eine Antwort auf
#1403 schuldig.
zu
#1492Das ist der Basissatz der "negativen Dialektik" und damit von Marx genauso wie der Kritischen Theorie. Der umstrittene Begriff der Postmoderne entspringt dabei zumindest im Ursprung sicherlich ebenfalls diesem Spektrum. Ich halte die negative Dialektiv dafür allerdings nicht als denknotwendig.
Im "Ganzen" wird dort ein riesiger Verblendungszusammenhang erblickt, hinter dem sich Herrschaftsverhältnisse verstecken.
Zum einen zeugt dies m.E. entweder von einem unzureichendem Verständnis von Hegel, oder wichtige Aspekte werden dabei ganz bewußt unter den Tisch fallen gelassen.
Dass solche Art von inszenierten Verblendungszusammenhängen existieren, kann man kaum ausschließen. (Ich sehe z.B. einen in der Darstellung der MMT ;)) Dies allerdings als grundlegendes Wesen des "Ganzen" zu betrachten ist letztlich eine Unterstellung, bei der die Argumentation nicht selten durch Rhetorik ersetzt wird.
Nach der BT-Rhetorik, die Du als "Antikapitalismus von rechts" bezeichnest, sieht man z.B. im Finanzwesen einen riesigen Verblendungszusammenhang, in dem man in diesem Fall die Herrschaft von Goldman Sachs und Co erblickt.
Verblendungszusammmenhänge kann man letztlich immer behaupten, deswegen gilt es auch immer und gleichzeitig nie!
Es gibt eine schöne Stelle in Dietrich Schwanitz "Der Campus". Am Ende beteuert die Studentin vor Gericht unter Tränen, dass der Professor sie nicht vergewaltigt hätte. Der gutachtende Psycholge hielt diese Erklärung allerdings nicht für glaubwürdig. Sie würde sich das nur vormachen (Verblendungszusammenhang) da ihr Unterbewußtes den Professor stellvertretend für ihren eigenen Vater (Herrschaftszusammenhang) in Schutz nehmen würde, der sie in der Kindheit missbraucht hätte, was ihr Bewußtsein aus Liebe als Erkenntnis aber nicht zulassan kann.
Die interessante Rückfrage, die Schwanitz der Verteidigung in den Mund gelegt hatte war dann, "Mal angenommen es hat sich tatsächlich so zugetragen wie die Studentin es geschildert hat - wie hätte sie das dann darstellen müssen?"
Dies bringt das gesamte Dilemma einer solchen Betrachtungsweise auf den Punkt. Ein Gegenbeweis steht kaum offen. Wobei man dann den Bogen zu Karl Poppers Wissenschaftstheorie schlagen und sich fragen könnte, wie man in den Sozialwissenschaften eine Behauptung einordnen soll, die sich aufgrund seiner Struktur weder allgemeingültig beweisen noch im Einzelfall falsifizieren lässt?