Aktuell : Bill Gates


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Aktuell : Bill Gates

 
29.06.01 15:56
HINTERGRUND: Bill Gates will Microsoft in neue Dimensionen führen  
 
WASHINGTON (dpa-AFX) - Bill Gates ist offenbar nicht klein zu kriegen. Zeitweilig sah es zwar so aus, als könnte der Software-Magnat von seinem Sockel stürzen. Doch nachdem ein Berufungsgericht in Washington jetzt die Anordnung zur Zerschlagung des Microsoft-Konzerns kippte, kann der Selfmade-Milliardär mit viel Optimismus in die Zukunft blicken. Die "dunkle Wolke" habe sich aufgelöst, sagte er.
Die Berufungsrichter schlossen eine Spaltung des Konzerns de facto aus, indem sie die Hürden dafür sehr hoch setzten. Möglich ist aber, dass dem ehrgeizigen Projekt des "Mister Microsoft", mit seinem für Oktober angekündigten neuen Betriebssystem Windows XP neue Eroberungsfeldzüge im Internet zu starten, in einem neuen Verfahren oder außergerichtlichen Verhandlungen mit den US-Kartellrechtshütern Riegel vorgeschoben werden. An der marktbeherrschenden Stellung von Windows würde dies dennoch nicht rütteln.

GESCHÄFTSZAHLEN VON MICROSOFT ZEIGEN IN DIESEM JAHR WIEDER NACH OBEN

Die Dot-Com-Krise hinterließ zwar auch bei Microsoft ihre Spuren. In diesem Jahr zeigen die Geschäftszahlen des Unternehmens im Gegensatz zu denen der Konkurrenz aber wieder steil nach oben. Und Bill Gates ist nach wie vor der reichste Mann der Welt. Auf 58,7 Mrd. USD (68,6 Mrd. Euro/134,2 Mrd. DM) schätzte kürzlich das US-Magazin "Forbes" sein Vermögen. Damit verlor Gates zwar vier Mrd. USD - aber der Mann der Superlative wird es verschmerzen können: Mit 31 Jahren wurde er zum jüngsten Milliardär der industriellen Welt. 39.000 Menschen arbeiten weltweit für Microsoft. 90 Prozent aller Computer in Wohnungen und Büros weltweit sind mit Windows ausgerüstet.

Seit Jahren sieht sich Gates mit dem Vorwurf unlauterer Geschäftspraktiken konfrontiert. Microsoft wolle die Vormachtstellung seines Betriebssystems Windows ausnutzen, um auch seine anderen Softwareprodukte auf dem Markt durchzusetzen und die Konkurrenz zu verdrängen, heißt es immer wieder. Gates hält dagegen, dass die direkte Koppelung von Anwendungsprogrammen an Windows benutzerfreundlich sei. Das Fass war übergelaufen, als Microsoft seinen Internet-Browser in das Windows-98-Paket integrierte. Seitdem hat sich der Konzern einer Klage der US-Wettbewerbshüter zu erwehren.

MIT WINDOWS XP SOLLEN ZUGÄNGE ZUM INTERNET NOCH ERWEITERT WERDEN

Dessen ungeachtet, will Gates in Windows XP die Zugänge zum Internet sogar noch erweitern. So ist etwa der Media Player, mit dem sich Musik und Filme aus dem World Wide Web herunterladen lassen, in Windows XP integriert. Aus den Reihen der Kläger war bereits zu hören, sie wollten die neue Windows-Version in den weiteren gerichtlichen Anhörungen auf die Tagesordnung setzen. Denkbar ist also, dass Gates von seinen ehrgeizigen Plänen Abstriche machen muss.

Dass Gates ungeachtet des juristischen Konflikts seine Strategie der

Erweiterung des Windows-Pakets weiter verfolgt, ist charakterisch für diesen Mann: Er hat sich noch nie darum geschert, was von ihm erwartet wird. Der 45-J ährige gilt als hochbegabt, hyperaktiv und autoritär. Als er des Studiums in Harvard überdrüssig war, gründete er als 19-Jähriger zusammen mit Paul Allen die Firma Microsoft. Dann machte er sich daran, das Software-Programm DOS zu entwickeln, das er 1980 an IBM verkaufte. Anfang 2000 zog sich Gates überraschend vom Chefposten seines Unternehmens zurück. Seitdem widmet er sich wieder verstärkt selbst der Entwicklung neuer Produkte.

GATES HÄLT BEI MICROSOFT WEITER DIE FÄDEN IN SEINER HAND

Keinen Zweifel kann es aber daran geben, dass Gates bei Microsoft weiter alle Fäden in der Hand hält. "Microsoft ist kein Beruf, es ist eine Lebensart", sagte einmal ein Mitglied der Firmenleitung. Wer die Ehre hat, dazu zu gehören, lässt sich bisweilen auf ungewöhnliche Praktiken ein. Mal wurden die Gehälter gekürzt, mal wurde eine Wochenarbeitszeit von 80 Stunden als normal verkauft. Bei Microsoft fand Gates auch seine Frau, die Marketing-Chefin Melinda French. Sie sind seit 1994 verheiratet und haben zwei Kinder./dja/FP/js



29.06. - 15:53 Uhr
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