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Merrill-Lynch-Umfrage: Hallo Europa, auf Wiedersehen USA (EurAmS)
Fondsmanager setzen weiter auf Aktien - trotz der anhaltenden Baisse. Doch sie ziehen Gelder aus den USA ab und investieren verstärkt in Euroland und in den Emerging Markets
von Jörg Billina
Von Besserung keine Spur - Wall Street und Nasdaq werden sich so schnell nicht erholen. Weltweit halten Fondsmanager die Anteilscheine amerikanischer Unternehmen immer noch für zu teuer. Diese pessimistische Ansicht ist das Ergebnis einer vor kurzem bei 279 institutionellen Investoren durchgeführten Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch. Trotz der Baisse setzen die Börsenprofis - sie verwalten insgesamt 632 Milliarden Dollar - aber weiterhin auf Aktien und nicht verstärkt auf Anleihen. "Die Aussichten für die US-Ökonomie sind trübe, aber die Fondsmanager schütten das Kind nicht mit dem Bade aus", sagt David Bowers, Chefstratege Investment bei Merrill Lynch. Fast zwei Drittel der Fondsmanager schätzen, dass innerhalb eines Jahres das Aktienkursniveau höher sein wird als heute. 34 Prozent glauben sogar, dass Dividendenpapiere bis 2003 beim Gewinn pro Aktie zweistellig zulegen. Als weitgehend beendet erachten sie dagegen den Boom bei Anleihen.
Was die Regionen angeht, sehen die Experten zunehmend Chancen in Euroland und vor allem auch in den Emerging Markets. Daher erwägen sie, ihre Portfolios entsprechend umzuschichten, so Merrill Lynch. Die Chancen in den Schwellenländern verdeutlicht Kate Munday, Leiterin des Global-Markets-Equity-Teams bei Baring Asset Management: "Die Bewertungen der Schwellenländer sind derzeit 21 Prozent unter ihrem historischen Durchschnitt und 38 Prozent unter den Bewertungen der entwickelten Länder." Weitere Pluspunkte: Reformen in der Politik und bei den Unternehmen dieser Länder sorgen für ein besseres wirtschaftliches Umfeld, größere Transparenz in der Rechnungslegung und ein aktionärsfreundliches Management. Schon im Februar wurde der Activest Top Welt umgebaut. Fondsmanager Thomas Radinger opferte einen Teil seines US-Engagements zu Gunsten Europas und Asiens. Der Anlass: Enron und ein sich abzeichnender schwacher Dollar. Das Ergebnis: Die Übergewichtung Asiens hat sich gelohnt. Auch die weiteren Aussichten beurteilt der Experte positiv. Doch in Bezug auf Europa ist Radinger weniger optimistisch wie die Mehrzahl seiner Fondskollegen. "Obwohl es in Europa keine Fälle von Bilanzmanipulationen gab, verloren die europäischen Aktienindizes bisweilen mehr als die amerikanischen." Auch bei einer möglichen globalen Konjunkturerholung würden die europäischen Börsenindizes sich nicht von den USA abkoppeln.
Völlig unbeeindruckt von den Einschätzungen der von Merrill Lynch befragten Fondsmanager zeigt sich Frank Lingohr. Der Manager des Lingohr Systematic BB Fund of Funds hält sich mit Wirtschaftsprognosen nicht lange auf. "In meinen Fonds sind alle Länder gleich gewichtet. Es kommt auf die einzelne Aktie an, Stock-Picking bleibt der Schlüssel zum Erfolg."
Quelle: Euro am Sonntag 29/02