Mailand, 11. Dez (Reuters) - Der italienische Autohersteller Fiat will im Zuge eines umfassenden Restrukturierungsprogramms seine Schuldenlast halbieren. "Wir erwarten, dass unsere Schulden Ende 2002 (...) bei etwa drei Milliarden Euro liegen werden", sagte der Chef des italienischen Autoherstellers, Paolo Cantarella, am Dienstag in Mailand. Dabei gehe er von einem etwa fünf Prozent schwächeren Automarkt aus. Die Fiat-Aktien, die am Montag vom Handel ausgesetzt waren, brachen an der Mailänder Börse zeitweise um zwölf Prozent ein. Fiat hatte am Montag ein umfassendes Restrukturierungsprogramm sowie den Rücktritt von Roberto Testore, dem Chef der Auto-Sparte von Fiat, bekannt gegeben. Testores Nachfolger soll der bisherige Chef der Lastwagen-Tochter Iveco, Giancarlo Boschetti, werden.
Der fünftgrößte Autobauer Europas will von 2002 bis 2004 insgesamt 6000 Stellen streichen und rechnet für dieses Jahr mit einem Netto-Konzernverlust. Operativ werde im laufenden Jahr ein Gewinn von 300 Millionen Euro angestrebt, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Der Autobauer, der vor allem kleine und kompakte Modelle für den Massenmarkt herstellt, war vor allem von einem Absatzeinbruch in Folge der Anschläge vom 11. September betroffen.
Die Restrukturierungen seien 2001 mit außerplanmäßigen Kosten von 800 Millionen Euro verbunden, teilte Fiat mit. Im Zuge der stärkeren Konzentration auf das Autogeschäft als Kernaktivität wolle sich Fiat 2002 von Vermögenswerten in Höhe von zwei Milliarden Euro trennen. Zudem sei eine Kapitalerhöhung über eine Milliarde Euro sowie die Ausgabe einer Wandelanleihe über 2,2 Milliarden Dollar (rund 4,8 Milliarden Mark) auf Aktien des US-Holdingspartners General Motors geplant.
Das Programm half dem Aktienkurs allerdings wenig. Bis zum Nachmittag pendelten sich Fiat auf 17,84 Euro, einem Minus von sieben Prozent ein. Händler sagten, der Markt traue Fiat nicht. "Das Geld wird für die Bedienung von Schulden eines Unternehmens benutzt, das nicht funkitioniert", erklärte Corrado Berlenda, Fondsmanager bei Euromobiliare in Mailand. "Sie können mit den Autos, die sie verkaufen, immer noch kein Geld machen. Allerdings seien die Probleme von Fiat nicht einzigartig. Auch GM Europe und Ford Europe kürzten ihre Kapazitäten und bauten Stellen ab.
Fiat war zum Ende des dritten Quartals früheren Angaben zufolge mit 7,5 Milliarden Euro verschuldet. Das Unternehmen wollte seine Schuldenlast ursprünglich bis zum Jahresende auf 3,5 Milliarden Euro reduzieren.
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