Afghanischer Vertreter bittet um Schonung seines Landes
Der Vertreter Afghanistans in Deutschland hat die USA dazu aufgerufen, von Angriffen auf sein Land abzusehen. Gegenüber der Financial Times Deutschland sagte er, "dass das afghanische Volk nicht aus Terroristen besteht, sondern selbst ein Opfer der Taliban ist".
Die in Deutschland lebenden Afghanen verurteilten die gestrigen Attentate als einen "barbarischen Akt", sagte Botschaftsrat Amanullah Jayhoon. Da die Bundesrepublik mit dem Regime in Kabul keine diplomatischen Beziehungen unterhält, wird Afghanistan in Berlin durch die ehemalige Regierung repräsentiert. Sie hält heute noch rund zehn Prozent des afghanischen Territoriums. Als Nordallianz kämpft sie unter Führung von Achmadschoh Massud gegen die Taliban. Auf Massud wurde am Wochenende ebenfalls ein Attentat verübt und es ist unsicher, ob er noch lebt. Jayhoon versicherte jedoch, Massud lebe.
Die in Afghanistan regierende radikal-islamische Taliban gewährt dem international gesuchten Terroristen Osama Bin Laden Unterschlupf, der als Hauptverdächtiger für die Anschläge in den USA gilt. Jayhoon betonte, seine Regierung weise seit langem darauf hin, dass der Terrorismus nur bekämpft werden könne, wenn er bei den Wurzeln gepackt werde - und die lägen in Pakistan, wo ein Großteil der Taliban ausgebildet worden sei. "Die USA sind mächtig genug, um Druck auf Pakistan ausüben zu können", sagte Jayhoon.
Skeptisch zeigte er sich, ob die Taliban dazu in der Lage seien, Bin Laden an die USA auszuliefern, weil diese finanziell von ihm abhängig seien. Seine Regierung habe allen demokratischen Ländern deshalb die Zusammenarbeit angeboten, sagte Jayhoon.
Was die afghanischen Flüchtlinge in Deutschland betrifft, so glaubt Jayhoon nicht, dass ihr Zahl durch die aktuelle Entwicklung weiter ansteigt. "Jeder der fliehen konnte, ist bereits geflohen", sagt er.
Derzeit leben zwischen 60.000 und 80.000 Flüchtlinge aus Afghanistan in Deutschland. Seit über zwei Jahrzehnten kommen immer neue Flüchtlinge aus dem krisengeschüttelten Land, die vorerst letzte startete vor vier Jahren mit der Machtübernahme der Taliban-Miliz.