, die etwas tun
wollen. Ich liebe dich, Liebling".
Unterdessen veröffentlichte CNN Passagen aus Tonaufnahme aus
dem Cockpit von Flug 93 der United Airlines. In dem Flugzeug war
das Mikrofon eingeschaltet. Fluglotsen konnten die Stimmen im
Cockpit mithören:
"Raus hier!", sagte eine Stimme in gebrochenem Englisch und mit
arabischem Akzent. Dann war auf dem Band zu hören: "Es ist eine
Bombe an Bord. Hier spricht der Kapitän. Bleiben Sie in ihren Sitzen.
Es ist eine Bombe an Bord. Bleiben Sie ruhig. Wir werden auf ihre
Forderungen eingehen. Wir kehren zum Flughafen zurück."
Die Aufnahme brach daraufhin ab. Um 10.29 Uhr stürzte die Boeing
80 Kilometer südlich von Pittsburgh ab.
Die Maschine war die einzige der vier entführten Flugzeuge, die
nicht gezielt in ein Gebäude gesteuert wurde, sondern auf freiem
Feld zerschellte - ohne weitere Opfer am Boden. Es wird vermutet,
dass das Ziel der Entführer der Präsidenten-Landsitz Camp David
war.
Luftverteidigung kam zu spät
Das nordamerikanische Luftverteidigungskommando Norad hatte
zumindest eines der vier am Dienstag von Terroristen entführten
Flugzeuge im Visier. Wie ein Sprecher am Dienstagabend mitteilte,
kamen die alarmierten Abfangjäger aber zu spät. Noch während der
Alarmstarts der Jäger raste die Passagiermaschine in einen der
Türme des World Trade Center und löste dort eine gewaltige
Explosion und einen verheerenden Brand aus.
"Wir sind darauf vorbereitet, Flugzeuge abzufangen, die eine
Bedrohung für die Bevölkerung darstellen", sagte Norad-Sprecher
Oberst Mike Perini. "Es ist nicht undenkbar, dass ein solches
Flugzeug auch abgeschossen wird." Allerdings sei keines der vier
am Dienstag von Selbstmordattentätern gekaperten Flugzeuge
abgeschossen worden. Dies schließt auch die Maschine ein, die mit
45 Personen an Bord in Pennsylvania auf freies Feld stürzte.