Hallo,
nachdem die "Berichterstattung" über (Achtung, es folgt meine Lieblings-phrase) "die schrecklichen Geschehnisse" am 11.09.01 hier doch ziemlich einseitig verläuft, möchte ich hier mal Auszüge aus 2 Flugblättern, die ich heute an der Uni aufgelesen habe reinstellen.
__________________________________________________
Flugblatt 1:
Die kapitalistische Welt ist aus den Fugen. Mit den Anschlägen auf das WTC und das Pentagon ist sie von einem Moment auf den anderen in den globalen Ausnahmezustand gestürzt worden. Während die Herrschenden durchweg von einem Anschlag auf die "zivilisierte Welt" und "unsere Demokratie" sprechen, zeigen sich in den Vorbereitungen des Gegenschlages überdeutlich die rassistischen und patriarchalen Grundpfeilder dieser "Zivilisation".
Was übrig bleibt, ist die zerstörte Illusion des Wohlstandes und "Reichtums auf Ewigkeit". Der Rassismus mit dem die westliche Welt ihren Wohlstand auf Kosten der sogenannten dritten Welt organisiert, ist am 11.09. auf sich selbst zurückgeschlagen. Es hat in Form eines anti-amerikanischen Massenmordes die Phallussymbole kapitalistischer Macht zum Einsturz gebracht(...)die sogenannte "Zivilisation" ist kollabiert. Die bunte Fassade ist abgewaschen und darunter erschienen die wahren Ordnungsmechanismen unserer Gesellschaft: Terror und Gewalt.
(...)
Die Losung ist eindeutig: Wenn US-Präsident Bush erklärt, man werde diejenigen, die Terroristen Unterschlupf gewähren genauso behandeln, wie eben jene Terroristen selbst, kann das nicht anders verstanden werden als: wer sich nicht unterordnet, ist gegen uns und bald tot!(...)Betroffenheit und Trauer werden medial verwandelt in einer neue Form eines übernationalen Natio-nalismus : "Heute sind wir alle Amerikaner!"(...)Kein Mensch hier käme auf die Idee, im Falle einer Bombardierung der Bevölkerung Afghanistans zu sagen:"Heute sind wir alle Afghanen!". Kein Mensch hier war Jugoslawe als Jugoslawien bombardiert wurde, kein Mensch Palästinenser, wenn Israel im Gaza-Streifen vorrückt, oder Israeli, wenn eine Disco oder ein Bus in Israel in die Luft fliegt. Es ist auch kein Mensch hier Afrikaner, sondern höchstens froh keiner zu sein, wenn dort die Menschen verhungern, damit wir billige Nahrungsmittel in uns reinschlagen können.
(...)
Die innere Militarisierung unserer Gesellschaft kennt in Hinblick auf die derzeitige und die anstehenden Krisen kaum noch Grenzen.(...)Die Erkenntnis, dass die bisherigen Überwachungsmechanismen Anschläge, wie den vom 11.09. nicht verhindern können, wird zu einem weiteren Ausbau der Kontrolltechniken führen, die die notwendigen Grundlagen zur Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit (Privatsphäre, Gedankenfreiheit, Möglichkeiten der unabhängigen Meinungsbildung und -äußerung) weiter beschränken werden.
(...)
Deutsche Politiker, angeführt unter anderem von Bundesinnenminister Otto Schily, überlegen an der Bildung paramilitärischer Polizeiverbänden aus Polizei- und Bundeswehrkräften, ener Art Nationalgarde zur Aufstands-bekämpfung, wie wir sie aus den Diktaturen Lateinamerikas kennen.
(...)
Der 11. September hat gezeigt, dass sich die rassistische Ordnung der Welt, die eine beispielsweise die USA veranlasste, das Regime der Taliban in Afghanistan gegen die Ausweitung der Sowjetunion aufzubauen und jetzt gegen sich selbst gerichtet sieht, ohne offene militärische Auseinandersetzungen nicht mehr durchsetzen lässt.
(...)
__________________________________________________
Flugblatt 2:
(...)
Während auf der einen Seite unablässig der Begriff der "zivilisierten Welt" bemüht wird, sprechen die gleichzeitig angekündigten "Vergeltungsschläge" diesem Anspruch Hohn. Offensichtlich geht es nicht um sinnvolle und verhältnismäßige Maßnahmen gegen diesen Terrorismus, sondern um Rache und die Demonstration militärischer Überlegenheit.
(...)
Selbst wenn an einem ersten Kampfeinsatz Bundeswehrtruppen noch nicht unmittelbar teilnehmen sollten, wird von der rot-grünen Bundesregierung die Mitlitarisierung der deutschen Politik massiv vorangetrieben. Die ständige Bezugnahme auf "die amerikanische Hilfe für Deutschland" durch Marshall-Plan, Berliner Luftbrücke und Care-Pakete dienen einem doppelten Zweck: Erstens soll mit diesem moralischen Argument eine öffentliche Debatte über den Sinn der deutschen Beteiligung am geplanten Krieg vermieden werden. Zweitens wird durch die Zurückzahlung dieser "Schuld" die Nachkriegszeit ein weiteres Mal symbolisch beendet und damit der Anspruch bekräftigt, eine eigenständige Großmacht zu werden.
Als Trittbrettfahrer nutzen Politiker wie Otto Schliy (SPD) und Günther Beckstein (CSU) die Tragödie in den USA zur ideologischen Mobilisierung gegen EinwanderInnnen und demokratische Grundrechte. Weder der Fingerabdruck im Paß, ein verschärftes Ausländerrecht noch der Einsatz der Bundeswehr im Inneren können ähnliche Anschläge wie in den Vereinigten Staaten verhindern. Durch diese populistischen Vorschläge werden pauschale Verdächtigungen und rassistische Stimmungen geschürt - momentan vor allem gegen AnhängerInnen des Islam. Dabei wird bewusst vernachlässigt, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime diese Terrorakte genauso verurteilt, wie bspw. die Angehörigen der christlichen Religion.
Die bislang einzigen öffentlichen Sympathiekundgebungen für diese abscheulichen Verbrechen hierzulande kommen nicht von muslimischen EinwanderInnen, sondern von deutschen Faschisten. So schreibt beispielsweise die NPD in Schleswig-Holstein: Jetzt sei "Schluss mit der amerikanischen Selbstherrlichkeit und dem One-World-Imperialismus". Die US-Bevölkerung lerne nun auch "Leid und Not eines Krieges" kennen, wie Deutschland "durch den anglo-amerikanischen Luft- und Bombenkrieg".
(...)
__________________________________________________
Meinungen dazu ?
Grüsse,
Tyler Durdan
nachdem die "Berichterstattung" über (Achtung, es folgt meine Lieblings-phrase) "die schrecklichen Geschehnisse" am 11.09.01 hier doch ziemlich einseitig verläuft, möchte ich hier mal Auszüge aus 2 Flugblättern, die ich heute an der Uni aufgelesen habe reinstellen.
__________________________________________________
Flugblatt 1:
Die kapitalistische Welt ist aus den Fugen. Mit den Anschlägen auf das WTC und das Pentagon ist sie von einem Moment auf den anderen in den globalen Ausnahmezustand gestürzt worden. Während die Herrschenden durchweg von einem Anschlag auf die "zivilisierte Welt" und "unsere Demokratie" sprechen, zeigen sich in den Vorbereitungen des Gegenschlages überdeutlich die rassistischen und patriarchalen Grundpfeilder dieser "Zivilisation".
Was übrig bleibt, ist die zerstörte Illusion des Wohlstandes und "Reichtums auf Ewigkeit". Der Rassismus mit dem die westliche Welt ihren Wohlstand auf Kosten der sogenannten dritten Welt organisiert, ist am 11.09. auf sich selbst zurückgeschlagen. Es hat in Form eines anti-amerikanischen Massenmordes die Phallussymbole kapitalistischer Macht zum Einsturz gebracht(...)die sogenannte "Zivilisation" ist kollabiert. Die bunte Fassade ist abgewaschen und darunter erschienen die wahren Ordnungsmechanismen unserer Gesellschaft: Terror und Gewalt.
(...)
Die Losung ist eindeutig: Wenn US-Präsident Bush erklärt, man werde diejenigen, die Terroristen Unterschlupf gewähren genauso behandeln, wie eben jene Terroristen selbst, kann das nicht anders verstanden werden als: wer sich nicht unterordnet, ist gegen uns und bald tot!(...)Betroffenheit und Trauer werden medial verwandelt in einer neue Form eines übernationalen Natio-nalismus : "Heute sind wir alle Amerikaner!"(...)Kein Mensch hier käme auf die Idee, im Falle einer Bombardierung der Bevölkerung Afghanistans zu sagen:"Heute sind wir alle Afghanen!". Kein Mensch hier war Jugoslawe als Jugoslawien bombardiert wurde, kein Mensch Palästinenser, wenn Israel im Gaza-Streifen vorrückt, oder Israeli, wenn eine Disco oder ein Bus in Israel in die Luft fliegt. Es ist auch kein Mensch hier Afrikaner, sondern höchstens froh keiner zu sein, wenn dort die Menschen verhungern, damit wir billige Nahrungsmittel in uns reinschlagen können.
(...)
Die innere Militarisierung unserer Gesellschaft kennt in Hinblick auf die derzeitige und die anstehenden Krisen kaum noch Grenzen.(...)Die Erkenntnis, dass die bisherigen Überwachungsmechanismen Anschläge, wie den vom 11.09. nicht verhindern können, wird zu einem weiteren Ausbau der Kontrolltechniken führen, die die notwendigen Grundlagen zur Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit (Privatsphäre, Gedankenfreiheit, Möglichkeiten der unabhängigen Meinungsbildung und -äußerung) weiter beschränken werden.
(...)
Deutsche Politiker, angeführt unter anderem von Bundesinnenminister Otto Schily, überlegen an der Bildung paramilitärischer Polizeiverbänden aus Polizei- und Bundeswehrkräften, ener Art Nationalgarde zur Aufstands-bekämpfung, wie wir sie aus den Diktaturen Lateinamerikas kennen.
(...)
Der 11. September hat gezeigt, dass sich die rassistische Ordnung der Welt, die eine beispielsweise die USA veranlasste, das Regime der Taliban in Afghanistan gegen die Ausweitung der Sowjetunion aufzubauen und jetzt gegen sich selbst gerichtet sieht, ohne offene militärische Auseinandersetzungen nicht mehr durchsetzen lässt.
(...)
__________________________________________________
Flugblatt 2:
(...)
Während auf der einen Seite unablässig der Begriff der "zivilisierten Welt" bemüht wird, sprechen die gleichzeitig angekündigten "Vergeltungsschläge" diesem Anspruch Hohn. Offensichtlich geht es nicht um sinnvolle und verhältnismäßige Maßnahmen gegen diesen Terrorismus, sondern um Rache und die Demonstration militärischer Überlegenheit.
(...)
Selbst wenn an einem ersten Kampfeinsatz Bundeswehrtruppen noch nicht unmittelbar teilnehmen sollten, wird von der rot-grünen Bundesregierung die Mitlitarisierung der deutschen Politik massiv vorangetrieben. Die ständige Bezugnahme auf "die amerikanische Hilfe für Deutschland" durch Marshall-Plan, Berliner Luftbrücke und Care-Pakete dienen einem doppelten Zweck: Erstens soll mit diesem moralischen Argument eine öffentliche Debatte über den Sinn der deutschen Beteiligung am geplanten Krieg vermieden werden. Zweitens wird durch die Zurückzahlung dieser "Schuld" die Nachkriegszeit ein weiteres Mal symbolisch beendet und damit der Anspruch bekräftigt, eine eigenständige Großmacht zu werden.
Als Trittbrettfahrer nutzen Politiker wie Otto Schliy (SPD) und Günther Beckstein (CSU) die Tragödie in den USA zur ideologischen Mobilisierung gegen EinwanderInnnen und demokratische Grundrechte. Weder der Fingerabdruck im Paß, ein verschärftes Ausländerrecht noch der Einsatz der Bundeswehr im Inneren können ähnliche Anschläge wie in den Vereinigten Staaten verhindern. Durch diese populistischen Vorschläge werden pauschale Verdächtigungen und rassistische Stimmungen geschürt - momentan vor allem gegen AnhängerInnen des Islam. Dabei wird bewusst vernachlässigt, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime diese Terrorakte genauso verurteilt, wie bspw. die Angehörigen der christlichen Religion.
Die bislang einzigen öffentlichen Sympathiekundgebungen für diese abscheulichen Verbrechen hierzulande kommen nicht von muslimischen EinwanderInnen, sondern von deutschen Faschisten. So schreibt beispielsweise die NPD in Schleswig-Holstein: Jetzt sei "Schluss mit der amerikanischen Selbstherrlichkeit und dem One-World-Imperialismus". Die US-Bevölkerung lerne nun auch "Leid und Not eines Krieges" kennen, wie Deutschland "durch den anglo-amerikanischen Luft- und Bombenkrieg".
(...)
__________________________________________________
Meinungen dazu ?
Grüsse,
Tyler Durdan